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Das beste Kino-Date ever. Bisher.

Er organisierte sich meine Telefonnummer. Er rief gestern Abend an, um sich zu vergewissern, ob unsere Verabredung für heute noch aktuell sei. Er wählte heute morgen seinen Lieblingspulli aus. Und die neuen Chucks mussten es sein. Er verließ als Erster das Schulgebäude. Coolen Schritts, aber  doch bestimmt. Lächelnd. Zunehmend strahlend. Heute also mal keine Mittagsbetreuung. Die Frage, ob ein Bussi erlaubt oder vielleicht doch eher unerwünscht sei, beantwortete er mit einem Innigschmatzer. Die Pizza vorher war willkommen, vor allem, weil sie die Wartezeit bis zur Kino-Öffnung verkürzte. Endlich! Wir sind die ersten Ticketkäufer heute. Vielleicht auch die einzigen im Kino? Fast. Nur eine weitere Besucherin. Mitte Dreißig, vermutlich. Alleine. Alleine? Merkwürdig – es ist doch ein Kinderfilm. Ein klassisches „Fünf-Freunde“-Abenteuer. Ich bin plötzlich selbst wieder acht Jahre alt und sehe mich in meinem Kinderzimmer, die Bücher von Enid Blyton verschlingend. Jeden Geburtstag, jedes Weihnachten standen sie auf der Wunschliste. Und auch das großelterliche Zeugnisgeld und elterliche Taschengeld wurde peu à peu in die Hardcover-Abenteuer investiert. Heute ist diese Welt der Inseln, Leuchttürme, Höhlen, Geheimnisse, Gefahren, …

Jahreswechsel. Perspektivwechsel.

So vieles in diesem Jahr ging oft so nahe ans Unerträgliche. Und manchmal auch darüber hinaus. Die Erinnerung an diese Pein wird wohl noch eine Weile wach bleiben – und vermutlich soll sie es auch. Es ist an der Zeit für mich, dampfende Scheißehaufen nicht länger hübsch zu formen, mit Edelschokolade zu überziehen und Goldblättchen zu verzieren, um sie dann freundlich – den Basisgeschmack überlächelnd – zu verzehren. Es war und ist an der Zeit, Schrecken als solche zu benennen. Auch laut. Auch deutlich. Dieses Jahr 2011 hat mich gefordert wie sonst keines. Alte Wunden aufgerissen, neue hinzugefügt, kaum Zeit gelassen, dass sich etwas Narbengewebe bilden konnte. Wieder und wieder und wieder hat es mich niedergestreckt. Vom Anfang bis zum Schluss. Schmerzen verursacht, Tränenschleusen geöffnet, innerste Fassadenteile ins Bröckeln gebracht. Schwierige und deshalb wichtige Fragen aufgeworfen, die noch lange nicht alle Antworten gefunden haben – und vielleicht auch nicht so schnell finden lassen. Und deshalb ist mir wichtig, all das Positive des Jahres zu benennen, dass mir zu Inseln der Kraft und des Wohlgefühls wurde. …

Wurzeln findet, wer Fragen stellt.

Ich wuchs mit dem Wissen auf, dass der Urgroßvater Architekt gewesen war. Er hatte seinem Enkel, meinem Vater, die Liebe für das architektonische Zeichnen vermitteln können und ihn das Skizzieren und Aquarellieren von Gebäuden oder ganzen Straßenzügen gelehrt. Diese Fähigkeit, den richtigen Blick zu haben und zu Papier bringen zu können, bewunderte ich. Goldener Schnitt, Fluchtpunkte, perspektivisches Zeichnen – auch ich fand Gefallen daran. Leider nur zu Schulzeiten, aber immerhin hatte der Kunstunterricht an meinem Gymnasium ja einen großen Stellenwert. Danach verlor sich die Spur meiner urgroßväterlichen Parallele in der Endlichkeit meines Begabungsalls. Mein Vater hatte irgendwann auch voller Stolz erzählt, dass der so heiß geliebte Großvater mit dem wohlklingenden Namen Emil Edler von Mecenseffy eine Professur an der Fakultät für Architektur an der Technischen Universität München, damals noch „Königlich Technische Hochschule“, inne hatte. Nur: warum eigentlich habe ich all die langen Jahre nie einen Gedanken darauf verwendet, ob es noch Bauten von ihm geben könnte? Nie diese ganz simple Frage gestellt? Gut, natürlich hätte auch der Vater davon erzählen können und sie uns Kindern einfach zeigen können. …