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Die Löwen vor der Feldherrnhalle. Weil’s a so is.

Im Bayerischen Fernsehen wird gerade das Klassik am Odeonsplatz-Konzert des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons übertragen. Natürlich sind auch die beiden Löwen am Fuße der Feldherrnhalle mehrfach im Bild. Und bei Twitter kamen wird gerade auf deren doch eher unbekannte Geschichte, die ich sehr liebe und jedem meiner Besucher gerne erzähle. Hier daher einen Beitrag, den ich vor einigen Jahren in einer zweisprachigen Xing-Gruppe dazu schrub. Oiso – auf geht’s:

Habt’s es Eich scho amoi die beiden Löwen an da Treppn von der Feldherrnhoin ogschaugt???
Und??? Is Eich ebbas aufgfoin? Naaa?
Ja, is aba scho aso, ass die beidn Buam ned gleich ausschaugn. Da oane (wannsd davor stehst: da rechte) hod as Mai gschlossn, da ander (oiso der linke, wannsd davor stehst) hod’s offen.
Warum jetza nachad des, werd’s es sogn!
Der rechte Löwe schaugt zur Kirch nüba – und dera gegnüba muasst as Mai hoitn!
Und da linke – der schaugt zur Regierung nüba. Und dera gegenüba muasst as ja braggdisch aufreissn! Oiwei wida.

Oiso – jetza wisst’s es. Schaugt’s fei des nächste Moi gscheid hi.

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Hat Euer Blick bereits einmal die beiden vor der Feldherrnhalle positionierten Löwen gestreift?
Und? Ist Euch bei deren Betrachtung etwas aufgefallen? Oder etwa nicht?
Nun ja – die beiden ähneln sich nur scheinbar, unterscheiden sich aber dennoch in einem wesentlichen Kriterium. Der rechte Löwe (wenn man vor der Halle steht) hat das Maul geschlossen, der linke hingegen verfügt über ein geöffnetes Maul.
Was mag der Grund hierfür sein, fragt Ihr Euch nun sicherlich.
Der rechte Löwe blickt zur Kirche hinüber – und der gegenüber sollte man tunlichst schweigen!
Der linke hingegen wendet sich der Regierung zu. Und dieser wiederum darf und sollte man ab und an durchaus seine Meinung kundtun.

So, nun kennt Ihr die Geschichte der beiden Löwen. Achtet doch beim nächsten Mal darauf, wenn Ihr die Halle passiert.

 

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Italien ist…

Der Ravenna-Besuch wirkt nach und nach und nach und nach.
Natürlich frage ich mich, warum das so ist. Sommerlich schön und richtig heiß war es zuhause bei der Abreise auch.
Das Sommerfeeling allein kann es also nicht gewesen sein.
Und doch ließ mich Ravenna schon nach den ersten Metern nach dem Bahnsteig hin zum Hotel in eine ganz spezielle Welt des Wohlgefühls eintauchen. In das Italiengefühl eben. Und das besteht aus vielen kleinen und per se eher einfachen Puzzlestückchen. So lässt allein ein banales Tabacchi-Sali-Schild mein Herz hüpfen, auch wenn ich nicht rauche und auch mein Salzkonsum sich in überschaubaren Grenzen hält.
Italiener schätzen ihre Lebensmittel − und schenken ihnen die Möglichkeit, frisch und reif auf den Tisch zu kommen. Denn nur dann können sie ihre Aromenvielfalt wirklich zeigen. Manchmal heißen sie ungewöhnlich wie der unscheinbare Frischkäse Squacquerone, den ich hier in so vielen Gewändern − vom Brotaufstrich über den herzhaften Pudding bis hin zum Eis − kennenlernen konnte. Und manchmal sind sie einfach in purer Reife und Frische da, weil eben gerade ihre Saison ist wie bei diesen Erbsen, Borlotti-Bohnen und Kornel-Kirschen.

Squacquerone

Pisel

Borlot

Frutta2

Beobachte ich in einem Restaurant italienische Männer an Nachbartischen, so unterhalten sie sich meist ausführlich über die Frische der Zutaten ihrer Gerichte, geben sich Tipps zu Einkaufsmöglichkeiten und Rezepten. Stundenlang! Mich hat in Paris vor ein paar Jahren an einem Kiosk im Jardin du Luxembourg eine Gruppe italienischer Teenies beeindruckt, die die dort angebotenen Sandwiches aufgrund mangelnder Frische und Qualität trotz ihres offensichtlich immensen Hungers als nicht verzehrsgeeignet bewerteten und lieber noch ein wenig hungerten als sich diesen „schiffo“ (also Dreck) einzuverleiben. Auch das bedeutet Kultur für mich: wissen und schätzen, welche Güter uns die Natur bietet. Und wo Industrieblödsinn beginnt und dass man ihn auch verweigern kann.

Was gut gereift auf den Tisch gebracht wird, benötigt manchmal nicht mehr als einen Schuss guten Olivenöls und etwas Salz. Schwups, schon ist eine klassische Vorspeise wie Pinzimonio fertig.

Pinzimonio

Oder eine Bruschetta, der man den Sommer-Geschmack ihrer Tomaten einfach schon ansieht.

Brusch

Dann ist es auch die Architektur, die in Italien bezaubert. Ja, natürlich gibt es auch in Italien grässliche Bausünden! Es gibt aber eben auch diese typischen Häuser: bunt, charmant und nicht immer tipptopp gepflegt, aber stets mit Charakter. Und mit den Holzläden, die meist dunkel gestrichen sind und einfach millionenmal mehr Charme besitzen als jeder Rolladen der Welt.

Strasse

Und: Piazza! Das Zwei- und manchmal auch Erstwohnzimmer der Italiener…. in klein und groß.

Hof

Piaz

Auf der Piazza steht auch gerne mal ein Denkmal eines Nationalhelden. Einer geht (in Ermangelung aktueller Fussballhelden) immer: Garibaldi. Hier flankiert von Palmen (wenn schon, denn schon!).

Garib

Italien bedeutet auch Säulen wie diese hier, die die Venezianer auf der Piazza del Popolo errichten ließen und deren Sockel die Tierkreiszeichen trägt.

SäulenSo

Und diese Landschaften! Auch der Plattheit mancher Regionen wohnt ein Reiz inne, der mich immer wieder gefangen nimmt. Rund um Ravenna sind es auch die Kanäle mit den so typischen Fischerhütten und Netzen, die mich „Zweitheimat“ fühlen lassen.

Netze

Italien ist für mich auch Lagune… und Weite.
Stille.
Ruhe.

Lag4Um unseren Garten-Oleander etwas anzuspornen, habe ich ihm ein Bild eines italienischen Cousins mitgebracht − schauen wir mal, ob das Wirkung zeigt (bislang verweigert er diese Jahr jegliche Blüte).

Olean

Italien ist für mich auch immer die Frage, ob es eigentlich mehr Madonnen-Darstellungen gibt oder vielleicht doch mehr Tauben (die ich nicht wirklich liebe…).

Maria

Taubl

Italien lässt mich immer wieder Menschen erleben, die sich für ihr Thema rundum begeistern und mit großer Verve darüber zu erzählen wissen und mich so mitreißen.

Tafel

Italien heißt für mich auch, beim Essen und gutem Wein lange und oft auch ins Philosophische purzelnde Gespräche zu führen. Heutzutage auch nur selten unterbrochen von einem Blick auf’s Telefonino (das doch auch so irgendwie charmanter klingt als hierzulande das „Handy“).

Cena

Italien ist…

Für mich ein überaus besonderes Land.
Und eine große Liebe, die mich − wie wohl jede große Liebe − auch ab und an überaus verwundert und mich auch mal an ihr zweifeln lässt. Und dann eben doch wieder bezaubert. Nennen wir es mein Perpetuum Mobile.

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Ich danke der Initiative #DiRavenna für die Einladung nach Ravenna.

Steinchen für Steinchen: Mosaikkultur in Ravenna

Ravenna, ehemals Hafenstadt, liegt aufgrund der Verlandung heute im Hinterland der Adria. Die Stadt hat viel erlebt: Sie war Sitz der weströmischen Kaiser, der oströmischen später ebenfalls, dann folgten die Langobarden und Ostgoten. Die großen Namen dieser Stadt lesen sich ein wenig wie das Who is Who der Geschichtsbücher: Cäsar, Augustus, der Ostgote Theoderich der Große, Justinian und Teodora und auch die Venezianer. Sie alle hinterließen Monumente ihrer sakralen Baukunst und ihres Alltaglebens. Viele davon sind noch heute in ihrer einzigartigen Schönheit erhalten und so sprach die UNESCO insgesamt acht Bauwerken in und um Ravenna den Status des Weltkulturerbes zu. Sie alle stammen aus dem 5. oder 6. Jahrhundert n. Chr. Allen voran sei die Mitte des 6. Jahrhundert entstandene Basilika San Vitale genannt, eine achteckige Kirche, die von außen deutlich kleiner wirkt als nach dem Betreten des Innenraums.SanVitAussDie Ziegel sind schmaler und länger als bei anderen Kirchen der Zeit − Geldgeber und Architekt wollten hier offensichtlich ihre eigene „Duftmarke“ hinterlassen.ZiegelSanVitAls Teenager war ich schon einmal in Ravenna und natürlich stürmten die Kunst- und Kulturbegeisterten Eltern damals gerne mit uns Kindern die Kirchen und Museen Italiens. Zu manchen Orten ist die Erinnerung schon ein wenig verblasst, tatsächlich gibt es aber für Ravenna einige Motive, an die ich mich auch Jahrzehnte später noch sehr gut erinnern kann. Dazu zählen die Vogelmotive aus den steinernen Bodenmosaiken und  allen natürlich die Glasmosaiken der Apsis der Basilika, die Kriegswirren und Erdbeben geduldig überstanden.

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SanVitApsis

Mehr Bodenmosaik-Bilder gibt es bei So läuft die Welt − und so sehen die Mosaiksteine heute wie damals aus:StoanaRavenna und vor allem San Vitale kann noch etwas ganz Spezielles: das Doppel-Kapitell. Angeblich nur hier zu finden − vielleicht kann ein Kunsthistoriker oder Architekt das ja verifizieren. Hübsch ist es allemal.SanVitDoppelKapUnmittelbar neben San Vitale befindet sich das Mausoleum der Galla Placidia (390-450 n. Chr.), die jedoch in Rom beigesetzt wurde. Schade eigentlich − hier läge es sich doch wirklich nicht schlecht.

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Mitten in der Stadt liegt auch Sant’Apollinare Nuovo, von Theoderich für die Anhänger des Arianismus erbaut. Die Mosaiken zeigen Szenen aus dem Leben Jesus, enthielten aber auch Abbildungen von Theoderich und seinen Mannen, die die Oströmer allerdings nach der Eroberung Ravennas in schlichte schwarze Vorhänge umwandeln ließen.

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CMB Als man vor 20 Jahren eine zentrumsnahe Parkgarage bauen wollte, fand sich gut drei Meter unter der Erde ein weiteres Meisterwerk der Mosaikkunst: 700 qm „Steinteppiche“ aus dem 6. Jahrhundert. Gut, dass Baggerfahrer doch recht aufmerksame Menschen sind! Die Baumeister seinerzeit waren übrigens nicht so zimperlich und hatten als Grundierung für die Bodenmosaiken des Hauses der Steinteppiche einfach mal ein paar herumstehende antike Amphoren verwendet − Recycling auf die römisch-byzantinische Art. DomTapVia

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Ich wurde von DiRavenna zu der Reise nach Ravenna eingeladen und bedanke mich herzlich dafür.