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Das kleine Mädchen und Hector Berlioz.

Vor gut 35 Jahren lag ein kleines Mädchen abends bei aufziehendem Gewitter im Bett. Das Mädchen hatte Sommersproessen und rote Haare, wohnte mit ihrer Familie direkt am Waldrand und liebte es, bei abendlichen Gewittern das Fenster zu öffnen und Radio zu hören. An Donnerstagen lauschte sie Hörspielen, die ihre Phantasie beflügelten, und freitags Konzerten mit klassischer Musik, die von Anfang an eine Selbstverständlichkeit in ihrem Leben waren. Es muss also ein Freitag gewesen sein, an dem sie wieder einmal ihr vom Großvater geschenktes braun-metallenes Mono-Radio von Grundig anschaltete und im Bett lag. Nur noch ein bisschen hören und dann einfach wegdämmern… so wie kleinen schulgeplagten Mädchen das eben mal passiert. Draußen blitzte es noch diminuendo und der Sommerregen war in ein wohlbekanntes Continuo übergegangen. Was anders war, war die Musik. War das Filmmusik? Nein – dafür war schon der 1. Satz zu lang. Die phantastische Sinfonie von Hector Berlioz, op. 14, hatte die Sprecherin angesagt. Und: „Episoden aus dem Leben eines Künstlers“. Die Musik erzählte von einem Fest, einem Ball vielleicht. Von sich neckenden Menschen in abgeschiedener Stille einerseits. Und …

Einfach da. Der Rücken im Rücken.

Aufgewacht nach viel zu vielen Träumen in viel zu wenig Schlaf. Aufgewacht und im Halbwachzustand vollwach gewesen wie lange nicht mehr. Aufgewacht und aufgestanden. Augenringe beim Blick in den Spiegel bedauert. Wärmende Kleidung gewählt. Scheiß auf chic – warm musste es sein. Genau heute. In attesa del uragano. Meinen Moment der absoluten Ruhe zugelassen. Und dadurch die innere Ruhe gespürt. Dieses Wissen um die ureigene Stärke – ein saugutes Gefühl. Mit beiden Beinen fest im Boden verankert. Aufrecht, weil gebückt nicht  zum Tagesthema passen würde. Tief durchatmend, um nicht vor Wut über diese Unfairness zu platzen. Die Ruhe vor dem Sturm konservierend, um sie bei Bedarf in kleinen Dosen abrufen zu können. Beim morgendlichen Screening des vergessbaren Gestrigen dann Überraschung pur. Du bist präsent. Hier. Da. Und sogar dort. Hast Stellung bezogen. Eine Aussage gemacht, die mich kräftigt. Da. Einfach nur da. Der Rücken in meinem Rücken. Uragano – vaffanculo!

Laufen. Gegen und für.

Laufen. Laufen. Laufen. Laufen gegen die Einengung. Laufen gegen das Gegen-den-Strich-Bürsten. Laufen gegen die Ohnmacht. Laufen gegen den Schmerz. Laufen gegen den Schrei. Laufen für das Atmen. Laufen für das Vergessen. Laufen für die Bewältigung. Laufen für’s Frei-Gefühl. Laufen, bis ich wieder stehen kann. Saudumm, dass die Ferse dem Laufen schmerzvoll Grenzen setzt. Achilles, warum ist meine Ferse links? WARUM?