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Un piccolo grande amore: Treviso

Würde jetzt die berühmte Fee erscheinen und mich wählen lassen, in welcher italienischen Stadt ich fürderhin leben wolle, so würde meine Wahl ohne Zögern auf Treviso fallen. Die Stadt liegt etwa 30 km nördlich von Venedig und hat gut 83.000 Einwohner, von denen ich einigen von Kindesbeinen an freundschaftlich verbunden bin (was den Sympathiegrad der Stadt natürlich erhöht). Das Zentrum ist von einem noch intakten mittelalterlichen Schutzwall nebst prachtvoll bebaumten Kanal umgeben − die Trevisaner unterscheiden ihre Stadtviertel in Dentro und Fuori Mura (also innerhalb und außerhalb der Stadtmauer). Drei unterschiedlich große Kanäle durchziehen das Zentrum, zum Teil fließen sie unter den Häusern hindurch. Ganz anders als bei der großen Schwester des Veneto, der Lagunenstadt Venedig und doch ebenso charmant. Den Mittelpunkt der Stadt stellt die wunderschöne Piazza dei Signori dar, gesäumt von Cafés, Boutiquen und Banken. Leider ist die Präfektur aktuell hinter einer Restaurierungsleinwand verschwunden − das raubt dem Platz ein wenig Charme. Spätestens in der Vorweihnachtszeit dürfte das Gebäude aber wieder in neuer Pracht erstrahlen, geschmückt vom altmodisch dampfbetriebenen Kinderkarussell und dem Weihnachtsbaum auf der Piazza. Der Schönheit zu Ehren füge ich auch …

Italien ist…

Der Ravenna-Besuch wirkt nach und nach und nach und nach. Natürlich frage ich mich, warum das so ist. Sommerlich schön und richtig heiß war es zuhause bei der Abreise auch. Das Sommerfeeling allein kann es also nicht gewesen sein. Und doch ließ mich Ravenna schon nach den ersten Metern nach dem Bahnsteig hin zum Hotel in eine ganz spezielle Welt des Wohlgefühls eintauchen. In das Italiengefühl eben. Und das besteht aus vielen kleinen und per se eher einfachen Puzzlestückchen. So lässt allein ein banales Tabacchi-Sali-Schild mein Herz hüpfen, auch wenn ich nicht rauche und auch mein Salzkonsum sich in überschaubaren Grenzen hält. Italiener schätzen ihre Lebensmittel − und schenken ihnen die Möglichkeit, frisch und reif auf den Tisch zu kommen. Denn nur dann können sie ihre Aromenvielfalt wirklich zeigen. Manchmal heißen sie ungewöhnlich wie der unscheinbare Frischkäse Squacquerone, den ich hier in so vielen Gewändern − vom Brotaufstrich über den herzhaften Pudding bis hin zum Eis − kennenlernen konnte. Und manchmal sind sie einfach in purer Reife und Frische da, weil eben gerade ihre Saison ist wie bei diesen Erbsen, Borlotti-Bohnen und …

Steinchen für Steinchen: Mosaikkultur in Ravenna

Ravenna, ehemals Hafenstadt, liegt aufgrund der Verlandung heute im Hinterland der Adria. Die Stadt hat viel erlebt: Sie war Sitz der weströmischen Kaiser, der oströmischen später ebenfalls, dann folgten die Langobarden und Ostgoten. Die großen Namen dieser Stadt lesen sich ein wenig wie das Who is Who der Geschichtsbücher: Cäsar, Augustus, der Ostgote Theoderich der Große, Justinian und Teodora und auch die Venezianer. Sie alle hinterließen Monumente ihrer sakralen Baukunst und ihres Alltaglebens. Viele davon sind noch heute in ihrer einzigartigen Schönheit erhalten und so sprach die UNESCO insgesamt acht Bauwerken in und um Ravenna den Status des Weltkulturerbes zu. Sie alle stammen aus dem 5. oder 6. Jahrhundert n. Chr. Allen voran sei die Mitte des 6. Jahrhundert entstandene Basilika San Vitale genannt, eine achteckige Kirche, die von außen deutlich kleiner wirkt als nach dem Betreten des Innenraums.Die Ziegel sind schmaler und länger als bei anderen Kirchen der Zeit − Geldgeber und Architekt wollten hier offensichtlich ihre eigene „Duftmarke“ hinterlassen.Als Teenager war ich schon einmal in Ravenna und natürlich stürmten die Kunst- und Kulturbegeisterten Eltern damals gerne mit uns Kindern die Kirchen und Museen Italiens. …