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Vom Essen und der Kunst des Speisens

In besonders stressigen Zeiten ertappe ich mich manchmal dabei, über den Status banaler Nahrungsaufnahme gar nicht so richtig hinweg zu kommen. Ein müslibeflockter Joghurt beim Mailcheck, ein leicht chaotischer Resteteller beim Zeitunglesen. Doch meistens – zum Glück – esse ich, wenn ich esse. Der Begriff des Speisens kam mir schon lange nicht mehr in den Sinn. Das Verb „speisen“ hat ja auch irgendwie einen faden Beigeschmack: irgendetwas fürchterlich gediegenes, auch langweiliges – irgendwie veraltet Spießiges. Wie es eben auch das verstaubte Wort „Speisesaal“ bereits verheißt. Doch kürzlich wurde ich eines Besseren belehrt: Speisen beinhaltet Ruhe. Entspannung. Eine Prise Noblesse ist auch dabei und die obliegt ja bekanntermaßen. Zum genussvollen Speisen gehört ein adäquat stilsicheres Ambiente, zuvorkommende Servicekräfte, gaumengebildete Co-Gäste, die nicht als erstes nach der Ketchup-Flasche und dem kostenlosen Refill des Softgetränks schielen oder gar fragen – und eine Speise- sowie Getränkekarte, die aus ihrer puren Hülle bereits die Genussmomente verheißen, die der Gaumen im Laufe des Besuchs erleben darf. Ja, auch wenn es fast ein bisschen merkwürdig klingt: Beim Speisen wird zelebriert, was Körper, …

Vom Mittendrin des Außenstehenden: Die Philharmonie de Paris

Ein Kulturtempel namens Philharmonie liegt üblicherweise recht zentral – so kennt man es von vielen Metropolen. Nicht so in Paris: Die Fahrt zur 2015 eröffneten Philharmonie de Paris, die Bestandteil der City de la musique ist, wirft zunächst die Frage auf, ob unser Fahrer tatsächlich ortskundig ist oder vielleicht doch eher nur geschäftstüchtig. Es geht vorbei an Gewerbegebieten und den überall hässlichen, weil gesichtslosen Riesenwohnblocks, von einer Stadtautobahn gefühlt auf mindestens vier weitere und dann wieder in zwei Kurven und noch einer Brücke entlang. Und plötzlich blitzt es seitlich metallern auf und was das Auge erblickt, lässt den Anfahrtsweg vergessen: Eine Trutzburg aus der Welt des Darth Vader (was bei Sonnenschein sicherlich anders wirkt als an unserem grautrüben Besuchstag), die mal glänzt und dann wieder matt ist und Elemente enthält, die umgehend an Zeichnungen von M. C. Escher erinnern. Erst im Inneren des Gebäudes, das man über Treppen, langsam ansteigende Rampen oder Rolltreppen erreichen kann, wird klar, dass das Konzept mehr beinhaltet als ein auffälliges Äußeres mit einem reinen Konzertsaal sowie ein paar kleinere Proberäume. Es ist ein kulturelles Gesamtkonzept, …

Happy Birthday, Centre Pompidou!

40 Jahre ist das Centre Pompidou nun schon unübersehbarer Bestandteil von Paris – dieser Koloss aus Stahl, Plexiröhren, Stahlröhren, Röhrenröhren, Schächten, Gestängen und vor allem dauervielen Besuchern! Auf der Abi-Fahrt (seinerzeit™) konnte ich es kaum erwarten, das damals erst wenige Jahre alte Gebäude, dessen Namen wie ein Lauffeuerwerk durch meine damalige Welt des kunst- und kulturorientierten Gymnasiums ging, endlich live zu sehen – es schien mir damals eine Art Nabel der Welt zu sein. Als ich schließlich davor stand und an ihm entlang äugte, war es genau so faszinierend unangepasst wie erwartet. Erfrischend anders. Und doch wirkte es auch irgendwie monströs und bedrohlich auf mich. Als würden die Öffnungen der Röhren am Gebäude und auf dem Platz davor irgendwann den gewaltigsten Rülpser ausstoßen, den die Welt je vernommen hatte. Warum auch immer. Zumindest lässt der Kosename „Raffinerie“, den die Pariser dem Gebäude gaben, vermuten, dass es auch andere Menschen auf erstaunliche Assoziationen brachte. Im Inneren birgt es wahre Vielfalt in sich: Das Museum für Moderne Kunst, Sonderausstellungsräume, das Zentrum für Industriedesign, ein Kino, die umfangreiche öffentliche Bibliothek, Konzertsäle, ein Musikforschungszentrum, die Kinderwerkstatt, ein Restaurant sowie ein Café und …