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Wo Münchens neues Konzerthaus wächst: Einblicke auf die Ausblicke des Werksviertels

Seit Jahren insistiert Mariss Jansons, Chefdirigent des wunderbaren Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (abgekürzt BRSO), es müsse endlich ein eigenes Zuhause für sein Orchester geben. Und es stimmt: Die Philharmonie im Gasteig, Heimat der Münchner Philharmoniker und somit des städtischen Orchesters, ist mit ihren 30 Jahren zwar fast noch jung zu nennen – die Akustik ließ jedoch schon immer wünschen übrig. Und das Sitzvergnügen … nun ja: auf vielen Plätzen sitzt man schräg verdreht und eine stundenlange Dauertorsion ist nicht wirklich etwas, das den Kunstgenuss erhöht. Ich kenne die meisten der Sitzplatzblocks: manche sind einfach nur zum Heulen schlecht, andere haben ihre Vorzüge – brillant für die Werke von Albinoni bis Zemlinsky ist vermutlich keiner. Ein Hin und ein Her gab es also, das Thema wurde politisch und wirtschaftlich rauf- und runterdiskutiert. Es gibt Gegner, die einen weiteren Kulturtempel in München für reichlich überflüssig halten und die benötigten Gelder anderweitig investieren würden (ja – da gibt’s es sicherlich viele Ecken und Enden, die mal angepackt werden sollten!). Und es gibt die Befürworter. Nicht, weil es chic wäre, eine …

Der Berg groovt! Ein Konzert für die Seele.

Es gibt zwei Dinge, die bislang nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehörten: Frühes Aufstehen und Bergwandern. Und gibt es Herzensangelegenheiten wie Konzertbesuche, Reisen und Naturgenuss. Tja, und dann entdeckte ich vor Monaten bei Twitter das Ankündigungsvideo zu I Suoni delle Dolomiti, auch The Sounds of Dolomites oder ganz brav Klänge der Dolomiten genannt. Wow! Das wäre doch mal was. Tja − und nun stand ich plötzlich kurz nach drei Uhr morgens im Mehrlagenllook mit Funktionshose, Wanderstiefeln, Rucksack und Teleskopstöcken im Hotel Catinaccio Rosengarten in Moena auf dem Balkon meines Zimmers und dachte mir leicht gefrustet: „So ein Mist – es regnet!“ Am Vorabend hatte es ein prächtiges Gewitter gegeben − nun tropfte glücklicherweise nur ein Blumenkasten auf mich herab. Für alle, die nur die Kurzfassung erfahren wollen: genau so verlief der Tag weiter. Ich durfte mit vielen „Mag ich nicht – kann ich nicht – ist nix-für-mich“-Vorurteilen aufräumen. Was für ein Luxus, was für ein Tag, welche Farbenspiele und Augenfreuden! Um 5 Uhr nahmen wir gemeinsam mit den bestens gelaunten, im wahrsten Sinne taufrischen Musikern die Seilbahn von San Pellegrino hinauf auf Col …

Der Klang des Val di Fiemme. Oder: Gut Holz will Weile haben.

  Mehr als die Hälfte des Trentino sind Waldflächen. Etwa 80 Auto-Minuten von Trento entfernt liegt das Val di Fiemme und in ihm ein Forst besonderer Güte: Der etwa 2.800 ha große Naturpark von Paneveggio. Dort wächst, was seit dem 18. Jahrhundert die Musik-Freunde in aller Welt bis in die höchsten Töne erfreut: Holz für Streich- und Saiteninstrumente. Genauer gesagt sind es Rotfichten, die zwischen 150 und 250 Jahre alt werden, bevor sie zu den Resonanzdecken von Gitarren, Geigen, Bratschen, Celli, Kontrabässen oder sogar Klavieren, Cembali oder Flügeln verarbeitet werden. Etwa 2.000 Bäume werden jeden Winter geschlagen, nur ein Prozent weist die perfekte Qualität auf, die weltweit für den Instrumentenbau benötigt wird. Die Stämme werden in Handarbeit zu Scheitern zerkleinert und lagern zunächst ein halbes Jahr im Freien. Dem weiteren Trocknungsprozess erliegen sie einige Jahre gut belüftet (und mit hübschem Ausblick) in den Holzregalen der Xylothek. Jeder Jahrgang wird mit einer speziellen Farbe von Reißzwecke gekennzeichnet – ein wunderbar einfaches und doch effektives Farbleitsystem. Die Reife und Qualitätsmerkmale der Holzscheite werden regelmäßigen Sinnesprüfungen unterzogen. Zunächst …