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Mariss ist wieder da. Ein epochaler Abend.

Mariss Jansons, Chefdirigent des weltgeschätzten Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO), zog sich im April 2010 vorübergehend zurück vom Pult. Er sei krank, müsse sich einer Operation unterziehen und kehre in gut drei Monaten zurück. Noch letzte Woche hatte er Konzerte absagen müssen – wie sehr der Ersatzdirigent eben nur ein Analog-Dirigent war, zeigte sich heute. Denn pünktlich zum letzten Abo-Konzert der Saison 2009/2010 war er wieder da – „unser“ Mariss. Mariss, der uns in den vergangenen Jahren immer wieder überraschte und begeisterte. Dessen Präzision, Musikverstandgefühl, Dirigiertechnik, charismatische Autorität am Pult pure Passion ausstrahlen und der mit diesem wunderbaren Orchester und auch dem Chor Musik gebiert wie wenig andere Dirigenten. Ein Con-ductor. Hätte das Programm des heutigen Abends nicht schon so lange festgestanden, man hätte meinen können, es handle sich um seinen Abschied vom Orchester und auch vom Publikum. Mariss Abschied eben. Ein ungewöhnliches Programm, eine Hommage an alle Instrumentengruppen, kulminierend in einem Get-Together der romantischen Art mit Tschaikowskis Schinken „Francesca da Rimini“. Aber nein: so war es wohl nicht gemeint – so DARF es nicht gemeint sein. …

Das kleine Mädchen und Hector Berlioz.

Vor gut 35 Jahren lag ein kleines Mädchen abends bei aufziehendem Gewitter im Bett. Das Mädchen hatte Sommersproessen und rote Haare, wohnte mit ihrer Familie direkt am Waldrand und liebte es, bei abendlichen Gewittern das Fenster zu öffnen und Radio zu hören. An Donnerstagen lauschte sie Hörspielen, die ihre Phantasie beflügelten, und freitags Konzerten mit klassischer Musik, die von Anfang an eine Selbstverständlichkeit in ihrem Leben waren. Es muss also ein Freitag gewesen sein, an dem sie wieder einmal ihr vom Großvater geschenktes braun-metallenes Mono-Radio von Grundig anschaltete und im Bett lag. Nur noch ein bisschen hören und dann einfach wegdämmern… so wie kleinen schulgeplagten Mädchen das eben mal passiert. Draußen blitzte es noch diminuendo und der Sommerregen war in ein wohlbekanntes Continuo übergegangen. Was anders war, war die Musik. War das Filmmusik? Nein – dafür war schon der 1. Satz zu lang. Die phantastische Sinfonie von Hector Berlioz, op. 14, hatte die Sprecherin angesagt. Und: „Episoden aus dem Leben eines Künstlers“. Die Musik erzählte von einem Fest, einem Ball vielleicht. Von sich neckenden Menschen in abgeschiedener Stille einerseits. Und …

Christian Thielemann. King of Taktstock?

Was – bitte sehr – war das denn? Gut, dass Christan  Thielemann rund um seinen Abgang aus München eine sehr schräge Mediennummer gefahren hat, mag ich aus PR-Sicht zwar nac h wie vor nicht gutheißen, aber unter strategischen Aspekten noch verstehen. Dass er nun aber die Münchner Philharmoniker und das Publikum dazu nutzt, öffentliche  Fingerübungen für seine Wiener Eroica (am 25. März mit den Wiener Philharmonikern, mit denen er den ganzen Beethovenzyklus aufführt und auf DVD herausbringen wird) zu machen, finde ich reichlich befremdlich. Das hätte ebenso für die ursprünglich angesetzte 4. Sinfonie gegolten – steht sie doch am gleichen Abend auf dem Programm in Wien. Wie praktisch also: ein Griff in seine Schublade für Aktuelles – das Münchner Publikum wird es schon nicht merken. Es war ja auch sonst tumb und sich von einem großen Tanzbären am Nasenring herumführen lassen. Ganz schön clever von Herrn Thielemann. Wenn auch reichlich unsportlich. Das ist die eine Sache. Was mich jedoch wirklich in Rage brachte, war seine Eroica-Interpretation. Was war denn das? Oder was soll es sein? Um eine …