(un)sinniges, Food, genuss, Innenreise, Konzert, kultur, reise, Wein
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Mutande rosse. Y uvas de la suerte.

Same procedure as every year?  Well, somehow.

Immer wieder stelle ich mir die Frage nach der Sinnhaftigkeit von datumsbezogener Fröhlichkeit. Aber sei’s drum – warum eigentlich nicht? Bekanntermaßen soll man die Feste feiern…

Und irgendwie mag ich sie, diese wenigen Silvesterbräuche, die ich kenne. In Italien verheißt das Tragen roter Unterwäsche Glück  – nicht wirklich verwunderlich…  Auf Lanzarote und vermutlich in ganz Spanien gibt’s die „uvas de la suerte“ – mit jedem mitternächtlichen Glockenschlag verzehrt man eine kleine, süße und freundlicherweise kernlos spezialgezüchtete Traube. Wer dabei nicht debil zu sabbern beginnt, hat wohl wirklich Glück.
Bei uns dahoam hat natürlich wie in vielen anderen Familien „Dinner for one“ seit langen Jahren Einzug gehalten. Es gibt Jahre, da wurde nur auf die Mimik von Master Freddy geachtet, dann dem Tigerfell und insbesondere dem Kopf Achtung geschenkt, gerne genommen ist auch die sekundiziöse Vorankündigung besonders hysterischer Lacher der im Publikum anwesenden Damen. Inzwischen kennt man auch die Version op Platt und dankt anderen Herausforderungen, wenn man doch mal wider Erwarten dieses Jahres-TV-Must verpassen konnte. Offizielle TV-Ansprachen sind so gar nichtscasowisches – insofern ist’s mir auch hinlänglich sauwurscht, welcher Jahrgang bedeutsamen Teleprompterablesens wann vorgetragen wird.

Eine lautstarke Chance auf prickelnde Wiederholungen hatte das in den 80ern spontan erfundene Neujahrsböpen auf dem Monopoteros im Englischen Garten. Wir hatten damals im Freundeskreis an alles gedacht, nur leider nicht an Gläser. Es hatte lange vor seiner Zeit etwas durchaus Bullyeskes, erheiterte zumindest die anwesenden Jungs und mich erheblich und sollte zu einer Tradition werden, die sich durch jähe Umbesetzungen innerhalb der Böpgruppe als einmalig erwies.

Es gab das Silvester in der Liebigstraße mit dem rollstuhlfahrenden Gast, der zwischendurch immer wieder an die Sauerstoffflasche angeschlossen werden musste.  Es gab das Waltherstraßen-Spielesilvester – ebenfalls legendär. Es gab den Alleinbesuch am Friedensengel. Letztes Jahr guckten wir eine irgendwo höchsterstaunlicherweise gefundene This is it-Kopie und michaelten kräftig mit. Innsbruck und das Silvesterdachl sind ebenfalls unvergessen (schon ob des anonymen Neujahrs-Lackschadens im Studenten-Golf). Ich und mein 3Sat-Konzertgeschau bis zum Erreichen des viereckigen Äugleins – das hatte auch was. Der Abend bei einem Fremden mit weiteren Fremden mit Wiener Walzer hoch über dem Prinzregentenplatz – unvergessen. Die äußerst ungeliebte Milleniums-Lungenentzündung in der damals frisch bezogenenen Wohnung, von deren Schlafzimmer aus ich das Hofgarten-Feuerwerk erspähen konnte.  Silvesterfeiern, von denen man schon beim Öffnen der Haustür wusste, dass man besser spontan an Cholera hätte erkranken sollen. Zwei Beisetzungen in der Silvesterhistorie, die auch das ausgelassene Feiern in den Folgejahren etwas schwierig werden ließen. Die Riesenparty in einer ehemaligen Werkstatt, die mein Bruder und sein bester Freund für ihre Erst-Basteleien an Boxen und Anlagen und Autos nahe einem Kloster angemietet hatten. Das Dixiklo für den Abend hatten die beiden Jungs kurzerhand auf einer nahegelegenen Baustelle „ausgeliehen“ und als sie es in ihrer Not dann vor der Rückgabe ausgerechnet in einer Waschstraße reinigten, verfinsterte sich die Neujahrslaune des Tankstellenpächters doch erheblich… wuide Buam. Thomaesk. Die Erst-Austern mit anschließender Hep-A sind auch eher in der Liste der streichenswerten Erinnerungen zu verbuchen – der Genuss hielt sich in Grenzen.

Was für mich dazu gehört, sind Bollicine im Glas – die müssen sein. Kein Karpfen, kein Fondue, kein sonstiges Standardtraditionsessen.
Und am nächsten Morgen aufgrund väterlicher Tradition ganz wichtig: das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Mit klatschenden Japanern, kitschigen Ballett-Einlagen, wunderschönen Pausenfilmen aus Österreich, Blumenkaskaden aus San Remo, mit bekannten und noch nie gehörten Melodien und vor allem aus dem schönsten Konzertsaal der Welt mit einem dem wunderbarsten Orchester der Welt mit seinem einzigartigen Klang.

Und dem immerwährenden philharmonischen Gruß: PROSIT NEUJAHR!

In diesem Sinne: möge es für jeden ein gutes neues Jahr werden!

 

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