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Der Schwede, der von seinem hundertjährigen Helden gesiezt wird

Da saß nun Jonas Jonasson in pinkem Hemd und gleichfarbigen Sneakers im komplett abgedunkelten Carl-Orff-Saal des Münchner Gasteigs und las aus seinem neuesten Buch Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind. Auf Schwedisch. Und ich versank in seiner Stimme. Denn die klingt so wunderbar wie er schreibt. Und er schreibt ziemlich wunderbarissimo. Ich mag Jonassons Um-Ecken-Denken ebenso wie seine Leidenschaft, uns Lesern immer noch ein kleines Häppchen mehr an Wundersamen in liebevoll ausgekleideten Steilkurven zu offerieren. Sein Hundertjähriger, der aus dem Fenster stieg und verschwand, erhellte mein Gemüt in finsterster Zeit und gab mir damals ein kleines bisschen der liebevoll schrägen und überaus humorvollen Gedankengänge zurück, die ich gerade eben erst für immer verloren hatte. Eine Bucherfahrung wie diese bindet in so einer Situation und ließ mich natürlich auch das Folgewerk lesen: Die Analphabetin, die rechnen konnte. Ebenfalls auf überaus intelligente und kurvenreiche Art unterhaltsam und spannend. Die jetzt beschriebene Figur des Mörder Anders basiert auf einer etwa vierzig Jahre alten Moritat, die die letzte in Schweden vollzogene Hinrichtung zu Beginn des 20. Jahrhunderts thematisiert. …

Begegnungen mit Masken. Ein „Eigentlich“ wandelt sich.

Eigentlich mag ich weder Masken noch bin ich generell Fan von Kostümierungen. Fasching ist nicht so mein Ding und Karneval schon gar nicht. Das feiere gerne, wer mag − ich suche in diesen Tagen lieber Ruhe oder genieße ungestörtes Arbeiten. Auch die heidnischen Bräuche der Tiroler Bergwelt haben mir während der Studienzeit in Innsbruck offen gestanden durchaus ein wenig mehr als Respekt eingeflößt − nur ungern lasse ich das Gefühl, im Dunklen bei Schnee und Eis auf dem Weg nach Götzens von den Perchten aufgehalten zu werden, Revue passieren. Auch im Trentiner Val di Fassa gibt es eine Begegnung mit dem Krampus, dem hier so haarigen Zottelmonster, das am 6. Dezember den Hl. Nikolaus und den Gaben tragenden Engel begleitet. Nix für zarte Kinderseelen. Nun stand ich also im Ladinischen Museum in Vigo di Fassa plötzlich in einem Saal voller hölzener Masken. Und war amüsiert und fasziniert. Es war, als würde ich Menschen begegnen, die ich längst von irgendwoher kenne. Zunächst waren da Papageno und Papagena (okay: Fabelwesen aus Mozarts Zauberflöte und keine Echt-Menschen). Als nächstes bemerkte ich den zahnluckerten Alten aus …

10 kleine Reisen für zwischendurch

Ich reise gerne. Am liebsten sogar jeden Tag. Denn auch der kleinste Ausflug in eine andere Ebene bringt mir Entspannung, neue Frische und einen erweiterten Blick auf das Tagesgeschehen. Und so begebe ich mich an leicht erreichbare Erfrischungsorte, von denen ich hier einige vorstellen möchte. 1. Gerhard Richter bietet auf seiner Homepage immer wieder neue Kurzvideos zu einigen seiner Werke an. Ich genieße diese kleinen Spaziergänge zu Betty und Co. 2. Itzhak Perlman ist nicht nur einer der brillantesten Violinisten unserer Zeit, er verfügt auch über einen hinreißenden Humor. Ab und an entlockt er seinem Küchenmixer bislang ungeahnte Melodien und erfreut mein Herz damit sehr sehr sehr. 3. Wellenschlag und Möwengeschrei − das bietet DoNothingFor2Minutes. Lautsprecher an, Augen zu, zurücklehnen und wahrnehmen, wie sich der Salzgehalt der Luft verändert. 4. Ist die Laune mal durch einen Blödian im A… und der Tag scheinbar völlig versaut, dann hilft mir kurzes Hineinlesen in ein wahrhaft großes Werk… Und schon geht’s beschwingt weiter mit dem Alltag. 5. Einfach mal nachschauen, wer wohin unterwegs ist? Oder prüfen, ob Flug XY schon gelandet ist? …