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Ein Blogpost bricht die Contenance.

Sachar schreibt hier, dass und warum ihn ein Buch berührt. Und meine Tränenschleusen öffnen sich beim Lesen. Alles, was  in diesen Jahr berührt hat, drängt sich in Form von Tränenflüssigkeit ans Tageslicht.

In dieser vermaledeiten ohnehin so rührseligen Zeit des Vorweihnachtskommerzes. Wie wichtig mir diese Zeit ist und wie sehr ich sie zugleich verabscheue! Weil sie mich erneut konfrontiert mit meinen Themen dieses Jahres.

Die beiden Todesfälle in nächster Nähe, die nicht unterschiedlicher hätten sein können und beide immer wieder überfallsartig schmerzen. Die Sorgen um diejenigen, die mir Sorgen bereiten. Die Ohnmacht über die mich manchmal befallende Handlungsunfähigkeit – wenn’s um Entscheidungen für mich geht. Das Wissen um das Glück, dass ich in vielen wenigen Stunden dieses Jahres erfahren durfte und das mit der Gewissheit verbunden ist, dass es nicht von Dauer sein kann. Die Dankbarkeit dafür, es überhaupt erlebt zu haben. Der Ärger über all das, was ich bewegen wollte in diesen vergangenen Monaten und die beschämende Erkenntnis, dass ich es nicht getan habe. Das innere Wissen um die Veränderungen, die kommen werden. Weil die Zeit für sie reif ist. Die Erschöpfung, weil es einfach ein schrecklich anstrengendes Jahr war. Die Hoffnung darauf, dass meine Gelassenheit weiter wachsen möge. Der Rückblick auf Reisen, Konzertbesuche, Begegnungen und Erlebnisse, die mir einfach nur gut taten – den Horizont wieder weiter werden ließen.

Der Wunsch, in einem Jahr beim Lesen dieser Zeilen besser durchatmen zu können als es jetzt gerade geht.

Tränen sind wichtig.
Loslassen ist wichtig.

Und doch tut’s weh.

Natura nackerata.

Noch ein Mal in diesem Jahr haben sich die Altweiber aufgerafft. Föhn par excellence beschert Temperaturen, die Mitte November die Hoffnung aufkeimen lassen, es sei bereits April und man habe Schneeflockenfallstille, Eisplatten-
geknackse, Rollsplittgeknirsche und Schneematschgeflatsche schlicht verschlafen.

Bäume entblößten sich und zeigen nun ihre innere Schönheit.

Erstreiherprotzer treten in den Hintergrund des Geschehens.

Gräser haben ihren Saft für dieses Jahr vergeben.

Ab und an zeigen sich noch kleine Inseln grüner Hoffnung.

Konturen heben sich schärfer ab, als würden sie nach dem sommerlichen Pflanzenwirrwarr an ihre Eigenständigkeit mahnen wollen.

Und die Bergkette zeigt erste Zeichen eiskalter Klarheit.

Nur noch  sechs Wochen, dann werden die Altpapiertonnen von Verpackungsmaterial überquellen und der Lärmpegel der staaden Zeit verhallt im Geknalle der Hoffnungen auf dem Weg ins nächste Jahr.

Das ging zu schnell.
Wieder einmal.

So einfach. So Leben.

Reduktion auf Wesentliches. Auf Gespräche, auf’s Zuhören, Beobachten, Aufsaugen. Fragen gestellt zu bekommen, die ich mir noch nie gestellt habe – auf deren Antwort ich nun selbst neugierig geworden bin. Und dankbar dafür sein.

In Schwarz, Grau und Braun unendlich viele Schattierungen und Farbtöne entdecken.


Die Vielfalt der Geschmacksnuancen von Rot und Grün auf den Papillen fühlen.

Die Weite des Meers fühlen und wirken lassen.


Die Kraft, Ruhe und Unberechenbarkeit der Vulkane spüren.

Nachts dem Atem des Zauberwesens und zugleich dem des Meeres zu lauschen.


Begeisterung für die Schönheit des Einfachen.

Die Wiederentdeckung von Ausatmen, Ruhe und Demut.

Die Augen zu öffnen heißt auch die Seele zu öffnen.

Einfach leben.