Alle unter Fasten verschlagworteten Beiträge

Independence Weeks. Zeit zum Loslassen.

  Das war er also, der letzte Cappuccino und überhaupt auch letzte Kaffee des Monats Juli. Ab morgen geht’s zwar flüssig weiter, aber eben ohne all die gaumenschmeichelnden coffein-, alkohol- oder zuckerhaltigen Mini-Noxen. Kräutertee und Wasser. Und Wasser und Kräutertee. Von beiden je drei Liter. Und die abendliche, zweistundengesimmerte Gemüsebrühe. Nach einem Jahr Pause habe ich wieder das Bedürfnis, mir und meinem Körper eine Auszeit vom Essen zu gönnen und mich den Herausforderungen und Wohltaten des Heilfastens zu stellen. Wie immer ist es die schwierigste Übung, den richtigen Zeitpunkt auszuwählen, denn irgendwas ist wirklich immer. Im Morgengrauen wird’s also losgehen mit dem Part, der am meisten Überwindung kostet: dem zügigen Trinken eines Liters lauwarmen Wassers nach der Einnahme der Glaubersalzmischung. Ekelhaft (aufgrund der Flüssigkeitsmenge um diese Unzeit)! Ich freue mich auf die Zeit, die ich für mich gewinnen werde, weil ich nicht mit all den Themen rund um die Beschaffung, Zubereitung und den Verzehr von Lebensmitteln befasst sein werde. Ich werde stolz sein, wenn ich als Geringtrinker das tägliche Quantum von fünf bis sechs Litern …

Weniger geht auch. Gut sogar.

40 Tage Fastenzeit gehen allmählich zu Ende. 40 Tage Versuchsballon für mich selbst. Kein Zwang, kein Auftrag, nur innerliches Bedürfnis gepaart mit der mir innewohnenden Neugier auf Eigenentdeckung. Kein Fleisch. Keine Schwierigkeit. Auch wenn Worte wie „Schweinebraten“ oder auch „Weißwürscht“ durchaus klar machten, dass der dauerhafte Verzicht auf Fleisch aktuell nichts für mich wäre. Kein Alkohol. Gar kein Problem. Dann eben mal kein Wein. Wobei mir wieder einmal unangenehm auffiel, dass die Prowein und auch die Vinitaly in die Fastenzeit fallen – wie jedes Jahr. Auf sicherlich nachvollziehbaren Gründen. Dennoch war mir dieses Jahr der Verzicht auf alle Fälle wichtiger als der Besuch dieser Messen. Kein Süßkram. Klappte erstaunlich gut und leicht.  Zu Beginn überspielte ich Süßgelüste noch mit zugekniffenen Augen und Cashewkern- und Cranberry-Genuss. Irgendwann war auch das nicht mehr nötig. Wobei… das Rom-Wochenende. Nun ja, bei Giolitti musste es doch ein Eis sein. Ich gehe einfach davon aus, dass Sünden dieser Art erstens verständlich sind und zudem ein in unmittelbarer Nähe befindlicher Papst bairischen Ursprungs solche Fehltritte sowieso umgehend annulliert. Aus Verständnis. Und ich …

Einmal im Leben. Und warum nicht jetzt?

Aufgewachsen in Bayern. Katholisch getauft und durchschult. Faschings- und im Speziellen Karnevalsignorantin. Genussmensch. Und seit einigen Jahren überzeugte Heilfastende. Nur die klassische katholische Fastenzeit habe ich noch nie genutzt. Dieses Jahr ist anders. Dieses Jahr habe ich Zeit und nehme sie mir. Und dieses Jahr spüre ich, der Verzicht könnte mir gut tun. Das „Vale“ steht an. Dann eben auch vom „carne“. Kein Fleisch. Kein Alkohol. Kein Süßkram. Auch sonst  die Reduktion auf weniger. Und versuchshalber weder Tweets noch Facebook-Postings. Buchstaben, die ich anders einsetzen könnte. Wenn sie wollen. Und ich in Fluss komme. 40 Tage. Neu-Erfahrungen. Eigen-Erkenntnisse. Vielleicht haben sie ja in diesem Punkt gar nicht so Unrecht, die Herren Katholiken. Vielleicht kann sich der Horizont ja wieder ein Stückchen weiten…