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Vom Essen und der Kunst des Speisens

In besonders stressigen Zeiten ertappe ich mich manchmal dabei, über den Status banaler Nahrungsaufnahme gar nicht so richtig hinweg zu kommen. Ein müslibeflockter Joghurt beim Mailcheck, ein leicht chaotischer Resteteller beim Zeitunglesen. Doch meistens – zum Glück – esse ich, wenn ich esse. Der Begriff des Speisens kam mir schon lange nicht mehr in den Sinn. Das Verb „speisen“ hat ja auch irgendwie einen faden Beigeschmack: irgendetwas fürchterlich gediegenes, auch langweiliges – irgendwie veraltet Spießiges. Wie es eben auch das verstaubte Wort „Speisesaal“ bereits verheißt. Doch kürzlich wurde ich eines Besseren belehrt: Speisen beinhaltet Ruhe. Entspannung. Eine Prise Noblesse ist auch dabei und die obliegt ja bekanntermaßen. Zum genussvollen Speisen gehört ein adäquat stilsicheres Ambiente, zuvorkommende Servicekräfte, gaumengebildete Co-Gäste, die nicht als erstes nach der Ketchup-Flasche und dem kostenlosen Refill des Softgetränks schielen oder gar fragen – und eine Speise- sowie Getränkekarte, die aus ihrer puren Hülle bereits die Genussmomente verheißen, die der Gaumen im Laufe des Besuchs erleben darf. Ja, auch wenn es fast ein bisschen merkwürdig klingt: Beim Speisen wird zelebriert, was Körper, …