Das kleine Mädchen und Hector Berlioz.
Vor gut 35 Jahren lag ein kleines Mädchen abends bei aufziehendem Gewitter im Bett. Das Mädchen hatte Sommersproessen und rote Haare, wohnte mit ihrer Familie direkt am Waldrand und liebte es, bei abendlichen Gewittern das Fenster zu öffnen und Radio zu hören. An Donnerstagen lauschte sie Hörspielen, die ihre Phantasie beflügelten, und freitags Konzerten mit klassischer Musik, die von Anfang an eine Selbstverständlichkeit in ihrem Leben waren. Es muss also ein Freitag gewesen sein, an dem sie wieder einmal ihr vom Großvater geschenktes braun-metallenes Mono-Radio von Grundig anschaltete und im Bett lag. Nur noch ein bisschen hören und dann einfach wegdämmern… so wie kleinen schulgeplagten Mädchen das eben mal passiert. Draußen blitzte es noch diminuendo und der Sommerregen war in ein wohlbekanntes Continuo übergegangen. Was anders war, war die Musik. War das Filmmusik? Nein – dafür war schon der 1. Satz zu lang. Die phantastische Sinfonie von Hector Berlioz, op. 14, hatte die Sprecherin angesagt. Und: „Episoden aus dem Leben eines Künstlers“. Die Musik erzählte von einem Fest, einem Ball vielleicht. Von sich neckenden Menschen in abgeschiedener Stille einerseits. Und …
