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Vom Bruttokulturprodukt. Eine Geburtstagsfeier anderer Art.

Ich hatte das, was der Bayer „Boin“ nennt. Keine wirklich Angst, eher eine Kombination aus Respekt vor etwas und Befürchtungen. „Boin“ also davor, dass an diesem Abend der sich gerade bildende Schorf über der sich langsam schließenden Wunde abgeknubbelt werden würde. Und es wieder näßen und bluten könnte. Heute. An seinem Geburtstag. Und nur zehn Wochen nach seinem Tod. Ich fand es auch ein bisschen überflüssig. Mit 86 darf man sterben. Einfach tot sein. Natürlich mit Erinnerungen behaftet werden. Mit Lachen und auch mal mit Tränchen. Aber eben tot sein. Und dann wurde alles ganz anders. Aus einer geplanten Stunde im Münchner Künstlerhaus wurden über zwei. Mit Reden vieler Wegbegleiter, die humorvoll beleuchteten, wieviel Neugierde, Mut, Chuzpe, Vision und Tatkraft er besessen hatte. Und was alles er damit auf die Beine gestellt hat. Er: Kurt Wilhelm. Autor und Regisseur. Und mein Onkel. Der Kulturreferent von München sprach vom Wert seiner Arbeiten für München und Bayern und die Ehre, nun seinen künstlerischen Nachlass in der Monacensia begrüßen zu dürfen. Sigmund Gottlieb berichtete von den Nachkriegs-Anfängen des Bayerischen Rundfunks (zunächst Radio München), die Kurt maßgeblich geprägt …

Weltreise. Zeitreise.

Strahlehimmel! Dafür darf’s dann auch gerne eiswindig sein. Also Mütze tief in die Stirn und über die Ohren und auf der Fifth Avenue gen Manhattan-Spitze. Am Zaun einer Kirche hängen Bänder. Viele Bänder. Mit den Namen  und dem Alter der im Irak gefallenen Soldaten. Fast alle sind Anfang 20. Ein großes Thema hier. Zunehmend an Bedeutung. Vorbei am Empire State Building, nicht ohne mich immer wieder zu ihm umzudrehen. Auf dem Union Square ist Markttag. Recht beschaulich und alles in Bio. Ein bisschen jutiger noch als ein Bauernmarkt bei uns. Frühstücksglück mit einem Bio-Muffin in der nachzuahmenden Geschmacksrichtung Kürbis-Cranberry. Eine meiner ganz großen Lieben in dieser Stadt: The Flatiron Building. Dessen Architekten kann man nur vergöttern. Das kulinarische Paradies entdecke ich dann bei Dean & Deluca auf dem Broadway: Käse, die nicht aus Plastikabfällen stammen, ungeschminkte Frischschinken, Echtgemüse und Knackigobst, Aufstriche, Pasten, Sushivariationen, allerlei Kleingebäck – nur leider gerade so gar kein Hunger.    Das nächste kulinarische Highlight liegt dann zwischen Little Italy und Chinatown und nennt sich Eileen’s Special Cheese Cake http://www.eileenscheesecake.com (das darf man sich auch nicht …

2 Jahre Leben 2

Diese Gefühlsmischung beim Aufwachen: Das Wissen, dass der Kampf vorüber ist. Dieser lange, fast zu lange andauernde Willen, krampfhaft zu erhalten, was nicht zu halten ist. Ich hatte die Wahl zwischen Verlust und Verlust. Das kannte ich bis dato nicht. Und dann Aufwachen – in ein zweites Leben. Mit einem Blick auf Weite und zugleich auch auf Nähe. Dieser Blick: Aufwachen am 6.12.2007. Aufwachen! Die Leichtigkeit und die Freude, dass ich es geschafft habe. Dass ich wirklich losgelassen hatte. Und die Freude, wie leicht sich das anfühlte – und wie unendlich richtig. Dankbarkeit, dieses Gefühl empfinden zu dürfen. Und im Moment so gar keine Trauer darüber zu verspüren, dass ich einen wichtigen Teil meiner selbst aufgeben musste. Ihn endgültig abgegeben habe. Aus. Vorbei. Weg. Nie eigene Kinder. Wo es doch immer so klar war, dass eigene Kinder zum Leben gehören. Früher immer. Heute nie. Heute macht es mich noch manchmal traurig, ja. Aber dann weiß ich auch wieder, dass diese Trauer in Ordnung ist. Dass sie aber auch überschattet, was mir gegeben wurde und was …