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10 kleine Reisen für zwischendurch

Ich reise gerne. Am liebsten sogar jeden Tag. Denn auch der kleinste Ausflug in eine andere Ebene bringt mir Entspannung, neue Frische und einen erweiterten Blick auf das Tagesgeschehen. Und so begebe ich mich an leicht erreichbare Erfrischungsorte, von denen ich hier einige vorstellen möchte. 1. Gerhard Richter bietet auf seiner Homepage immer wieder neue Kurzvideos zu einigen seiner Werke an. Ich genieße diese kleinen Spaziergänge zu Betty und Co. 2. Itzhak Perlman ist nicht nur einer der brillantesten Violinisten unserer Zeit, er verfügt auch über einen hinreißenden Humor. Ab und an entlockt er seinem Küchenmixer bislang ungeahnte Melodien und erfreut mein Herz damit sehr sehr sehr. 3. Wellenschlag und Möwengeschrei − das bietet DoNothingFor2Minutes. Lautsprecher an, Augen zu, zurücklehnen und wahrnehmen, wie sich der Salzgehalt der Luft verändert. 4. Ist die Laune mal durch einen Blödian im A… und der Tag scheinbar völlig versaut, dann hilft mir kurzes Hineinlesen in ein wahrhaft großes Werk… Und schon geht’s beschwingt weiter mit dem Alltag. 5. Einfach mal nachschauen, wer wohin unterwegs ist? Oder prüfen, ob Flug XY schon gelandet ist? …

Aufregend schläfrig: Venedig

Ich kenne Venedig seit mehr als 40 Jahren − zu jeder Jahreszeit und mit unterschiedlichen Begleiter/-innen. Glich es als Kind manchmal noch einer Qual, mich statt den Strandspielen altehrwürdigen Palazzi zuwenden zu müssen, so wuchs die Liebe und Begeisterung für die Lagunenstadt mit den Jahren mehr und mehr. Sie hat zu jeder Jahreszeit etwas Besonderes − ich favorisiere jedoch nach wie vor das „luce di settembre“, das die Ocker- und Rottöne der Bauten besonders schön zur Geltung kommen lässt. Dieses Mal wollte ich einem ganz besonderen Menschen erste Einblicke in „mein Venedig“ geben und so überwanden wir tapferen Schritts Brücke um Brücke und umschifften so manche Touristenschlange, um zumindest einige der Stadtteile in zwei Tagen zu erkunden. So manches klassische Highlight gehört natürlich dazu – ein Venedig-Besuch ohne die Prachtbauten des Markusplatzes sind doch unvorstellbar. Wohler als im Getümmel der Taubenfütterer, Kitschsouvenirkäufer und Basilikaschlangensteher fühle ich mich jedoch in den Nebengassen und entlang der kleineren Kanäle. Hier kaufen Einheimische vormittags Fisch, Gemüse und Obst, eilen Schüler und Studenten in ihre Unterrichtsstunden, telefoninonieren sich Geschäftsleute durch ihre Aufträge. Es ist selten geworden …

Un piccolo grande amore: Treviso

Würde jetzt die berühmte Fee erscheinen und mich wählen lassen, in welcher italienischen Stadt ich fürderhin leben wolle, so würde meine Wahl ohne Zögern auf Treviso fallen. Die Stadt liegt etwa 30 km nördlich von Venedig und hat gut 83.000 Einwohner, von denen ich einigen von Kindesbeinen an freundschaftlich verbunden bin (was den Sympathiegrad der Stadt natürlich erhöht). Das Zentrum ist von einem noch intakten mittelalterlichen Schutzwall nebst prachtvoll bebaumten Kanal umgeben − die Trevisaner unterscheiden ihre Stadtviertel in Dentro und Fuori Mura (also innerhalb und außerhalb der Stadtmauer). Drei unterschiedlich große Kanäle durchziehen das Zentrum, zum Teil fließen sie unter den Häusern hindurch. Ganz anders als bei der großen Schwester des Veneto, der Lagunenstadt Venedig und doch ebenso charmant. Den Mittelpunkt der Stadt stellt die wunderschöne Piazza dei Signori dar, gesäumt von Cafés, Boutiquen und Banken. Leider ist die Präfektur aktuell hinter einer Restaurierungsleinwand verschwunden − das raubt dem Platz ein wenig Charme. Spätestens in der Vorweihnachtszeit dürfte das Gebäude aber wieder in neuer Pracht erstrahlen, geschmückt vom altmodisch dampfbetriebenen Kinderkarussell und dem Weihnachtsbaum auf der Piazza. Der Schönheit zu Ehren füge ich auch …