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Hot hot hot: Trento, Hauptstadt des Trentino

Diese Reise würde viele neue Eindrücke und Erkenntnisse bringen, das war mir schon vorab klar. Erstmals fuhr ich per Bahn nach Italien, genauer gesagt ins Trentino. Der EC war bei Juli-Temperaturen um die 40 Grad auch für Frostbeulen wie mich angenehm klimatisiert, die Sitze in der 2. Klasse waren überaus komfortabel, die Durchsagen verständlich, die Fahrzeit mit knapp viereinhalb Stunden ab München überschaubar – und der Zug pünktlich! Ich muss gestehen: Ich habe es richtig genossen, mich weder um Tempolimits noch Mautstellenstaus oder die Kilometerangabe bis zur nächsten Tankstelle kümmern zu müssen. Sehr empfehlenswert und zu Angebotspreisen wie aktuell ab 39 EUR noch dazu bedeutend günstiger als eine Autofahrt.

Brennero

Endlich ließ ich auch Trento, die Hauptstadt der Region Trentino, die mit etwa 115.000 Einwohnern entlang der Etsch liegt, einmal nicht auf der Durchfahrt zum Gardasee oder gen Süden links oder rechts liegen. Vielmehr war sie der Auftakt einer dreitägigen Trentino-Erkundung. Nur wenige Schritte nach dem Verlassen des architektonisch eher eigenwilligen Bahnhofs offenbart sich die Stadt als typisch italienisches Kleinod. Dazu gehört – wie beinahe immer – ein Denkmal des Dichters Dante Alighieri, der allerdings nie in Trento weilte, wie die erfrischend lebhafte Stadtführerin gestand. Seine Statue sei eher als Akzent der inneren Protesthaltung gegenüber den „nördlichen Barbaren“ zu verstehen. Ein liebenswürdiges Stückchen „Dramma“ geht eben immer in Italien.

In der aktuell blumengeschmückten Via Rodolfo Belenzani sticht der Renaissance-Palazzo der Familie Geremia besonders in Auge – auf der Fassade sind noch einige der Originalfresken erhalten. Etwa drei Jahrhunderte bestimmten die Geremias als Konsule die Geschicke der Stadt mit, heute nutzt die Stadtverwaltung den Palast als Repräsentanz. Überaus verständlich.

Trento_Palazzo

Die Straße mündet auf die Piazza Duomo – das zumindest gefühlt Kühlung verheißende Wasser des Neptun-Brunnens zieht magisch an. Was für ein Rundblick sich von ihm aus bietet: Auf das Castello Buonconsiglio, das sich an die Stadtmauern aus dem 13. Jahrhundert lehnt, die Kathedrale des Hl. Virgilio und auf ein paar hübsch gelegene Caffès und Geschäfte unter Laubengängen. Italienische Plätze wissen sich doch immer bestens zu inszenieren.

Trento_Piazza

Trento_CaffeItalia

Ein Besuch des Kastells kam diesmal aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit leider nicht in Frage. Lohnenswert dürfte er durchaus sein, war es doch zunächst Römer-Festung und ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bis zur Säkularisation des Fürstentums im Jahre 1803 die Residenz der Fürstbischöfe von Trient. Heute birgt es als Landesmuseum neben der eigenen Historie in erster Linie Kunstschätze von der Gotik bis hin zum Barock in sich.

Trento PizzaDuomo_vomDomausDafür ging es in die dunkle Kühle der Kathedrale. Ihre Basis bildete ein dem Stadtpatron, dem Hl. Vigilio, geweihter Tempel. Später wurde sie zur romanischen Basilika gewandelt, dann erneut in Teilen niedergerissen und heute zeigt sie sich mit romanischen Rundbögen, einer gotischen Rosette, einem barocken Hochaltar und nur einem Glockenturm statt der geplanten zwei Campaniles.

Trento_Cattedrale

Der Hochaltar wirkt übrigens ein wenig wie die kleine Schwester des Altars der Peterskirche in Rom – tatsächlich galt er diesem auch als Anregung.

Trento_Kathedrale_Hochaltar

Ihre zentrale Bedeutung hatte die Kathedrale während des Konzils von Trient (1545 bis 1563) als Versammlungsort der Prälaten, Äbte, Kardinäle und Bischöfe sowie der amtierenden Päpste (im Laufe der Jahre waren es drei). Sollte ich irgendwann viel Zeit haben, tauche ich vielleicht noch einmal ein in die Inhalte und Beschlüsse des Konzils, denn auf den ersten Blick scheinen heute noch viele von damals Gültigkeit zu haben. Außerdem waren Luthers Thesen und damit der Beginn des Protestantismus wichtiger Gegenstand des Konzils.

Trento_Kathedrale_Detail_Knoten

Ein nettes Detail findet sich im Seitenschiff: Dort thront die „Deutsche Madonna“, die ihren Namen aufgrund der geflochtenen Zöpfe erhielt.

Trento_DeutscheMadonna

Mir blieb noch eine halbe Stunde Zeit für einen Streifzug durch die Gassen und Straßen, den Blick auf herrlich Italienisches und einen erfrischenden Espresso im Stehen (bei Hitze empfinde ich es tatsächlich als angenehmer, etwas Warmes zu trinken). Molto bella und simpatica ist Trento – und die Schaufensterdekorationen verhießen zudem große Shopping-freuden.

Trento_Stadtbummel

Trento_Unterwegs

Trento_Castello_Torre

Zurück im komfort- und servicevollendeten Grand Hotel Trento hüpfte ich unter die Dusche, um kurz darauf von Schatten zu Schatten zum Restaurant Due Spade in die Via Don A. Rizzi 11 zu eilen. Es wurde in den Schriften zum Trientiner Konzil erstmals erwähnt – Kardinäle waren offensichtlich schon damals kulinarischen Genussmomenten recht zugetan. Der einem Fass nachempfundene hintere Teil des Raums stammt aus der Konzil-Zeit, der hölzerne vordere Teil kam im 18. Jahrhundert hinzu. Seit 35 Jahren ist das Restaurant in der Hand der Familie Peterlana, die großen Wert auf die Regionalität der Lebensmittel legt und durchaus auch hinterfragt, ob nun Kapern von den liparischen Inseln wirklich eine unumgängliche Zutat für ein Gericht seien. So ist auch die Speisekarte recht übersichtlich – dafür aber exquisit und immer auch saisonal geprägt.

Trento_DueSpade_innen

Trento_DueSpade_Terrasse

Zum perfekten Gästeglück gibt es auch eine wunderbare Terrasse für Sommertage wie diesen. Das Degustationsmenü startete mit einer lauwarmen Brennnesselcreme mit Gardasee-Saibling. Die Brennnesseln werden dazu über Stunden hinweg gekocht – ich war fasziniert vom satten Grünton und überraschend angenehmen Geschmack der Blätter, die ich bislang nur unliebsam auf den Armen zu spüren bekam oder als faden Gesundsaft als Teenie einnehmen musste.

Trento_DueSpade_Brennesselsuppe

Es folgte ein „Tris“ von Süßwasserfischen – also drei kleine Gerichte: Zander im Speckmantel auf Heu, Felchen mit Gardasee-Forelle und „Sarde in Saor“, süßsauer zubereitete Sardinen aus dem benachbarten Venetien.

Trento_DueSpade_TrisSuesswasserfische

Und dann betörte die hohe Kunst der Risotti den Gaumen: Ein himmlisches Zitronen-Vanille-Risotto, das Tage später noch in der Erinnerung verzückt. Ich hatte Glück und erhielt eine kleine Skizze des Rezepts vom Hausherrn: Einen Tag vor der Zubereitung presst man Zitronen aus und gibt eine halbierte Vanilleschote in den Saft. Nach 24 Stunden drückt und schabt man die Schote aus und filtiert die Masse durch ein feines Tuch. Der Reis (in diesem Falle der gute Acquerello Riso Carnaroli aus der Dose) wird in Gemüsebrühe und mit trockenem Weißwein gegart. Erst kurz vor dem Garende werden die Zitronen-Vanille-Masse sowie etwas Butter  unter den Reis gezogen. Das Risotto kann man nun in runde Förmchen füllen und diese auf dem Teller einige Minuten ruhen lassen, bevor man sie entfernt und den Teller mit einem Hauch von Gardasee-Olivenöl und einer Prise feinstgehackter Petersielie serviert. Ich werde das bald mal ausprobieren.

Trento_DueSpade_Risotto

Zum Dessert gab es ein zweites Tris: Holundersirup-Bavaroise, Flieder-Sorbet und Halbgefrorenes mit Akazienblüten (die überraschend kräutrig schmecken). Zu allen Gerichten passte ein fein perlender TrentoDOC – am besten folgt man hier der Empfehlung des Hausherrn.

Trento_DueSpade_Dessert

Nach diesem kulinarischen Elysium verweilte ich noch ein wenig auf der Piazza Duomo am kühlenden Neptun-Brunnen und beobachtete Menschen beim gemächlichen nächtlichen Flanieren.
Italien ist ein Seelenstreichler – immer und immer wieder.

Trento_Neptunbrunnen_NachtIch bedanke mich bei Trentino Marketing und dem Tourismusverband „Trento, Monte Bondone, Valle dei Laghi“ herzlich für die Einladung.

 

 

7 Kommentare

  1. Helga Wilhelm sagt

    Wirklich sehr schön !!! Man Möchte sofort aufbrechen und Deinen Spuren folgen! >

  2. Lilo sagt

    Liebe Casowi, Du schilderst Deine Reisen so anschaulich und führst den Leser so lebhaft und leicht in die Atmosphäre, die Du erlebt hast, dass man sich tatsächlich dorthin versetzt fühlt! Deine Schilderungen sind ein Genuss! Vielen Dank!
    Lilo Vollert

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