Alle Beiträge, die unter Konzert gespeichert wurden

Mutande rosse. Y uvas de la suerte.

Same procedure as every year?  Well, somehow. Immer wieder stelle ich mir die Frage nach der Sinnhaftigkeit von datumsbezogener Fröhlichkeit. Aber sei’s drum – warum eigentlich nicht? Bekanntermaßen soll man die Feste feiern… Und irgendwie mag ich sie, diese wenigen Silvesterbräuche, die ich kenne. In Italien verheißt das Tragen roter Unterwäsche Glück  – nicht wirklich verwunderlich…  Auf Lanzarote und vermutlich in ganz Spanien gibt’s die „uvas de la suerte“ – mit jedem mitternächtlichen Glockenschlag verzehrt man eine kleine, süße und freundlicherweise kernlos spezialgezüchtete Traube. Wer dabei nicht debil zu sabbern beginnt, hat wohl wirklich Glück. Bei uns dahoam hat natürlich wie in vielen anderen Familien „Dinner for one“ seit langen Jahren Einzug gehalten. Es gibt Jahre, da wurde nur auf die Mimik von Master Freddy geachtet, dann dem Tigerfell und insbesondere dem Kopf Achtung geschenkt, gerne genommen ist auch die sekundiziöse Vorankündigung besonders hysterischer Lacher der im Publikum anwesenden Damen. Inzwischen kennt man auch die Version op Platt und dankt anderen Herausforderungen, wenn man doch mal wider Erwarten dieses Jahres-TV-Must verpassen konnte. Offizielle TV-Ansprachen sind so gar nichtscasowisches …

Mariss ist wieder da. Ein epochaler Abend.

Mariss Jansons, Chefdirigent des weltgeschätzten Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO), zog sich im April 2010 vorübergehend zurück vom Pult. Er sei krank, müsse sich einer Operation unterziehen und kehre in gut drei Monaten zurück. Noch letzte Woche hatte er Konzerte absagen müssen – wie sehr der Ersatzdirigent eben nur ein Analog-Dirigent war, zeigte sich heute. Denn pünktlich zum letzten Abo-Konzert der Saison 2009/2010 war er wieder da – „unser“ Mariss. Mariss, der uns in den vergangenen Jahren immer wieder überraschte und begeisterte. Dessen Präzision, Musikverstandgefühl, Dirigiertechnik, charismatische Autorität am Pult pure Passion ausstrahlen und der mit diesem wunderbaren Orchester und auch dem Chor Musik gebiert wie wenig andere Dirigenten. Ein Con-ductor. Hätte das Programm des heutigen Abends nicht schon so lange festgestanden, man hätte meinen können, es handle sich um seinen Abschied vom Orchester und auch vom Publikum. Mariss Abschied eben. Ein ungewöhnliches Programm, eine Hommage an alle Instrumentengruppen, kulminierend in einem Get-Together der romantischen Art mit Tschaikowskis Schinken „Francesca da Rimini“. Aber nein: so war es wohl nicht gemeint – so DARF es nicht gemeint sein. …

Das kleine Mädchen und Hector Berlioz.

Vor gut 35 Jahren lag ein kleines Mädchen abends bei aufziehendem Gewitter im Bett. Das Mädchen hatte Sommersproessen und rote Haare, wohnte mit ihrer Familie direkt am Waldrand und liebte es, bei abendlichen Gewittern das Fenster zu öffnen und Radio zu hören. An Donnerstagen lauschte sie Hörspielen, die ihre Phantasie beflügelten, und freitags Konzerten mit klassischer Musik, die von Anfang an eine Selbstverständlichkeit in ihrem Leben waren. Es muss also ein Freitag gewesen sein, an dem sie wieder einmal ihr vom Großvater geschenktes braun-metallenes Mono-Radio von Grundig anschaltete und im Bett lag. Nur noch ein bisschen hören und dann einfach wegdämmern… so wie kleinen schulgeplagten Mädchen das eben mal passiert. Draußen blitzte es noch diminuendo und der Sommerregen war in ein wohlbekanntes Continuo übergegangen. Was anders war, war die Musik. War das Filmmusik? Nein – dafür war schon der 1. Satz zu lang. Die phantastische Sinfonie von Hector Berlioz, op. 14, hatte die Sprecherin angesagt. Und: „Episoden aus dem Leben eines Künstlers“. Die Musik erzählte von einem Fest, einem Ball vielleicht. Von sich neckenden Menschen in abgeschiedener Stille einerseits. Und …