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Die Lagune. Einfach mal ausatmen.

Früher fiel es mir nicht so auf. Vielleicht war das Bild einer Lagune, insbesondere derer rund um Venedig, einfach zu geläufig für mich. Nichts besonderes. Ja, wirklich nichts besonderes − langweilig, eintönig sogar. Diesmal war es anders. Stille. Schönheit. Geborgenheit. Ruhe. Dankbarkeit. Und sogar Demut spüre ich. Unser Tourguide von Atlantide ist Biologe und führt uns durch die Pialassa Baiona, eine gut 11 ha große Brackwasserlagune nahe des oberitalienischen Städtchens Ravenna. Brackwasser − das klingt immer so nach schmutzig, dreckig, irgendwie bäh. Falsch: Brackwasser nennt man schlicht und ergreifend die Zonen, in denen Salz- und Süßwasser sich vermengen. Für viele Fische und Vogelarten ein Paradies, für manche Pflanzen ein harter Kampf ums Überleben, da die Salzkonzentration sich gemäß der Gezeiten entsprechend verschiebt. Unser Boot gleitet zunächst an kleinen Fischhütten vorbei, die meist auf Stelzen gebaut sind. Vor ihnen werden große, quadratische Fangnetze ins Wasser gelassen, in deren Mitte ein Loch ist, durch das der Fang in einen Behälter aufgenommen werden kann. Die Lizenzen für die Hütten und Netze sind teuer, daher teilen sich meist mehrere Familien deren Benutzung an den unterschiedlichen Wochentagen. …

L’amore non si spiega. Das gilt auch für Musik.

Wann, wo und wie genau es begann – ich kann es selten benennen. Bei der Liebe nicht und ebenso bei der Musik. In diesem Falle gibt es allerdings doch ein paar klitzekleine Einstiegserinnerungen. Es war 2003 und ich wohnte in Haidhausen. In einer wunderschönen, lichten Wohnung mit Blick über die Dächer einiger dort so typischer Herbergshäuser. Und mit Kabelfernsehen, in dem auch RAI 1 für den kleinen Italienurlaub nach dem Arbeitstag sorgte. Ähnlich wie später hierzulande #USFO sorgt in Italien Jahr für Jahr das Festival di San Remo für entsprechende mediale Mehr- oder Minderbegeisterung. Den 3. Preis im offiziellen Ranking belegte damals ein bis dato unbekannter Künstler aus Kalabrien: Sergio Cammariere. „Alles, wovon ein Mann träumen kann“ lautete sein Lied, für das er auch den Kritikerpreis des Festivals erhielt. Ein herrlich italodramatisch frauenherzbetörender Text wie „Alles, was ein Mann machen kann – für Dich werde ich es tun“ oder „Ohne Dich lebe ich nicht – denn mir fehlt die Luft zum Atmen, wenn Du gehst“ und auch „Es gibt eine Zeit für die Liebe – …

Der Mann, der die Flaschen umlegte. Und schließlich sich.

Ein Abend Rom. Eine kleine Osteria in der Nähe der Fontana di Trevi. Angeregte Mattigkeit nach einem Tag voller Eindrücke, Erhabenheit, Lärm, bunter Bilder unterschiedlichster Art. Verdura alla griglia. Danach ein Primo. Und dünne Grissini. I Torinesi. Ein Stück Lieblingsitalien im Mund. Am Tisch gegenüber sitzt ein Mann. Anfangsvierziger, wie es scheint. Ganz sympathisch. Vor sich eine Flasche Syrah (warum auch immer ausgerechnet Syrah im Latium), dazu Wasser. Im Ohr Musik – für die anderen Gäste glücklicherweise unhörbar. Gut gebeatet beendet er seine Antipasti, um sich dann durch ein Steak zu grooven. Als der Padrone ihn fragt, ob alles in Ordnung sei, lüpft er kurz den Kopfhörer, nickt und lächelt. Kurz darauf holt mich ein Rascheln aus meiner Antipasto-Versunkenheit. Der Blick nach oben verrät: Don Earplug erkannte offensichtlich meine Leidenschaft für Grissini und bietet mir aus der geöffnete Tüte seine an. Supernette Geste! Danke – grazie – thank you! Lächeln, lachen. Beidseitiges Blickesenken. Meiner streift dabei die Syrahflasche. Olala – der Pegel steht tief. Aspettando il Primo. Wandscreening. Raumscreening. Die Flasche Syrah ruht nun sanft. …