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Luxus ist nur ein Chamäleon.

Oh, wie waren sie wichtig, diese kleinen und großen Belohnungen für stressige Arbeitstage! Seelentröster, Eigenbelobiger, Fluchtkäufe. Einige waren verbunden mit längeren Brauch-ich-das-wirklich-Überlegungen, andere klare Das-hab-ich-mir-verdient-und-gönns-mir-jetzt-einfach-Spontankäufe. Klassisch reduzierte Das-krieg-ich-nie-wieder-für-das-Geld-Schnäppchen hielten ebenso triumphalen Einzug in die heimischen Wände wie Seelenkitsch-initiierte-(Kurz-)Urlaubsmitbringsel, die das dem-Alltag-Fernsein möglichst dauerhaft verlängern sollten. Vor dem Urlaub noch schnell das Wochenende mit dem Gschpusi in einer Romantikmetropole. Oder überhaupt einfach mal ein paar Tage in einer anderen Stadt. Nach langem Drumrumgeschleiche und mit einer Mischung aus Schlechtgewissen und Besitzerinnenstolz musste es dann auch irgendwann die Tasche aus bedrucktem Segeltuch sein, deren Monogramm auch für „Lebensverarsche“ stehen könnte. Immer wieder diese „Ich muss mir jetzt was Gutes tun“-Sätze – als Rechtfertigung für den Moment des Luxusgut-Erwerbs. Die doch letztlich nichts als mir selbst gegenüber unehrliches Kompensationsgehabe waren. Natürlich verdiente ich sehr gut in meinem Stabsstellenjob im Großkonzern. Aber es war ein Knochenjob, bei dem wirklich jedes Wort – intern wie extern – auf die Goldwaage zu legen war. Neben Dauerbeschuss mit „Wir müssen mal“-(also: „mach mal“-)Mails und unendlich vielen Themen auf dem Tisch kosteten mich vor …

Eine Zahnbürste. Mehr nicht.

Ihre Zahnbürste nimmt sie mit. Mehr nicht. Nicht mehr. Sie ist jetzt deutlich über 90 Jahre alt. Noch immer eine wunderschöne Frau. Sie hat wirklich gelebt. Sie kann zuhören und sie war nie ein Plapper-Typ. Sie „machte etwas mit Medien“ – und das sehr sehr gut und anerkannt.  Vor 25 Jahren überlebte sie schwerverletzt einen Autounfall, anders als ihr Mann. Ja, sie trauerte und sie fand dennoch zurück in ihr eigenes, schlagartig so verändertes Leben. Nun hat sie doch noch der Krebs erwischt. Diese Macht, die nur eines kann: zerstören. Vorgestern also ging sie ins Hospiz. Auf ihre letzte Reise – und wohl auch ihre größte. Auf die besorgte Frage einer Freundin, wie sie denn mit ihrem Gepäck dorthin käme, antwortete sie lachend: „Gepäck? Ich nehme doch nur meine Zahnbürste mit.“ Nur eine Zahnbürste. Nur eine Zahnbürste. Ich frage mich seither: was würde ich mitnehmen auf diesen Weg? Was ist es, das mich auf den letzten Metern des Lebens begleiten könnte? Wird? Bücher vielleicht – zumindest eines. Das fiel mir spontan ein. Aber welches? Welches …

Wenn es heller wird.

Ich bin ein Lichtmensch. Wintergrau bekommt meiner Seele nicht. Nur ein kleines bisschen frisches Blattgrün. Nur einige Stunden klares „Azzurro“. Nur ein paar Stunden Wärme auf den Gebeinen. Und schon passiert’s: Menschen lächeln wieder, entkrampfen und beschwingen sich, nutzen jede Ampelphase für leichte flirty seconds. Die Lebenssäfte fließen wieder.  Und auch meine Kraft kehrt zurück – behutsam, so wie sich von dannen gemacht hatte. Erste Klargedanken und Gutgefühle zu den Nächstschritten tauchen auf, formen sich zu klitzekleinen Seelenschmetterlingen und verpuppen sich schließlich wieder. Sie haben keine Eile. Denn die Zeit ist diesmal dazu da, sie mir zu lassen.   *************** Nachtrag … und dies bot der Blick gen Himmel um 10 Uhr morgens am Odeonsplatz: