(un)sinniges, Innenreise
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2 Jahre Leben 2

Diese Gefühlsmischung beim Aufwachen: Das Wissen, dass der Kampf vorüber ist. Dieser lange, fast zu lange andauernde Willen, krampfhaft zu erhalten, was nicht zu halten ist.

Ich hatte die Wahl zwischen Verlust und Verlust. Das kannte ich bis dato nicht.

Und dann Aufwachen – in ein zweites Leben. Mit einem Blick auf Weite und zugleich auch auf Nähe. Dieser Blick:

Aufwachen am 6.12.2007.

Aufwachen!

Die Leichtigkeit und die Freude, dass ich es geschafft habe. Dass ich wirklich losgelassen hatte. Und die Freude, wie leicht sich das anfühlte – und wie unendlich richtig. Dankbarkeit, dieses Gefühl empfinden zu dürfen. Und im Moment so gar keine Trauer darüber zu verspüren, dass ich einen wichtigen Teil meiner selbst aufgeben musste. Ihn endgültig abgegeben habe. Aus. Vorbei. Weg. Nie eigene Kinder. Wo es doch immer so klar war, dass eigene Kinder zum Leben gehören. Früher immer. Heute nie.

Heute macht es mich noch manchmal traurig, ja. Aber dann weiß ich auch wieder, dass diese Trauer in Ordnung ist. Dass sie aber auch überschattet, was mir gegeben wurde und was ich endlich voll annehmen sollte: Leben 2. Hey, dumme Nuss – pack’s an! Nimm es, achte es, genieß es! Wirf es nicht weg, missachte es nicht. Schätze es nicht gering – es ist das einzige, was Du wirklich hast. LEB ES! Schrei „Hurra“, wenn Dir danach ist und „Scheiße“, wenn wieder mal ein Depp meint, Dir quer kommen zu müssen. Ja, es gibt sie – es wird sie immer geben. So what – give a shit on them.

Zwei Jahre nach der OP. Zwei Jahre. Wieviel von diesem Gefühl von vor zwei Jahren hab ich vergessen. Einfach vergessen. Wie doof bin ich gewesen? Heute ist es wieder da. Und  es ist richtig gut! RICHTIG GUT!

Ab jetzt kommt’s in keine Ablage mehr. Aber jetzt wird es täglich gepflegt. Behutsam – denn es ist eines der wenigen wirklich wichtigen Pflänzchen in meinem Leben.

Leben 2.

Ich kann das. Und ich weiß, dass ich es Dir zeige. Weil Du stolz auf mich wärst. Weil Du seit langem mir wünscht, dass ich es endlich erkennen kann. Und anpacke.

Es wäre schön gewesen, es mit Dir er-leben zu können.

Ich leb’s nun für mich.

Und nehm Dich irgendwie mit. Denn ich weiß, von irgendwo dort  bist Du ohnehin dabei.

Danke!

Die hier waren und sind für uns – und wir wären gewesen wie sie. Wir hätten wunderbar miteinander geblüht, aber wir hätten uns auch gestochen und uns verletzt, weil wir auch ab und an um die Wette geblüht hätten. Geschwister tun das schon mal, wie Du weißt.  Du hast es bei der Knospe belassen. Müssen.  Ich darf blühen und duften und auch mal pieksen. Und das mach ich nun auch. Versprochen.

 

Danke auch an all die Menschen, die mich begeleitet haben auf diesem Weg. In Gesprächen, in Gedanken, in Taten. Davor, während dieser Tage rund um die OP und danach.

Vieles hat sich getan seither. Vieles hab ich bewältigt und gelöst. Und das fast vergessene Loslassen klappt ja doch wieder. Heute erst!

Und ich hab was gelernt: manchmal muss es auch nur das Gefühl sein, loslassen zu können und nicht die Umsetzung in die Tat.

Eine neue Erkenntnis.

Eine schöne Erkenntnis.

Danke für Leben 2.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: (un)sinniges, Innenreise
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fasziniert von Menschen und deren Geschichten, Reisen, Wein, Food, Musik, Sprachen und einigem mehr.

1 Kommentar

  1. Seigott sagt

    Auch wenn ich davor nicht dabei war, so rührt mich diese Geschichte sehr in meinem Herzen.

    Danke!

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