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Deine Kerze. Erloschen.

Ich hatte sie entzündet, als sie mir sagte, Du würdest vermisst werden.
Zu Deinen Ehren – damit sie Dir helfen möge.
Sie wusste, was sie schon zu diesem Zeitpunkt war.
Und ganz leise hat sie’s mir vermittelt.

So leise, wie jetzt die Tränen fließen.
So unfassbar leise.

So unfassbar.

Erloschen.
Ein großes Stück Kindheit.

Und doch wird was bleiben.
Mehr als „ein Luft“.

Grüß mir den Dritten in unserem Bunde.
Ihr fehlt.
Ich bin sehr traurig.

Ein Glas. Und viele Bücher.

Manchmal passiert es. Manchmal erinnere ich mich an große kleine Schätze. Manche liegen im Keller, andere stehen in den Regalen. Beide gehören zusammen – unzertrennlich.
Gerade eben ist wieder einer dieser Momente. Vermutlich angestoßen durch die jüngst beendete Buchmesse, die mich an meine eigene Zeit im Verlag erinnert. Dieses Jahr erstaunlicherweise mehr denn je – warum auch immer.

Nun ziert also ein oktobergoldfarbener Recioto di Soave 2002 von Monte Rondo das Glas auf meinem Tisch.
Klar: die olfaktorischen Zellen schnuppern sich durch Karamel, durch leichte Honignoten. Auch durch Rosiniges. Aber gäb’s da nicht noch mehr Aromen zu entdecken? Auch fest verankert: das Wissen, dass der Wein aus dem Veneto kommt, seit langen Jahren eine DOCG-Appellation trägt und aus der Garganega-Traube gekeltert wird. Betont wird übrigens das zweite „a“.

Der Wein war laut Hersteller 18 Monate im Barrique – das verschweigt er meiner Nase aber diskret. Gut, etwas Vanille offenbart er, aber mein Riechepithel ist vielleicht doch seit zwei Jahren nicht mehr so wohl trainiert wie es damals war. Schade irgendwie – das organoleptische Wahrnehmen gerät so schnell wieder in Vergessenheit.  Gekauft hatte ich ihn in Verona, 2004 dürfte es gewesen sein. Was er damals gekostet hat, weiß ich nicht mehr – ich vermute, um die 25 EUR.

Das alte Interesse ist wieder da, also werden die Weinbücher reaktiviert. Klar: Kurt Gibel hat ne Notiz in seinen Weinsteckbriefen. Jancis Robinson bietet bei der Beschreibung der Rebsorte Garganega nullkommgarnix zum Recioto di Soave in der bei Slow Food erschienenen und eigentlich heiß geliebten Guida ai Vitigni del Mondo – ungewöhnlich. Der recht unbekannte Führer zu italienischen Rebsorten Vino é verrät mir, dass der Recioto di Soave nicht nur in seinen Ursprüngen auf prärömische Zeiten zurückgeht, sondern auch der erste Wein des Veneto war, der die DOCG-Bezeichnung erhielt – im Jahre 1998. Marco Sabellico und Daniele Cernilli, langjährige Frontmen der hierzulande eher unbekannten Zeitschrift Gambero Rosso und gewichtige Co-Autoren des immer wieder heiß diskutierten Weinführers Vini d’Italia – besser bekannt als „der Gambero Rosso“ widmen der Historie der Rebsorte ein paar Zeilen – viel mehr auch nicht.

Klar – es gibt aufregendere, größere Dessertweine. Mich entführt diese goldstrohgelbe Flüssigkeit jedoch in eine Region, die mir seit Kindertagen ungeheuer vertraut ist. Die mir manchmal sehr fehlt. Die sich sehr gewandelt hat. Dörfer sind zusammen gewachsen, Gewerbegebiete der grausamsten Art erstrecken kilometerlang entlang der Ausfallstraßen. Ein Backpulver-Autohersteller nach dem nächsten protzt mit dem wirtschaftlichen Aufschwung, die die Region genommen hat. Der Wein erzählt aber auch von Freunden und den wunderbaren und beschwingten Abenden mit ihnen. Mit philosophisch anmutenden Gesprächen über die Vorteile des Lebens in Norditalien oder die Sehnsüchte, dass doch doch bitte manches so geordnet laufen könne wie in Deutschland. Immer über die Familien. Und natürlich über die Qualität von Lebensmitteln, die Zubereitungsarten für heimische Spezialitäten, gute Weine – la vita. La vita in purezza. La vita sul piatto. La vita nel bicchiere.

Salute  – auf die Weine und die Bücher in meinen Regalen!

Reingefallen. Von der Chance, zum Case zu werden.

Willkommen in der Fremdlink-Wüste des Tages.
Botland genannt – oder so ähnlich.

Wer nun ein „G*rl“ erwartet, den muss ich enttäuschen. Ab 40 dürfte man diese Zeiteinheit dann wirklich mal überschritten haben. „Foirig“ – nun ja: zu übersehen war meine Haarfarbe nie. Aber die war wohl auch nicht wirklich gemeint. Teil 3 des hinterlistigen Links erübrigt sich auch – uns hat wohl ein Bot zusammengeführt. Überaus unfreiwillig.

Für mich ist’s wohl meine ganz spezielle, weil ein wenig homemade Social Media-Erfahrung.
Wieder mal war ein externer und unbekannter Besucher auf meinem X!ng-Profil – seit einigen Monaten ist das schon fast zur Normalität geworden. Diesmal war’s jedoch eine Suchanfrage, die von einer Website kam, die die drei besagten Worten enthielt.

Und mein (zu) fixer Gedanke lautete: „willst Du mich foppen, so irrste Dich – ich thematisiere den Schmarrn jetzt bei Twitter“.
Gedacht – getweetet – vergessen.
Stunden später habe ich dann einen Blogpost verfasst. Der erste in Mundart, weil’s ein so herrlich bairischer Tag war, der – oh Klischee – auch noch den Besuch einer dekorativ recht überladenen Wallfahrtskirche beinhaltete.

Heute vormittag befiel mich dann gepflegte Verwunderung, wie gut ein bairischer Blogpost ankommen kann. Do schaugst her! Nun gut, noch ist Wiesnzeit. Nachmittags gab’s bereits einige Neubesucher auf dem X!ng-Profil. Alle mit den gleichen Suchkriterien. Merkwürdig. Und die Besucherzahlen auf dem Blog: zack – in Höhen, die allmählich der Zugspitze nahe kommen.
Als Quelle immer wieder Suchanfragen mit den mittlerweile wohlvertrauten drei Worten.

Anfragen via Mail – die Website selbst sei gesperrt, aber worum es denn da so ginge.

Also: es ging um Banales – so banal, dass ich es schon wieder vergessen habe. Tipps auf einer bekannten spanischen Ferieninsel – harmloser Natur. Klar war ich drauf – immerhin will ich wissen, ob da Schindluder getrieben wird mit Foto und Namen. Dabei bin ich einem Bot aufgesessen, hab ihn auch noch befeuert durch meinen Tweet und nun hängt dieser in den großen Weiten von Google und harrt seiner Entsorgung.

Meine Learnings daraus:
– Unfug im Web passiert schneller als man denkt.
– *piep* sells wohl wirklich immer
– Transparenz ist etwas wunderbares – aber man sollte hinterfragen, wie transparent sie auch im Handumdrehen gestrickt werden kann, ohne dass man die Fäden selbst noch in den Händen halten kann.

In diesem Sinne: never ever again ein flapsiger Kommentar zu einem Blöd-Bot.