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Oberammergauer Vielfalt: Vom Schnürlkasperl zum Passionsspiel

Das Messer ist sein wichtigstes Werkzeug, sagt Markus Wagner, der letzte Oberammergauer Schnürlkasperl-Schnitzer. Früher sei es das Werkzeug der armen Leute gewesen, ergänzt er: „Das geschmiedete Schnitzeisen habe ich kaum noch in der Hand. Ich arbeite ja auch nahezu eindimensional bei meinen Kasperln.“ Sein Handwerk hat er in der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer in Oberammergau erlernt, die Ausbildung dauert auch heute noch drei Jahre. Pro Jahrgang sind es heute jedoch nur mehr etwa 15 Schüler. Die Schnitzerei ist leider zunehmend müßig: Gab es in Wagners Jugend etwa 200 Schnitzer im Ort, so sind es heute nur mehr 30, darunter kaum noch klassische Herrgottsschnitzer, „da sich kaum mehr jemand eine Jesusfigur ins Haus holt“. Da war es vorausschauend, dass Markus Wagner sich früh auf die Schnürlkasperl (auch Fadengaukler oder Hampelmänner genannt) spezialisierte. Die Freude an der Holzbildhauerei war ihm in die Wiege gelegt worden: Wagners Vater war Krippenschnitzer. Er musste sich zunächst jedoch im Winter auch als Skilehrer und im Sommer als Bademeister verdingen, um seine Kinder ernähren zu können. Eine verhältnismäßig goldene Zeit erlebte die …

Kloster Ettal: Vom geistlichen Leben und Genießen

Etwa zehn Kilometer nördlich von Garmisch Partenkirchen liegt auf einem Hochplateau die Benediktinerabtei Kloster Ettal. Sie wurde 1330 von König Ludwig IV., genannt Ludwig der Bayer, gegründet – man munkelt, nicht ganz uneigennützig, weil der Wittelsbacher sich von dem Standort auch die Verbesserung der Handelsachse von Augsburg nach Verona versprach. Ludwig der Bayer war ohnehin nicht unumstritten, hatte er sich doch 1328 in Abwesenheit des Papstes in Rom von drei Bischöfen zum ersten deutsch-römischen Kaiser krönen lassen. Die Strafe folgte auf dem Fuß: Papst Johannes XXII. setzte ihn nicht nur als Kaiser ab, sondern exkommunizierte ihn zudem und so blieb Ludwig bis zu seinem Tod 1347 im Kirchenbann – trotz seiner Bemühungen um die Gründung des Klosters Ettal und seines Wohlwollens gegenüber den Franziskanern. Von 1330 bis 1370 wurde in Ettal also die erste, gotische Kirche gebaut, im 18. Jahrhundert wurde sie umgebaut zur noch heute aktuellen barocken Basilika. Mittlerweile wurde der Gebäudekomplex seitlich noch um eine bewusst schlicht gehaltene Winterkirche ergänzt – beheizt betet es sich in den kalten bayerischen Wintern doch ein bisschen angenehmer. …

Einmal richtig hoch hinaus: My first Zugspitze

Ist das nicht eigentlich unglaublich albern? Da bereisen wir die halbe Welt und kennen uns in manchen Regionen so wunderbar aus, dass wir uns fast heimisch fühlen und vor Tipps überquellen, wenn uns Dritte darum bitten. Und dann ist da dieses berühmte Gute, das ja oft so nahe liegen soll – und das wir von einem aufs andere Mal verschieben. Und so ziehen die Jahre und Jahrzehnte ins Land (bzw. in die Länder) und irgendwann merken wir, dass die nahe Umgebung diverse Kenntnislöcher enthält. So ist’s auch mir jüngst ergangen: Obwohl ich nur gute 90 km entfernt wohne, war ich noch nie auf der Zugspitze. Ein bissl verschämt rotbäckig wurde ich also schon, als Petra Vogt, die Kurdirektorin der Gemeinde Grainau, die sich stolz „Das Zugspitzdorf“ nennt, erwähnte, dass nach dem Mauerfall der Besuch der Zugspitze für viele Ostdeutsche ganz oben auf der Sehnsuchtsliste stand. Und so wenig Budget sie auch hatten: sie setzten ihren Wunsch, auf Deutschlands höchstem Berg stehen zu können, schwuppdiwupp in die Realität um. Tja: Tatendrang führt Wünsche schon immer besser …