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Un piccolo grande amore: Treviso

Würde jetzt die berühmte Fee erscheinen und mich wählen lassen, in welcher italienischen Stadt ich fürderhin leben wolle, so würde meine Wahl ohne Zögern auf Treviso fallen. Die Stadt liegt etwa 30 km nördlich von Venedig und hat gut 83.000 Einwohner, von denen ich einigen von Kindesbeinen an freundschaftlich verbunden bin (was den Sympathiegrad der Stadt natürlich erhöht).

Das Zentrum ist von einem noch intakten mittelalterlichen Schutzwall nebst prachtvoll bebaumten Kanal umgeben − die Trevisaner unterscheiden ihre Stadtviertel in Dentro und Fuori Mura (also innerhalb und außerhalb der Stadtmauer). Drei unterschiedlich große Kanäle durchziehen das Zentrum, zum Teil fließen sie unter den Häusern hindurch. Ganz anders als bei der großen Schwester des Veneto, der Lagunenstadt Venedig und doch ebenso charmant.

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Den Mittelpunkt der Stadt stellt die wunderschöne Piazza dei Signori dar, gesäumt von Cafés, Boutiquen und Banken. Leider ist die Präfektur aktuell hinter einer Restaurierungsleinwand verschwunden − das raubt dem Platz ein wenig Charme. Spätestens in der Vorweihnachtszeit dürfte das Gebäude aber wieder in neuer Pracht erstrahlen, geschmückt vom altmodisch dampfbetriebenen Kinderkarussell und dem Weihnachtsbaum auf der Piazza. Der Schönheit zu Ehren füge ich auch ein früher aufgenommenes, unverhülltes Foto bei.

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Hinreißend schön sind die beiden unmittelbar benachbarten und verbundenen Kirchen San Vito und  Santa Lucia. Insbesondere letztere besticht durch soeben aufwändig restaurierte Fresken.

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Die Stadt hat quirlige ebenso wie ruhige, bescheidene wie prunkvolle Ecken. Täglich gibt’s vormittags auf der Pescheria frische Fische, nebenan alles, was das Vitaminherz begehrt auf dem Obst- und Gemüsemarkt und dienstags und samstags findet nur wenige Gassen weiter auf einer großen Piazza der Wochenmarkt statt.

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Treviso eignet sich auch hervorragend als Standort für Ausflüge nach Venedig: In 30 Minuten erreicht man  die Lagunenstadt via Zug bequem und budgetfreundlich (EUR 3,30 pro Strecke und Person). Ich mag es, nach der Fahrt übers Land zunächst in der Industriestadt Mestre anzukommen, um dann bei der Fahrt durch die Lagune ein paar Minuten der Stille zu genießen, bevor ich mitten in Venedig den Zug verlasse und mich ins internationale Gewusel werfe. Neben Venedig bieten sich auch Asolo, Castelfranco, Portogruaro und Stippvisiten ans Meer als Ausflugsziele an. Zum Wohnen gibt es einige Hotels, Pensionen und B&Bs und wie überall zunehmend auch private Wohnungen. Für alle Parkplatz-Nutzer noch ein Tipp: Man merke sich die Nummer des Parkplatzes, auf dem man sein Auto abgestellt hat, gebe diese in den Parkscheinautomaten ein und wähle und bezahle anschließend die gewünschte Parkdauer. Die Papierquittung muss nicht ins Auto gelegt werden.

Kulinarisch empfehle ich, in den Wintermonaten unbedingt eines oder mehrere Gerichte mit dem länglichen Radicchio Tardivo (Radicchio Rosso di Treviso) zu probieren – diese Sorte ist bei weitem nicht so bitter wie die hierzulande bekannten runden Rotköpfe und die Trevisaner lassen sich viele Köstlichkeiten damit einfallen (bis hin zur Grappa del Radicchio Rosso). Und allen Dessertliebhabern sei verraten, dass in Treviso angeblich die Wiege des Tiramisu stand. Leider hat das Erfinder-Restaurant Le Beccherie zum April 2014 den Betrieb eingestellt. Auch wenn der Stadt aktuell zunehmend anzumerken ist, dass die Geschäfte nicht mehr so prosperieren wie noch vor zwei Jahren − sie ist mehr als einen Besuch wert.

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Die kleine Wohltat zwischendurch.

Der bayerische 2014er August war ein gefühlter Apriloktober. Eine meiner Lieblings-Sommerbeschäftigungen, das „Barfuß-auf-einer-Wiese-den-dort-heimischen-Insekten-ausweichen“ war nur an wenigen Tagen machbar. Umso mehr giert meine Seele nach jedem Sonnenstrahl. Ich plädiere für einen sofortigen und bis Mitte November anhaltenden Traum-Altweibersommer!
Nur: Er hat davon offensichtlich noch keine Kenntnis genommen. Also trüben wir uns weiter durch die Freuden der kleinen Zweisteller auf dem Außenthermometer.

Heute mal am Starnberger See. Der in einem fröhlichem Nirwanagrau endete und nicht wie sonst um diese Jahreszeit mit einem Prachtsblick auf die Alpenkette, der den Betrachter umgehend wissen lässt, warum der liebe Gott einst das Jodeln und den Juchzer erfinden ließ.

Und doch ist es grün.
Und doch bringt die äußere auch die innere Ruhe.
Und doch entfaltet sich nach prallgefüllten Arbeitswochen dieses kleine Urlaubsgefühl in mir.
Das Trübe schaffte neue Klarheit und polierte nach und nach seine Farben zu frischem Glanz auf.
Wie wohltuend ein einzelner Nachmittag doch sein kann.

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Erinnerungen. Mehr als ein Salzburger Quak-Nockerl.

Strahlewetter.
Also auf nach Salzburg, denn sie möchte diese Stadt gerne noch einmal sehen und genießen. Erzählungen über Freunde, Schauspielkollegen, Musik- und Kunstgrößen säumen die Schritte durch die Gassen.

GetrGasIn der Getreidegasse überfällt sie ein Mix aus Nostalgie und Entsetzen. Kein Wunder: Nachdem die Mozartkugeln jahreszeitenbedingt in die kühlen Bereiche der Souvenirläden verbannt sind und die Begeisterungswelle für Kühlschrankmagneten ganz offensichtlich abebbt, sind es nun Badeentchen und andere Plastikunformen, die die Touristen ergötzen. Ob Mozart, Alpenoid-Bua oder Busen-Madl − taiwanesische Produzenten, der Zoll und die Salzburger Souvenir-Szene erfreuen sich der neuen Einnahmequelle. Auch dort, wo einst Traditionsgeschäfte waren.

MoAntn

AusWoMen

TraAntn

Im Tomaselli schmeckt der Marillenkuchen leider nicht so, wie die Erinnerung an die Wachau es gerne auf der Zunge verspüren würde. Schade. Aber allein die Tradition der Kuchendame, die separat vom Herrn Ober (der nur für die Getränke zuständig ist), mit ihrem Kuchentablett an den Tisch tritt und auch getrennt abrechnet, tut gut. Die Cremeschnitte essen wir gemeinsam für den Herzensmenschen, der sie bei seinem letzten Salzburg-Besuch so sehr genossen hatte, am Tag nach seinem Dirigat im Mozarteum. Österreichische Tristesse-Gedanken steigen auf − vielleicht ist ja die Melange ein Melancholie-Auslöser? Das Leben und seine Cremeschnitten-Momente sind so vergänglich. Für Jedermann.

ToMela

In der Franziskanerkirche mit ihrem Prunkaltar von Johann Bernhard Fischer von Erlach (beinahe hätte ich „von Erpel“ geschrieben …) und der gotischen Pacher-Madonna zünde ich ein Kerzerl an. Vor exakt 18 Monaten war der traurigste Tag meines Lebens. Und neben all ihren gesprochenen Erinnerungen sind nun auch meine in der Stille der Kirche ganz präsent.

FranzKi

Zurück ins sommerliche Salzburg-Getümmel.
Vor dem Festspielhaus finden wir kurz als Abschiedseindruck wohltuende Nachmittagsruhe.
Mit Blick auf die Burg. Und auf ihr Freudestrahlen.

SaBu

Auf der Rückfahrt fragt sie mich, was eigentlich eine App sei − sie lese immer wieder in der Zeitung davon. „Du könntest beispielsweise mit einer Salzburg-App auf dem Bildschirm durch die Stadt laufen und ihre Sehenswürdigkeiten erkunden“, lautet mein Erklärungsversuch. „Ach − das brauche ich nicht. Durch die Stadt laufen kann ich ja in meiner Erinnerung“.
Und ich frage mich, wo unsere Erinnerungen liegen werden, wenn wir eines Tages 93 Jahre alt sein werden …