Alle unter Schweden verschlagworteten Beiträge

Der Schwede, der von seinem hundertjährigen Helden gesiezt wird

Da saß nun Jonas Jonasson in pinkem Hemd und gleichfarbigen Sneakers im komplett abgedunkelten Carl-Orff-Saal des Münchner Gasteigs und las aus seinem neuesten Buch Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind. Auf Schwedisch. Und ich versank in seiner Stimme. Denn die klingt so wunderbar wie er schreibt. Und er schreibt ziemlich wunderbarissimo. Ich mag Jonassons Um-Ecken-Denken ebenso wie seine Leidenschaft, uns Lesern immer noch ein kleines Häppchen mehr an Wundersamen in liebevoll ausgekleideten Steilkurven zu offerieren. Sein Hundertjähriger, der aus dem Fenster stieg und verschwand, erhellte mein Gemüt in finsterster Zeit und gab mir damals ein kleines bisschen der liebevoll schrägen und überaus humorvollen Gedankengänge zurück, die ich gerade eben erst für immer verloren hatte. Eine Bucherfahrung wie diese bindet in so einer Situation und ließ mich natürlich auch das Folgewerk lesen: Die Analphabetin, die rechnen konnte. Ebenfalls auf überaus intelligente und kurvenreiche Art unterhaltsam und spannend. Die jetzt beschriebene Figur des Mörder Anders basiert auf einer etwa vierzig Jahre alten Moritat, die die letzte in Schweden vollzogene Hinrichtung zu Beginn des 20. Jahrhunderts thematisiert. …

Love 2010. Wie wahr, Stockholm.

Der erste Blick in Arlanda fällt auf ein Riesenbanner mit dem Konterfei einer jungen Dame, an deren Geburtsfotos ich mich noch vage erinnern kann. Neben ihr ein bebrillter Schwiegermuttertraum. Darunter der Schriftzug „Love 2010. Stockholm“. Und eine Countdown-Uhr, die die Zahl „36“ verkündet. Stimmt! Das Sauberpaar der Nation wagt demnächst den tränenreichen Schritt vor den Altar. Und da sich Ereignisse wie diese trefflich vermarkten lassen, läßt sich Mannigfaltiges mit dem Konterfei des Brautpaares aufsaugen. Wir sind auch da, um unsere Liebe zu genießen und zu erweitern. Die Liebe zwischen dem Zauberwesen und mir.  Und die Einlösung des Weihnachtsversprechens. Nachweihnachtliche Frühlingsgefühle also mitten im Mai. In Stockholm erfreut man sich nämlich gerade der Narzissen-, Tulpen- und Kirschblüte. Kultur ist man gewohnt als Stockholmist – die Altstadt ist dort noch alt und unbeH&Mt und in der Enge der Gassen kommt ein Flair auf, das in der Tat ein wenig an Venedig erinnert. Auch wenn’s dann doch ganz anders ist. Rund um den imposanten Palast ist alles geboten, was mit Wachablösung mit Tschingdarassabumm und Stillstand zu tun hat – inklusive der Kirche, die die Fernseher …