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Winterkurzurlaub, die Zweite: Ein halber Tag am Tegernsee.

Erstmals (zumindest gefühlt) in diesem Jahr verhieß der Wetterbericht zweistellige Temperaturen bei strahlendem Sonnenschein. Grund genug, die für heute geplanten Punkte auf der To-do-Liste aufs Wochenende zu verschieben und mittags raus zu düsen an den Tegernsee.
Bad Wiessee war das Ziel − nach jahrezehntelanger Abstinenz war ich diese Woche erstmals anlässlich eines Locationchecks wieder dort gewesen und empfand die Seepromenade als überaus angenehm, um einen halbwegs eisplattenfreien Spaziergang am See in der Sonne zu genießen.
Bei Wärmeprickeln im Gesicht und leisem Wellenschlag spaziert es sich frühlingsahnend hoffnungsfroh entlang der Seepromenade, vorbei an geschlossenen Hotels, besetzten Parkbänken und mehr oder minder alten Bauernhöfen, meist mit Blick auf den Wallberg und all seine Nachbarn. Im Fischerei-Bistro genießen wir wunderbare Variationen vom Saibling mit Blick auf den Ort Tegernsee am gegenüber liegenden Ufer. Bayern hat schon Glück gehabt bei der Vergabe von Natur.
Unterwegs begegnen wir Entenpärchen voller Zuversicht auf Gründelerfolge und Frischgrasfreuden, einzelgängerischen Duckantn (außerhalb Bayerns als Blässhühner bekannt), dem erwarteten Posten Möwen auf einem Steg, zwei Dackeln, 150 Labradore(ttine)n und erstaunlich wenigen Freitagnachmittagsspaziergängern. Das Klischee vom überparfümierten, best-agenden Touristen aus dem Rheinland, der sich in all seinen Besuchsjahren tapfer die landesidiomatische Grußformel „Grüß Gott“ antrainiert hat, wird immer noch liebevoll bedient. Auch auffällig: Die Krückendichte ist überaus hoch, zumindest rund um die heilungshelfend direkt am Ufer gelegene Rehaklinik. Und für Freunde des Public-Champagner-Bussi-Bussi-Tralalas ist ebenfalls gesorgt.
Hin und wieder darf ein Tag all seinen Vorurteilen gerecht werden. Vor allem bei den ersten zweistelligen Temperaturen des Jahres.
Himmlisch!
Wallberg

Blick nach Tegernsee

Tegernsee Ufer

Schnee Schilf Tegernsee

Tsun scheint schee Wiessee

Hofheiliger Bad Wiessee

Wiessee Dorfplatz

Wiessee Hof

Wiessee Pension

Saibling Variationen

Blick nach Bad Wiessee

 

Die 12 Schritte der Aloe vera-Ernte

Wer auf den kanarischen Inseln urlaubt, kommt spätestens bei der Rückreise mit den ubiquitären Aloe vera-Pflanzen in Berührung − zumindest in Lanzarote  werden sie mittlerweile am Flughafen in Mini-Töpfen oder Transportkartons als Souvenir verkauft.

Aloe vera mit Nachbar

Ich bin bislang nicht wirklich auf den Gedanken gekommen, ein Exemplar mit nach Hause zu nehmen, lernte aber bei einer Führung über die Bio-Finca, auf der ich wohnte, neben außergewöhnlichen Bewässerungsmethoden und wiederentdeckten medizinischen Heilpflanzen auch, wie man das Aloe-Elixier gewinnen kann. Es wird aufgrund seiner hohen Nährstoffdichte sehr geschätzt − aus dem Fruchtfleisch werden Gels, Salben, Cremes, Säfte, Shampoos und vieles mehr in unterschiedlichen Konzentrationsgraden gefertigt.

Aloe vor Schnitt

Abgesehen davon, dass es sich von selbst verbietet, an fremder Leute Aloe-Pflanzen ohne Rückfrage Hand anzulegen, gibt es folgende Punkte zu beachten:

1. Die Pflanze sollte vor der Ernte gut zwei Monate nicht mehr bewässert werden. Somit kann sich der wertvolle Saft in den Blättern konzentrieren und wird nicht verwässert.

2. Es dürfen maximal drei Blätter pro Pflanze geerntet werden dann tritt sie wieder in eine mehrmonatige Ruhephase ein.

3. Während der Blütezeit sollte nicht geerntet werden.

4. Verwendet immer die untersten Blätter − sie enthalten am meisten Saft.

5. Schneidet das Blatt stammnahe mit einem glatten Messer ab.

6. An der Schnittstelle tritt umgehend eine schleimige Flüssigkeit aus. Sie ist bitter, ungenießbar und verfärbt sich bei Luftkontakt rasch rotbräunlich. Lasst sie ungefähr zwölf Stunden abtropfen − am besten über Nacht in ein Gefäß oder direkt ins Wasch- oder Spülbecken. Dann wascht das Schnittende gut ab.

Frischer Schnitt Aloe

7. Vor der weiteren Verarbeitung trennt Ihr nochmals ein etwa einen Zentimeter breites Stück ab. Anschließend habt Ihr das klare, gallertartige Fruchtfleisch vor Euch.

Abschnitt Aloe

Anschnitt Aloe

8. Trennt nun mit dem Messer die (leicht stacheligen) Seiten vorsichtig ab.

Ränder Aloe9. Im nächsten Schritt wird die Pflanze filetiert. Fahrt dazu mit dem Messer in Längsrichtung zunächst durch die Mitte des Blattes.

Mittelschnitt Aloe

10. Nun lasst Ihr das Messer entlang des Blattgrüns durch das Fruchtfleisch gleiten und erhaltet so ein „Filet“.

Filetschnitt Aloe

Filetieren Aloe 11. Schneidet nun das recht glitschig-schleimige Filet in Steifen oder kleine Würfel.

Filet Feinschnitt Aloe

12. Legt die Streifen wahlweise direkt auf die Haut oder fangt das Fruchtfleisch für die weitere Verarbeitung in einer kleinen Schlüssel auf.

Weiterverarbeitung Aloe

Mir hat das Fruchtfleisch vor Ort große Linderung und recht rasche Heilung an einer frischen, vier Zentimeter langen Brandwunde an der Innenseite des Unterarms verschafft (ich musste mich erst schmerzhaft wieder an den Umgang mit einem Gasherd gewöhnen). Und natürlich wollte ich die Wirkung auch auf der Gesichtshaut ausprobieren: Die leichte Kühlung tat meiner sonnengeröteten Wintersommersprossenhaut überaus gut und tatsächlich hatte ich auch den Eindruck, ein oder zwei Fältchen nahezu in den Urzustand glatter Haut zurück gewandelt zu haben. Man kann das Fruchtfleisch auch im Standmixer pürieren, in Joghurt oder einen Saft verrühren und essen bzw. trinken − geschmacklich ist es überaus neutral. Und vermutlich bietet „dieses Internet“ zahlreiche weitere Tipps rund um die Wohltaten von Aloe vera…

Da ich am Tag nach dem Finca-Rundgang wieder zurück reiste, habe das von mir geerntete Blatt nach dem ersten Abtropfen in seiner ganzen Pracht in eine Plastiktüte gewickelt und es im Koffer nach Hause transportiert (achtet hierbei auf die sicherlich mangelnde Kompatibilität der scharfen Stacheln des Blattes mit feinen Stoffgeweben − am besten eine zweite Tüte zum Schutz verwenden). Es hat nun im Gemüsefach des Kühlschranks vorübergehend seine zweite Heimat gefunden. Ab und an schneide ich einen etwa ein bis zwei Zentimeter großen Streifen ab, trenne die Ränder ab, filetiere das Fruchtfleisch und pflege besonders beanspruchte Hautareale damit. Gerade jetzt in der trockenen Heizungsluft genießt meine Haut die Feuchtigkeit sehr. Purer kann sie gar nicht sein.

 

Palma de Mallorca: Eine kleine Winterflucht

Ich habe ein zweispältiges Verhältnis zu Winter und Schnee: An Strahletagen öffnet sich mein Herz und juchzt bei einem Spaziergang auf frischem, vor Kälte knirschenden Schnee, am besten entlang eines zugefrorenen Weihers oder anfrierenden Sees. An ekelpseudokalten Grauesgrau-Tagen mit Rumgeniesel und Spritzmatschgepfütze in der Stadt trübt sich jedoch auch meine Sommerkind-Seele rasch ein.

Umso schöner also, dass ich Mitte Januar für einige Tage von der Fundación Turismo Palma de Mallorca eingeladen war, die Inselhauptstadt kennenzulernen. Vor zwölf Jahren hatte ich Mallorca erstmals besucht − damals eher als Verlegenheitslösung, weil ich einen geplanten Taiwan-Besuch bei Freunden aufgrund der damaligen SARS-Epidemie kurzfristig absagen, dennoch aber im März meinen Resturlaub abfeiern musste. Damals wohnte ich auf der Bio-Finca Son Pons in Búger in der Inselmitte und verbrachte bei meinen Erkundungstouren über die Insel nur einen Nachmittag in Palma. Die Insel verfügt über wunderschöne Städtchen und Landschaften. Schwer verliebt hatte ich mich damals in den jahreszeitlich bedingt leeren Strand von Formentor − schockiert war ich von den Ferienvollzugsanstalten, die im März noch verwaist auf ihre sommerlichen Sangria-Klischee-Gäste warteten.

#Palma365 lautete das Motto der Reise, die nun über Tradition, Kultur und Genuss vermitteln wollte, dass Palma durchaus ein Ganzjahres-Reiseziel ist. Und ja: das stimmt. Allein schon die unzähligen Shopping-Möglichkeiten (die im Januar auch mit reduzierten Schnäppchenpreisen locken) und kleinen Cafés bieten Kurzurlaubern hübsche Alltagsfluchten beim Flanieren durch die Altstadt. Palma hat jedoch auch sonst jede Menge zu bieten. So gibt es auch hier Bauten aus der Zeit des Modernisme, für den Barcelona so bekannt ist.

Palma Modernisme Haus

Palma Modernisme 2

Im geschichtlichen Schnelldurchlauf seien die Römer, Araber, Aragonier und schließlich das Königreich von Mallorca genannt, das allerdings nach knapp 60 Jahren wieder an das Haus von Aragon zurückfiel. Sie alle hinterließen ihre Spuren und so ist heute neben dem Museum für zeitgenössische Kunst, Es Baluard, noch zu sehen, wie römische und maurische Stadtmauern zumindest jetzt einträchtig nebeneinander stehen.

Stadtmauern

Das Es Baluard wurde 2004 am Rande der Altstadt auf dem Gelände des ehemaligen Bollwerks errichtet und ist überaus sehenswert. Neben zahlreichen Exponaten von Joan Miró (der eine Mallorquinerin ehelichte und lange Jahre auf der Insel lebte),  Keramiken von Pablo Picasso sowie Gemälden von Modigliani und Calder sind auch Maler der Insel und Kataloniens vertreten.

Pilar Montaner de Sureda

Joan Miro Skulptur

Picasso Keramik Krug

Es Baluar Ausstellungsraum

Es Baluard Exponat

Architektonisch präsentiert sich das Museum licht und barrierefreundlich: Auf langen Rampen wandelt es sich aus den Ausstellungsräumen hinauf zu den Skulpturen der Dachgärten und zum Blick aller Blicke über Palma de Mallorca.

EsBaluard Blick auf La Seu

La Seu von Es Baluard aus

Was hier nicht nur über Palmen, sondern vielmehr der ganzen Stadt thront, wird La Seu genannt und ist eine der größten gotischen Kathedralen der Welt. Sie wurde ab 1230 auf dem Fundament einer Moschee gebaut − der 1904 von Antoni Gaudí im Baldachin verwendete Teppich soll noch aus ihr stammen. Innen kann man einen Schnelldurchlauf durch unterschiedlichste Stilepochen von Spätgotik über Renaissance, Manierismus, Barock und Klassizismus bis hin zum Modernisme und zeitgenössischem Gestalten erleben: Nahezu jede Fensternische wurde im Laufe der Jahrhunderte mit einem Seitenaltar verbaut. Die vordere Rosette ist die weltweit größte − jeweils am 11. 11. und 2.2. des Jahres  fällt in den Morgenstunden ihr Licht genau auf die Wand unterhalb der hinteren Rosette, so dass sich das Bild der Zahl Acht, Symbol der Unendlichkeit Gottes, abzeichnet. Den Altar des rechten Seitenschiffs gestaltete erst vor ein paar Jahren der mallorquinische Künstler Marcelo Barceló mit Keramiken zum Thema „Brot und Fische“.

La Seu Außenansicht

La Seu Hauptaltar

LaSeu Innenansicht

Barcelo LaSeu

Für Opern- oder Ballettliebhaber lohnt sich der Besuch einer Vorstellung im Teatre Principal. Ich sah dort eine abwechslungsreiche, wirklich gute Inszenierung von Alice im Wunderland − mit Beginn um 18 Uhr und der Dauer von 90 Minuten ein gelungener Start in einen dieser wunderbar langen Abende in Palma, der für viele in einer Gin-Bar endet.

Alice in Wonderland Teatre Principal Palma

Im Januar ziert um die Zeit der Feste Correfoc und San Sebastiá die Weihnachtsbeleuchtung noch das nächtliche Palma − an manchen Ecken fast ein wenig kitschig, aber dennoch wunderschön anzuschauen.

Palma Beleuchtung

Rathaus Palma Weihnachtsbeleuchtung

Xmas Decoration PalmaKulinarische Verlockungen gibt es  viele − von der süßen Ensaimada über Tapas und winterliche Eintöpfe zu Fisch- oder Fleischgerichten wie Pica-Pica und Ceviche und himmlischen Desserts.

Ensaimada

Aromata Suppe und Ochsenbacke

Hotel Cort Roher Fischsalat

Patron Lunares Guacamole

Patron Lunares Pommes

Aromata Fisch

Aromata Lamb

Hotel Cort Dessert

Ebenso wie Infos zu den beiden großen Festen des Monats Januar findet Ihr einige Tipps für Restaurants und Hotels in meinem Bericht auf Travel on Toast. Zusätzlich möchte ich gerne die charmante, historisch und kunsthistorisch versierte, deutsch- und englischsprachige Stadtführerin Maite Aparicio empfehlen, die Ihr unter maiteaparicio(at)gmail.com kontaktieren könnt.

Palma de Mallorca hat mich daran erinnert, wie erfrischend ein dreitägiger Kurzurlaub ist − gefühlt war ich deutlich länger und weiter weg vom Grauesgrau Winterdeutschlands. Ich will in der Zukunft versuchen, mir ein paar Mal im Jahr eine kleine Flucht in wärmere Gefilde zu gönnen. Was neben der kurzen Flugzeit und fairen Preisen die Entscheidung erleichtern dürfte: Doris Schuppe, eine Münchner Freundin, die im Herbst nach Mallorca umzog, wird in wenigen Wochen gemeinsam mit ihrem Mann den „Rayaworx Coworking und Meeting Space“ eröffnen. Ich hatte vor dem Rückflug noch ein paar Stunden Zeit und eilte neugierig nach Santanyí , wo ich dem historischen Moment der Vertragsunterzeichnung für die Räumlichkeiten beiwohnen durfte. Natürlich haben die beiden mir auch gleich ihre neue berufliche Heimat gezeigt, in der schon intensiv umgebaut und neu gestaltet wird. Auf ihrem Blog könnt Ihr verfolgen, ab wann Ihr Euch und Eure Laptops im klimatisch überaus begünstigten, liebenswerten und entspannten Südosten Mallorcas bei Rayaworx zum Arbeiten stunden-, tage- oder monatsweise einmieten könnt. Dass die beiden wunderbare Gastgeber sind, ahnte ich lange und weiß es nun aus eigener Erfahrung. Ich werde das „Coworken auf Malle“ sicher bald mal ausprobieren!

Übrigens: Beim Besuch in Santanyí erspähte ich direkt gegenüber von Rayaworx die erste offene Mandelblüte des Jahres!
Es beginnt zu frühlingen!

Mandelblüte Santanyi

Ich bedanke mich bei Passion for Palma für die Einladung und bei Rayaworx für einen tollen Nachmittag.