Alle unter Trauer verschlagworteten Beiträge

Eine Zahnbürste. Mehr nicht.

Ihre Zahnbürste nimmt sie mit. Mehr nicht. Nicht mehr. Sie ist jetzt deutlich über 90 Jahre alt. Noch immer eine wunderschöne Frau. Sie hat wirklich gelebt. Sie kann zuhören und sie war nie ein Plapper-Typ. Sie „machte etwas mit Medien“ – und das sehr sehr gut und anerkannt.  Vor 25 Jahren überlebte sie schwerverletzt einen Autounfall, anders als ihr Mann. Ja, sie trauerte und sie fand dennoch zurück in ihr eigenes, schlagartig so verändertes Leben. Nun hat sie doch noch der Krebs erwischt. Diese Macht, die nur eines kann: zerstören. Vorgestern also ging sie ins Hospiz. Auf ihre letzte Reise – und wohl auch ihre größte. Auf die besorgte Frage einer Freundin, wie sie denn mit ihrem Gepäck dorthin käme, antwortete sie lachend: „Gepäck? Ich nehme doch nur meine Zahnbürste mit.“ Nur eine Zahnbürste. Nur eine Zahnbürste. Ich frage mich seither: was würde ich mitnehmen auf diesen Weg? Was ist es, das mich auf den letzten Metern des Lebens begleiten könnte? Wird? Bücher vielleicht – zumindest eines. Das fiel mir spontan ein. Aber welches? Welches …

Ein Blogpost bricht die Contenance.

Sachar schreibt hier, dass und warum ihn ein Buch berührt. Und meine Tränenschleusen öffnen sich beim Lesen. Alles, was  in diesen Jahr berührt hat, drängt sich in Form von Tränenflüssigkeit ans Tageslicht. In dieser vermaledeiten ohnehin so rührseligen Zeit des Vorweihnachtskommerzes. Wie wichtig mir diese Zeit ist und wie sehr ich sie zugleich verabscheue! Weil sie mich erneut konfrontiert mit meinen Themen dieses Jahres. Die beiden Todesfälle in nächster Nähe, die nicht unterschiedlicher hätten sein können und beide immer wieder überfallsartig schmerzen. Die Sorgen um diejenigen, die mir Sorgen bereiten. Die Ohnmacht über die mich manchmal befallende Handlungsunfähigkeit – wenn’s um Entscheidungen für mich geht. Das Wissen um das Glück, dass ich in vielen wenigen Stunden dieses Jahres erfahren durfte und das mit der Gewissheit verbunden ist, dass es nicht von Dauer sein kann. Die Dankbarkeit dafür, es überhaupt erlebt zu haben. Der Ärger über all das, was ich bewegen wollte in diesen vergangenen Monaten und die beschämende Erkenntnis, dass ich es nicht getan habe. Das innere Wissen um die Veränderungen, die kommen werden. Weil …

Deine Kerze. Erloschen.

Ich hatte sie entzündet, als sie mir sagte, Du würdest vermisst werden. Zu Deinen Ehren – damit sie Dir helfen möge. Sie wusste, was sie schon zu diesem Zeitpunkt war. Und ganz leise hat sie’s mir vermittelt. So leise, wie jetzt die Tränen fließen. So unfassbar leise. So unfassbar. Erloschen. Ein großes Stück Kindheit. Und doch wird was bleiben. Mehr als „ein Luft“. Grüß mir den Dritten in unserem Bunde. Ihr fehlt. Ich bin sehr traurig.