In der Kargheit liegt Bereicherung.
Ich hatte unmittelbar vor Weihnachten eine Woche Zeit und wollte Wärme und Ruhe, um Erholung und Klarheit zu finden. Und deshalb wählte ich Lanzarote. Die nördlichste der kanarischen Inseln ist in etwa vier Stunden von München aus erreichbar, die Tagestemperaturen betragen im Dezember um die 20 Grad und zudem scheint die Sonne nicht nur verlässlicher, sondern aufgrund der Lage auch einige Stunden länger als in Grauwinterdeutschland. Die Insel ist karg, denn es gibt kein Grundwasser. Pflanzen wachsen nur durch Bewässerung oder durch den spärlichen Tau, der durch Lapilli, etwa daumennagelgroße Lava-Steinchen, aufgefangen und an die Wurzeln weitergeleitet wird. Immerhin sind so Landwirtschaft und sogar Weinbau möglich. Tomaten oder auch Rebstöcke werden jedoch aufgrund des starken Windes nicht nach oben gezogen, sondern wachsen liegend in kleinen, mauergeschützten Kuhlen. Im 18. Jahrhundert gab es katastrophale Vulkanausbrüche, die noch heute weite Teile der Insel charakterisieren. So dominieren Schwarz, Grau und Braun neben den Meeresblauschattierungen die Farbwelt der Insel. Und weiß mit etwas grün − so zeigen sich nahezu alle Häuser der Insel. Wenigen Stunden nach der Ankunft beginnt mein Gehirn, den Reichtum des Farbspiels in …


