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Wurzeln findet, wer Fragen stellt.

Ich wuchs mit dem Wissen auf, dass der Urgroßvater Architekt gewesen war. Er hatte seinem Enkel, meinem Vater, die Liebe für das architektonische Zeichnen vermitteln können und ihn das Skizzieren und Aquarellieren von Gebäuden oder ganzen Straßenzügen gelehrt. Diese Fähigkeit, den richtigen Blick zu haben und zu Papier bringen zu können, bewunderte ich. Goldener Schnitt, Fluchtpunkte, perspektivisches Zeichnen – auch ich fand Gefallen daran. Leider nur zu Schulzeiten, aber immerhin hatte der Kunstunterricht an meinem Gymnasium ja einen großen Stellenwert. Danach verlor sich die Spur meiner urgroßväterlichen Parallele in der Endlichkeit meines Begabungsalls. Mein Vater hatte irgendwann auch voller Stolz erzählt, dass der so heiß geliebte Großvater mit dem wohlklingenden Namen Emil Edler von Mecenseffy eine Professur an der Fakultät für Architektur an der Technischen Universität München, damals noch „Königlich Technische Hochschule“, inne hatte. Nur: warum eigentlich habe ich all die langen Jahre nie einen Gedanken darauf verwendet, ob es noch Bauten von ihm geben könnte? Nie diese ganz simple Frage gestellt? Gut, natürlich hätte auch der Vater davon erzählen können und sie uns Kindern einfach zeigen können. …

So einfach. So Leben.

Reduktion auf Wesentliches. Auf Gespräche, auf’s Zuhören, Beobachten, Aufsaugen. Fragen gestellt zu bekommen, die ich mir noch nie gestellt habe – auf deren Antwort ich nun selbst neugierig geworden bin. Und dankbar dafür sein. In Schwarz, Grau und Braun unendlich viele Schattierungen und Farbtöne entdecken. Die Vielfalt der Geschmacksnuancen von Rot und Grün auf den Papillen fühlen. Die Weite des Meers fühlen und wirken lassen. Die Kraft, Ruhe und Unberechenbarkeit der Vulkane spüren. Nachts dem Atem des Zauberwesens und zugleich dem des Meeres zu lauschen. Begeisterung für die Schönheit des Einfachen. Die Wiederentdeckung von Ausatmen, Ruhe und Demut. Die Augen zu öffnen heißt auch die Seele zu öffnen. Einfach leben.

Love 2010. Wie wahr, Stockholm.

Der erste Blick in Arlanda fällt auf ein Riesenbanner mit dem Konterfei einer jungen Dame, an deren Geburtsfotos ich mich noch vage erinnern kann. Neben ihr ein bebrillter Schwiegermuttertraum. Darunter der Schriftzug „Love 2010. Stockholm“. Und eine Countdown-Uhr, die die Zahl „36“ verkündet. Stimmt! Das Sauberpaar der Nation wagt demnächst den tränenreichen Schritt vor den Altar. Und da sich Ereignisse wie diese trefflich vermarkten lassen, läßt sich Mannigfaltiges mit dem Konterfei des Brautpaares aufsaugen. Wir sind auch da, um unsere Liebe zu genießen und zu erweitern. Die Liebe zwischen dem Zauberwesen und mir.  Und die Einlösung des Weihnachtsversprechens. Nachweihnachtliche Frühlingsgefühle also mitten im Mai. In Stockholm erfreut man sich nämlich gerade der Narzissen-, Tulpen- und Kirschblüte. Kultur ist man gewohnt als Stockholmist – die Altstadt ist dort noch alt und unbeH&Mt und in der Enge der Gassen kommt ein Flair auf, das in der Tat ein wenig an Venedig erinnert. Auch wenn’s dann doch ganz anders ist. Rund um den imposanten Palast ist alles geboten, was mit Wachablösung mit Tschingdarassabumm und Stillstand zu tun hat – inklusive der Kirche, die die Fernseher …