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Einmal im Leben. Und warum nicht jetzt?

Aufgewachsen in Bayern. Katholisch getauft und durchschult. Faschings- und im Speziellen Karnevalsignorantin. Genussmensch. Und seit einigen Jahren überzeugte Heilfastende. Nur die klassische katholische Fastenzeit habe ich noch nie genutzt. Dieses Jahr ist anders. Dieses Jahr habe ich Zeit und nehme sie mir. Und dieses Jahr spüre ich, der Verzicht könnte mir gut tun. Das „Vale“ steht an. Dann eben auch vom „carne“. Kein Fleisch. Kein Alkohol. Kein Süßkram. Auch sonst  die Reduktion auf weniger. Und versuchshalber weder Tweets noch Facebook-Postings. Buchstaben, die ich anders einsetzen könnte. Wenn sie wollen. Und ich in Fluss komme. 40 Tage. Neu-Erfahrungen. Eigen-Erkenntnisse. Vielleicht haben sie ja in diesem Punkt gar nicht so Unrecht, die Herren Katholiken. Vielleicht kann sich der Horizont ja wieder ein Stückchen weiten…

Gereinigt. Gestärkt.

14 Tage sind es geworden. 14 Tage mit Tee, Wasser, mittäglichem Gemüsesaftteegelöffel, abendlichem Gemüsebrühengroßgelöffel, drei Teelöffeln Honig pro Tag und erfrischenden Auszutzelbissen in Zitronenschnitze. Dazu die Erkenntnis, wie unendlich viel Zeit ich sonst im Alltag mit Gedanken an „was esse ich – was habe ich Kühlschrank – was muss ich einkaufen – kalt oder warm – wann esse ich – wohin gehen wir essen – boah, habe zuviel gegessen – hätte jetzt ja schon Lust auf whatever – was koche ich für wen“ verbringe. Und der Genuss dieser Leichtigkeit, die sich schon nach wenigen Tagen einstellte. Dazu der Stolz, es geschafft zu haben – ohne großen Mühen. Der Schrecken, der sich einstellt, wenn ich nun lese von „Genießen Sie unser 4 Gänge-Menü!“ – unvorstellbar im Moment. Eine Zumutung für meinen Magen, die ich hoffentlich noch lange genau so wahrnehmen werde. Gestern morgen gab es also den vielgerühmten Fastenbrechen-Apfel. Und ich schlich um ihn herum, als sei er eine der wirklich unangenehmen Aufgaben, von denen man doch immer hofft, sie erledigten sich einfach von selbst. Ich …

Leichter. Freier.

Tag 8 des Heilfastens. Die Haut prickelt an Händen und Armen. Die Augen sind klarer – was weiß gedacht war, ist wieder weiß und nicht mehr taxifarben. Die geliebten Jeans der Erinnerung an Boston und New York beginnen wieder zu passen – der Kleiderschrank eröffnet mir sein Universum. Ich habe deutlich mehr Schlaf gefunden in dieser Woche, Träume waren bunter und abwechslungsreicher. Was diesmal fehlt, sind die manchen Traum durchkrabbelnden Gespenster des Fiesen. Was dafür kommt, ist Stolz, es trotz des Alltagsdrucks und der beruflichen Hochtempothematik dran geblieben zu sein. Anstatt mich wie geplant komplett zurück zu ziehen, habe ich relevante Abende erleben können. Ja, es ist anstrengender, mich zu konzentrieren: ich schreibe „Hegirn“ statt „Gehirn“ und so fühlt es sich dann auch mal kurz an. So what. Manches regt mich weniger auf, Gelassenheit und Zuversicht wachsen. Ich fühle mich gerader, aufrechter, klarer. Ich komme wieder zu mir. Entgiften. Ausatmen. Loslassen. Genießen. Ankommen.