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Das wundersame W (© casowi)

W wie wundersam. Und wunderbar.

Gestern um 17:03 Uhr ging ein wundersamer Blogpost von hier ins Web und an Euch, werte Abonnenten: Ein „W“ in der Betreffzeile und sonst nichts. Leere. Warum? Offen gestanden: Ich weiß es nicht. Ich saß zu diesem Zeitpunkt in der Literaturbuchhandlung Moths in München und lauschte den ersten Worten des wunderbaren Journalisten Georg Stefan Troller (*1921). Ich hielt mein Smartphone in der Hand, um ein paar Momente einzufangen, die mich auch in der Zukunft noch an diesen Abend erinnern mögen. Weshalb? Georg Stefan Troller, sein Schicksal und sein Werk sind mir seit der Kindheit überaus vertraut – ist bzw. war er doch einer der langjährigsten und innigsten Lebensfreunde meines Vaters. Die beiden lernten sich kurz nach Kriegsende in München bei einer befreundeten Familie kennen und blieben sich über die Jahrzehnte stets verbunden, auch wenn sie sich nur selten sahen. Der letzte Brief im Leben meines Vaters war für seinen Freund in Paris bestimmt – dessen Antwort traf drei Stunden nach dem Tod meines Vaters ein und wir lasen ihn ihm auf dem Totenbett vor. Das mag skurril klingen – für uns fühlte es sich …

jonas-jonasson-gasteig-sept2016

Der Schwede, der von seinem hundertjährigen Helden gesiezt wird

Da saß nun Jonas Jonasson in pinkem Hemd und gleichfarbigen Sneakers im komplett abgedunkelten Carl-Orff-Saal des Münchner Gasteigs und las aus seinem neuesten Buch Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind. Auf Schwedisch. Und ich versank in seiner Stimme. Denn die klingt so wunderbar wie er schreibt. Und er schreibt ziemlich wunderbarissimo. Ich mag Jonassons Um-Ecken-Denken ebenso wie seine Leidenschaft, uns Lesern immer noch ein kleines Häppchen mehr an Wundersamen in liebevoll ausgekleideten Steilkurven zu offerieren. Sein Hundertjähriger, der aus dem Fenster stieg und verschwand, erhellte mein Gemüt in finsterster Zeit und gab mir damals ein kleines bisschen der liebevoll schrägen und überaus humorvollen Gedankengänge zurück, die ich gerade eben erst für immer verloren hatte. Eine Bucherfahrung wie diese bindet in so einer Situation und ließ mich natürlich auch das Folgewerk lesen: Die Analphabetin, die rechnen konnte. Ebenfalls auf überaus intelligente und kurvenreiche Art unterhaltsam und spannend. Die jetzt beschriebene Figur des Mörder Anders basiert auf einer etwa vierzig Jahre alten Moritat, die die letzte in Schweden vollzogene Hinrichtung zu Beginn des 20. Jahrhunderts thematisiert. …

GR Vini d'Italia München 2016

Die Weinfreuden Italiens und der Rotkrebs

30 Jahre ist er nun schon alt, der berühmte und immer wieder heiß diskutierte rote Weinführer Italiens. Lange hieß er „Vini d’Italia“, wurde aber schon damals meist „der Gambero Rosso“ genannt. Was nur zum Teil stimmte, da das jährlich verlegte Werk eine Coproduktion der italienischen Lebensmittelkoryphäen Gambero Rosso (übersetzt „Roter Krebs) mit Sitz in Rom und Slow Food im piemontesischen Bra war. Es kam irgendwann, wie es wohl in so manch italienischer Ehe üblich ist, zu Meinungsverschiedenheiten, Kompetenzgerangel und schließlich im Jahr 2009 sogar zum Bruch. Seit 2012 bringt nun Gambero Rosso das Werk in Eigenregie auf den deutschen Markt, mittlerweile als „Weine Italiens“. Jahr für Jahr werden in den Sommermonaten mehrere zehntausend Weine von den Verkosterteams (etwa 60 Personen stark) blind verkostet und beschrieben – 2016 gelang etwa der Hälfte der ursprünglich 44.000 eingereichten Weine von 2.400 Winzern der Einzug ins Buch. Die begehrte Top-Prämierung der Drei-Gläser-Wertung („trebicchieri“) erhielten diesmal satte 421 Weine (vor zehn Jahren waren es noch 246). Und um das Top noch mal zu toppen, werden jährlich Sonderpreise für den besten Schaum-, Rot-, Weiß- und Dessertwein sowie an das Weingut, den Önologen und das Nachwuchstalent …