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Für Trauer gibt es keine App.

Etwas mehr als sieben Wochen ist es her. Und unendlich viele Ratschläge. „Du musst doch unter Menschen.“ „Du kannst doch nicht ewig in Schwarz rumlaufen.“ Doch, ich kann. Und ich muss keineswegs irgendetwas. Trauer ist nichts, das sich vorschreiben lässt – weder zeitlich, noch inhaltlich, noch in ihrer Intensität. Die Ratio begibt sich im wirklichen Trauerfall  in dauerhaften Kampf mit der Emotio.  So ist das zumindest bei mir im Moment. Rationell gibt es tatsächlich Argumente, die ich von Anfang an gelten lassen kann: 85 ist ein Alter, in dem man gehen kann. Ja. Ein bis 10 Tage vor dem Tod unerkannter Krebs bedeutet auch Erlösung von einem erkannten, aber noch in seiner Tragweite völlig unabsehbaren Alzheimer-Verlauf. Definitiv. Den Weg ins immer tiefere Vergessen kann nur nachvollziehen, wer ihn persönlich erlebt hat. Zumindest ansatzweise. Alzheimer sollte öffentlich endlich entniedlichisiert werden! Auch wenn es Momente im Verlauf dieser Krankheit gibt, die Betroffenen und Angehörigen ein Schmunzeln oder sogar Lachen entlocken können – nichts daran ist so entzückend, wie es manchmal in den Medien gerne dargestellt wird. Dazu …

Wenn Leitung fehlt, kann Leid rasch folgen.

Am vergangenen Samstag Abend saß ich Abo-bekartet wieder einmal im Münchner Gasteig. Auf dem Programm standen ein zeitgenössisches Kurzwerk eines ungarischen Komponisten, ein Klavierkonzert von Beethoven sowie eine Symphonie von Antonín Dvořák. Natürlich ging es mir in erster Linie um einen genussvollen musikalischen Abend in angenehmer Begleitung – nur diesmal kam ein lehrreicher Nebeneffekt hinzu. Nach der Pause. Da stand Dvořáks Symphonie an. Ein schönes und für diesen Komponisten typisches Werk. Nicht wirklich atemberaubend, aber immerhin Wiederhörensfreude auslösend. Dachte ich. Bisher. Und musste erstaunt feststellen, das es diesmal recht anstrengend wurde. Denn der Dirigent führte nun durch, was offensichtlich seine große Passion ist: einen überaus blumigen Dirigier-Stil. So tänzelte und schwang er sich mehr oder minder anmutig von Note zu Note zu Note zu Note. Und Dvořák sparte in seinem Opus weder an Noten noch an musikalischen Motiven noch an der Besetzung oder gar an Tempi. Im Gegenteil: es lebt, es bebt, es quirlt sich durch das Orchester. Bunt und facettenreich. Und so tanzte und tanzte und tanzte der Dirigent und schwang Hüften und Arme und Beine …

Kreativität. Mehr als eine Worthülse.

Seit Jahren tagt und tanzt der Kommunikationskongress, die Fachtagung für Public Relations, Ende September im Berliner Congress-Centrum. Gut 1.600 zumeist in Grau- und Schwarztönen betuchte Kommunikatoren aus Unternehmen, Verbänden, NGOs und Agenturen besuchten also soeben zwei Tage lang Vorträge, Workshops und Diskussionspanels. Sie lernten aus Best Case-Präsentationen von Kollegen, schüttelten die Köpfe über die Krisen und Skandälchen des vergangenen Jahres, tuschelten über Branchennews, warteschlängelten sich an Kaffee- oder Frozen Yoghurt-Ständen, hofften auf den Gewinn eines iPads und feierten mehr oder minder das Wiedersehen mit ehemaligen Kollegen. 2012 scheint es, als sei das Gros der Kollegen nun auch wirklich in den ehemals so geschmähten Niederungen der Digital Relations angekommen. Dafür ein aufrichtiges Danke! Es ging zudem um die soziale Verantwortung von Unternehmen, die Reputation vor, während und nach Krisenzeiten oder auch um die Bemühungen von Unternehmen, sich als attraktiven Arbeitgeber darzustellen. Die schönsten und mir wichtigsten Momente erlebte ich in den Diskussionen und Keynote-Reden, in denen zu mehr Reflexion und Besonnenheit aufgerufen und für die gute alte Tugend des Zuhörens geworben wurde. Herrlich ehrlich zeigten sich manche Teilnehmer des Workshops „Zur erfolgreichen …