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Begegnungen mit Masken. Ein „Eigentlich“ wandelt sich.

Eigentlich mag ich weder Masken noch bin ich generell Fan von Kostümierungen.
Fasching ist nicht so mein Ding und Karneval schon gar nicht. Das feiere gerne, wer mag − ich suche in diesen Tagen lieber Ruhe oder genieße ungestörtes Arbeiten. Auch die heidnischen Bräuche der Tiroler Bergwelt haben mir während der Studienzeit in Innsbruck offen gestanden durchaus ein wenig mehr als Respekt eingeflößt − nur ungern lasse ich das Gefühl, im Dunklen bei Schnee und Eis auf dem Weg nach Götzens von den Perchten aufgehalten zu werden, Revue passieren.
Auch im Trentiner Val di Fassa gibt es eine Begegnung mit dem Krampus, dem hier so haarigen Zottelmonster, das am 6. Dezember den Hl. Nikolaus und den Gaben tragenden Engel begleitet. Nix für zarte Kinderseelen.

ValDiFassa_DasTier
Nun stand ich also im Ladinischen Museum in Vigo di Fassa plötzlich in einem Saal voller hölzener Masken. Und war amüsiert und fasziniert. Es war, als würde ich Menschen begegnen, die ich längst von irgendwoher kenne. Zunächst waren da Papageno und Papagena (okay: Fabelwesen aus Mozarts Zauberflöte und keine Echt-Menschen).

ValDiFassa_Paar3

Als nächstes bemerkte ich den zahnluckerten Alten aus der italienischen Bar in Loriots Ödipussi“, der Evelyn Hamann einen Grappa spendiert und seinen Enkel nachhause schickt, um ihm das Gebiss zu holen.

ValDiFassa_VaiACasaPrendereIDenti

Wer außer mir hat hier auch sofort eine völlig überschminkte und überaus liebenswürdige Kollegin, Mitbewohnerin oder sogar Verwandte vor Augen?

ValDiFassa_Überschminkte

Und hier den „Kindlein“ aus einer der Lausbuben-Geschichten-Verfilmungen?

ValDiFassa_DerKindlein

Oder eine uns nicht unbekannte Regierungschefin?

ValDiFassa_DieBekannteDame

Auch diesen Typen dürfte der eine oder die andere schon live on stage begegnet sein: Der Dauergrinser, der Zerfurchte (aus dem irgendetwas herausgauckt, finde ich), Häuptling Rotbacke und die Immergute (heute wohl auch mal als „Opfer“ bezeichnet).

ValDiFassa_DerGrinsende

ValDiFassa_DerZerfurchte

ValDiFassa_Rotbackenmaske

ValDiFassa_DieImmergute

Natürlich dürfen auch die diabolischen und überzeichneten Masken nicht fehlen: Nummer 1 hat vermutlich gerade ein Selfie gemacht und zeigt noch seinen Bleschl.ValDiFassa_Zungenblecker

ValDiFassa_DerBartstoppelige

ValDiFassa_InMaskeAuf dem letzten und dem Titelbild ist der langnasige „Bufon“ abgebildet: der Narr. Diese Kultfigur bewegt sich stets auf dem schmalen Grad zwischen Humor und Geschmacklosigkeit, Gutmütigkeit und Bösartigkeit. Die Masken werden noch heute bei den Umzügen zwischen Altweiberfasnacht und Faschingsdienstag getragen, dazu wird gelärmt und rund um (Stroh-) Feuer getanzt. Bunt geht’s also zu im Val di Fassa. Auch wenn die Alltagstracht eher schlicht gehalten war − bei Festen wurde das „Gwand“ farbenfroher.

ValDiVassa_ladinischeTracht

ValDiFassa_Paar2

ValDiFassa_FrauVorFenster

Sehr hübsch fand ich auch die Exponate, die einen Blick in den früheren Alltag eröffneten: Aufs Buttern und Käsen, die aufwändig verzierten Holzhenkel, die an den Seitenwänden der Baby-Wiegen angebracht wurden (nein, nicht als Vorläufer des heutigen „Activity Centers“, sondern um dem vor Insekten schützenden Schleier Halt zu geben ) sowie Möbelstücke und Kinderspielzeug wie das Schaukelpferd.

ValDiFassa_Buttern

ValDiFassa_Holzhenkel

ValDiFassa_Sekretär

ValDiFassa_Truhe

ValDiFassa_Schaukelpferd

Ladinisch, manchmal auch „Vulgärlatein“ genannt, ist eine eigenständige romanische Sprache, die außer im Fassa-Tal auch in anderen Gebieten des Trentino, Südtirols im sogenannten „Dolomiten-Ladinien“, im Friaul sowie im Schweizer Kanton Graubünden gesprochen wird. Im Val di Fassa ist sie überaus lebendig und in Schulen, den Medien und sogar in offiziellen Dokumenten üblich. Kaum hatte ich mal das Gefühl, sie ansatzweise zu verstehen (so ist die Stube in der „stua“ für mich süddeutsches Gewächs mit Kenntnissen des venetischen Dialekts durchaus erkennbar und auch die „banch da fornel“ als Ofenbank nachvollziehbar), schon fühlte ich mich bei der „contía“ (Erzählung, Sage) oder den „vejíns“ (Nachbarn, Dorfmitbewohnern) wieder in meinem Sprachknowhow verlassen. Das Museum und das angegliederte Kulturinstitut bieten über viele Schautafeln und Multimediakanäle jede Menge weitere Infos zur Sprache, den Mythen und Gebräuchen der Ladiner, deren Lebensraum sich vor etwa 2.000 Jahren von der Donau bis zur Adria erstreckte.

Ich bedanke mich bei Trentino Marketing und Val di Fassa für die Einladung.

 

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