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Jahreswechsel. Perspektivwechsel.

So vieles in diesem Jahr ging oft so nahe ans Unerträgliche. Und manchmal auch darüber hinaus. Die Erinnerung an diese Pein wird wohl noch eine Weile wach bleiben – und vermutlich soll sie es auch. Es ist an der Zeit für mich, dampfende Scheißehaufen nicht länger hübsch zu formen, mit Edelschokolade zu überziehen und Goldblättchen zu verzieren, um sie dann freundlich – den Basisgeschmack überlächelnd – zu verzehren. Es war und ist an der Zeit, Schrecken als solche zu benennen. Auch laut. Auch deutlich. Dieses Jahr 2011 hat mich gefordert wie sonst keines. Alte Wunden aufgerissen, neue hinzugefügt, kaum Zeit gelassen, dass sich etwas Narbengewebe bilden konnte. Wieder und wieder und wieder hat es mich niedergestreckt. Vom Anfang bis zum Schluss. Schmerzen verursacht, Tränenschleusen geöffnet, innerste Fassadenteile ins Bröckeln gebracht. Schwierige und deshalb wichtige Fragen aufgeworfen, die noch lange nicht alle Antworten gefunden haben – und vielleicht auch nicht so schnell finden lassen. Und deshalb ist mir wichtig, all das Positive des Jahres zu benennen, dass mir zu Inseln der Kraft und des Wohlgefühls wurde. …

Und wie kommunzieren wir morgen?

Schön war’s auf dem Kommunikationskongress 2011 – denn ja, es gab sie wieder: gute Gespräche mit Neu- und Wiederbegegnungen, interessante Vorträge, unterhaltsame Diskussionen und polarisierende Beiträge. Natürlich auch dabei: die kleinen Redunanzen des Kongress-Erlebens wie verschobene Panels, die den Zeitplan durcheinander bringen. Insgesamt aber einfach eine tolle und sehr gut organisierte Veranstaltung zu einem fairen Preis – Kompliment und großes Danke also an die Organisatoren beim BdP! Dazu eine unterhaltsame Speakersnight – „ganz ohne Bierbänke“, auch wenn das Niveau ab und an auch mal akuten Volksfestverdacht aufkommen ließ. Aber auch all das gehört dazu. I love it! Und ja: ich finde es richtig, dass eine Branche, der außer steter Schönfärberei, gemächlicher Zeitugslektüre und bepradatem Proseccoglashalten kaum noch mehr zugetraut wird, einen Abend lang sich selbst feiert. Eine Branche, die durch den Bockmist einiger weniger ethikloser Profilneurotiker hinsichtlich ihres Rufes in Schräglage gekommen ist. Sicherlich gab’s da die ein oder andere Beinahe-Havarie – auch in den vergangenen Monaten. Dass bei der Speakersnight allerdings gefühlte 70% der Anwesenden kommunikative Schwerstarbeiter gewesen sein dürften, deren Überstundenkonten keine Tariflichkeiten kennen, das wollen …

Die Kunst der Ruhe.

Renaissance. Klare Aussagen. Scharfe Konturen. Profile. Halb eingedrehte Positionen. Frontalblicke. Kleine Formate. Hinreißend zarte Skizzenblätter. Zumeist aus dem Besitz der Queen. Und erstmals halte ich „Being the Queen“ für ein durchaus erstrebenswertes Berufsbild. Wobei ich meine Aufmerksamkeit vermutlich einige Jahre der grafischen Sammlung widmen würde. Gesichter der Renaissance also nennt sich eine der berührendsten Ausstellungen, die ich seit langem gesehen habe. Viele der Bilder habe ich bereits an ihren Originalplätzen betrachten dürfen, sei es in Wien, Venedig, Florenz, New York, Paris, Amsterdam, Boston, London. In ihrer im Berliner Bode-Museum gezeigten Gesamtheit rauben sie mir den Atem. Und verleihen mir eine neue Form von innerer Ruhe. Neben den Gemälden – viele von ihnen übrigens noch auf Holz und nicht auf Leinwand – gibt es auch bezaubernde Marmorbüsten, mächtige Bronzeportraits, unglaublich nahe Terracotta-Abbildungen und viele Münzen. Vor allem aber ziehen mich Simonetta, die jungen wie die alten Herren de Medici, Cecilia, Giovanni, Marietta, Bianca und Federico in ihren Bann. Wirklich empfehlenswert ist der Audioguide, der eher Videoguide ist und durch seine iPod-Basis leicht nutzbar ist. Schön daran: …