Für Trauer gibt es keine App.
Etwas mehr als sieben Wochen ist es her. Und unendlich viele Ratschläge. „Du musst doch unter Menschen.“ „Du kannst doch nicht ewig in Schwarz rumlaufen.“ Doch, ich kann. Und ich muss keineswegs irgendetwas. Trauer ist nichts, das sich vorschreiben lässt – weder zeitlich, noch inhaltlich, noch in ihrer Intensität. Die Ratio begibt sich im wirklichen Trauerfall in dauerhaften Kampf mit der Emotio. So ist das zumindest bei mir im Moment. Rationell gibt es tatsächlich Argumente, die ich von Anfang an gelten lassen kann: 85 ist ein Alter, in dem man gehen kann. Ja. Ein bis 10 Tage vor dem Tod unerkannter Krebs bedeutet auch Erlösung von einem erkannten, aber noch in seiner Tragweite völlig unabsehbaren Alzheimer-Verlauf. Definitiv. Den Weg ins immer tiefere Vergessen kann nur nachvollziehen, wer ihn persönlich erlebt hat. Zumindest ansatzweise. Alzheimer sollte öffentlich endlich entniedlichisiert werden! Auch wenn es Momente im Verlauf dieser Krankheit gibt, die Betroffenen und Angehörigen ein Schmunzeln oder sogar Lachen entlocken können – nichts daran ist so entzückend, wie es manchmal in den Medien gerne dargestellt wird. Dazu …
