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Vereint im Anderssein. Die Redhead Days in Breda.

Am ersten September-Wochenende sieht das hübsche niederländische Städtchen Breda traditionell rot. Und nicht nur ein Rot – an die zweitausend Rotschattierungen sind es. Denn seit 2007 organisiert das Team rund um Initiator Bart Rouwenhorst die Redhead Days, eine Veranstaltung für Rothaarige aus aller Welt, die mittlerweile nahezu vier Tage umfasst. Als Maler hatte er 2005 auf der Suche nach rothaarigen Modellen eine Anzeige geschaltet und erhielt unerwartet hohe Resonanz darauf. Also ergriff er die Gelegenheit im wahrsten Sinne des Wortes beim Schopf und rief das mittlerweile weltweit größte Treffen aller MC1R-Mutierten ins Leben. Immer auffällig: Die MC1R-Mutanten MC1R ist ein Protein, das bei einer Veränderung des Gens Nr. 16 das hellere Phäomelanin statt des dunkleren Melanins in Haare, Haut und Augen einbaut. Die Folge sind hellere Haut, Sommersprossen und mehr oder minder rotes Haar. Manche von uns kommen leuchtenden Haares wie ein Feuerwehrauto zur Welt und verfärben sich während der Schulzeit über Schwedenweißblond in eine fröhlich-unauffällige Straßenköterfarbe (O-Ton von Betroffenen). Andere wiederum tragen lebenslang die dunkelroten Töne von Mahagoniholz im Haar. Die meisten werden schon früh …

Der Schwede, der von seinem hundertjährigen Helden gesiezt wird

Da saß nun Jonas Jonasson in pinkem Hemd und gleichfarbigen Sneakers im komplett abgedunkelten Carl-Orff-Saal des Münchner Gasteigs und las aus seinem neuesten Buch Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind. Auf Schwedisch. Und ich versank in seiner Stimme. Denn die klingt so wunderbar wie er schreibt. Und er schreibt ziemlich wunderbarissimo. Ich mag Jonassons Um-Ecken-Denken ebenso wie seine Leidenschaft, uns Lesern immer noch ein kleines Häppchen mehr an Wundersamen in liebevoll ausgekleideten Steilkurven zu offerieren. Sein Hundertjähriger, der aus dem Fenster stieg und verschwand, erhellte mein Gemüt in finsterster Zeit und gab mir damals ein kleines bisschen der liebevoll schrägen und überaus humorvollen Gedankengänge zurück, die ich gerade eben erst für immer verloren hatte. Eine Bucherfahrung wie diese bindet in so einer Situation und ließ mich natürlich auch das Folgewerk lesen: Die Analphabetin, die rechnen konnte. Ebenfalls auf überaus intelligente und kurvenreiche Art unterhaltsam und spannend. Die jetzt beschriebene Figur des Mörder Anders basiert auf einer etwa vierzig Jahre alten Moritat, die die letzte in Schweden vollzogene Hinrichtung zu Beginn des 20. Jahrhunderts thematisiert. …

Begegnungen mit Masken. Ein „Eigentlich“ wandelt sich.

Eigentlich mag ich weder Masken noch bin ich generell Fan von Kostümierungen. Fasching ist nicht so mein Ding und Karneval schon gar nicht. Das feiere gerne, wer mag − ich suche in diesen Tagen lieber Ruhe oder genieße ungestörtes Arbeiten. Auch die heidnischen Bräuche der Tiroler Bergwelt haben mir während der Studienzeit in Innsbruck offen gestanden durchaus ein wenig mehr als Respekt eingeflößt − nur ungern lasse ich das Gefühl, im Dunklen bei Schnee und Eis auf dem Weg nach Götzens von den Perchten aufgehalten zu werden, Revue passieren. Auch im Trentiner Val di Fassa gibt es eine Begegnung mit dem Krampus, dem hier so haarigen Zottelmonster, das am 6. Dezember den Hl. Nikolaus und den Gaben tragenden Engel begleitet. Nix für zarte Kinderseelen. Nun stand ich also im Ladinischen Museum in Vigo di Fassa plötzlich in einem Saal voller hölzener Masken. Und war amüsiert und fasziniert. Es war, als würde ich Menschen begegnen, die ich längst von irgendwoher kenne. Zunächst waren da Papageno und Papagena (okay: Fabelwesen aus Mozarts Zauberflöte und keine Echt-Menschen). Als nächstes bemerkte ich den zahnluckerten Alten aus …