Alle unter Winter verschlagworteten Beiträge

Begegnung mit vergessenen Frauen

Der Alte Münchner Südfriedhof ist per se ja schon interessant: Liegen dort doch zahlreiche bekannte Persönlichkeiten und Normalbürger längst vergangener Zeiten in meist beeindruckenden Gräbern, die meist längst vom Verfall gekennzeichnet sind. Auch Vorfahren unserer Familie fanden dort ihre letzte Ruhestätte. Seit etwa einem Jahr schenkt Adelheid Schmidt-Thomé nun den Vergessenen Münchnerinnen die Aufmerksamkeit, die diese Frauen auch heute noch verdienen. Sie brachte einen sehr schönen Kalender für das aktuelle Jahr heraus (ein paar Restexemplare der 2. Auflage gibt es wohl noch), in dem sie Monat für Monat je eine Protagonistin vorstellt. Und nun bietet sie auch Führungen an – aktuell noch als Privatführung, später werden öffentliche folgen. So kam ich jüngst in den Genuss, beeindruckende und bewegende Schicksale einiger Damen kennen zu lernen, darunter Felicitas von Klenze, Ilka von Wrede (nach der die Ilka-Höhe bei Tutzing benannt ist), Caroline Pfeffel, Luise Roeckl aus der Dynastie der Lederhandschuhexperten, die Schauspielerin und Erfinderin des Schneeballsystems, Adele Spitzeder sowie Clara Ziegler, Starschauspielerin und Gründerin des Deutschen Theatermuseums. Auch das recht zart anmutende Grab der von König Ludwig I. zur „Schönen Münchnerin“ erhobenen Helene Miller, geb. Sedlmayr, kann man besuchen. …

Winterkurzurlaub, die Zweite: Ein halber Tag am Tegernsee.

Erstmals (zumindest gefühlt) in diesem Jahr verhieß der Wetterbericht zweistellige Temperaturen bei strahlendem Sonnenschein. Grund genug, die für heute geplanten Punkte auf der To-do-Liste aufs Wochenende zu verschieben und mittags raus zu düsen an den Tegernsee. Bad Wiessee war das Ziel − nach jahrezehntelanger Abstinenz war ich diese Woche erstmals anlässlich eines Locationchecks wieder dort gewesen und empfand die Seepromenade als überaus angenehm, um einen halbwegs eisplattenfreien Spaziergang am See in der Sonne zu genießen. Bei Wärmeprickeln im Gesicht und leisem Wellenschlag spaziert es sich frühlingsahnend hoffnungsfroh entlang der Seepromenade, vorbei an geschlossenen Hotels, besetzten Parkbänken und mehr oder minder alten Bauernhöfen, meist mit Blick auf den Wallberg und all seine Nachbarn. Im Fischerei-Bistro genießen wir wunderbare Variationen vom Saibling mit Blick auf den Ort Tegernsee am gegenüber liegenden Ufer. Bayern hat schon Glück gehabt bei der Vergabe von Natur. Unterwegs begegnen wir Entenpärchen voller Zuversicht auf Gründelerfolge und Frischgrasfreuden, einzelgängerischen Duckantn (außerhalb Bayerns als Blässhühner bekannt), dem erwarteten Posten Möwen auf einem Steg, zwei Dackeln, 150 Labradore(ttine)n und erstaunlich wenigen Freitagnachmittagsspaziergängern. Das Klischee vom überparfümierten, best-agenden Touristen aus dem Rheinland, der sich in all …

Palma de Mallorca: Eine kleine Winterflucht

Ich habe ein zweispältiges Verhältnis zu Winter und Schnee: An Strahletagen öffnet sich mein Herz und juchzt bei einem Spaziergang auf frischem, vor Kälte knirschenden Schnee, am besten entlang eines zugefrorenen Weihers oder anfrierenden Sees. An ekelpseudokalten Grauesgrau-Tagen mit Rumgeniesel und Spritzmatschgepfütze in der Stadt trübt sich jedoch auch meine Sommerkind-Seele rasch ein. Umso schöner also, dass ich Mitte Januar für einige Tage von der Fundación Turismo Palma de Mallorca eingeladen war, die Inselhauptstadt kennenzulernen. Vor zwölf Jahren hatte ich Mallorca erstmals besucht − damals eher als Verlegenheitslösung, weil ich einen geplanten Taiwan-Besuch bei Freunden aufgrund der damaligen SARS-Epidemie kurzfristig absagen, dennoch aber im März meinen Resturlaub abfeiern musste. Damals wohnte ich auf der Bio-Finca Son Pons in Búger in der Inselmitte und verbrachte bei meinen Erkundungstouren über die Insel nur einen Nachmittag in Palma. Die Insel verfügt über wunderschöne Städtchen und Landschaften. Schwer verliebt hatte ich mich damals in den jahreszeitlich bedingt leeren Strand von Formentor − schockiert war ich von den Ferienvollzugsanstalten, die im März noch verwaist auf ihre sommerlichen Sangria-Klischee-Gäste warteten. #Palma365 lautete das Motto der Reise, die nun über …