Architektur, Food, genuss, kultur, reise
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Aufregend schläfrig: Venedig

Ich kenne Venedig seit mehr als 40 Jahren − zu jeder Jahreszeit und mit unterschiedlichen Begleiter/-innen. Glich es als Kind manchmal noch einer Qual, mich statt den Strandspielen altehrwürdigen Palazzi zuwenden zu müssen, so wuchs die Liebe und Begeisterung für die Lagunenstadt mit den Jahren mehr und mehr. Sie hat zu jeder Jahreszeit etwas Besonderes − ich favorisiere jedoch nach wie vor das „luce di settembre“, das die Ocker- und Rottöne der Bauten besonders schön zur Geltung kommen lässt.

Tintor

Dieses Mal wollte ich einem ganz besonderen Menschen erste Einblicke in „mein Venedig“ geben und so überwanden wir tapferen Schritts Brücke um Brücke und umschifften so manche Touristenschlange, um zumindest einige der Stadtteile in zwei Tagen zu erkunden. So manches klassische Highlight gehört natürlich dazu – ein Venedig-Besuch ohne die Prachtbauten des Markusplatzes sind doch unvorstellbar.

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Wohler als im Getümmel der Taubenfütterer, Kitschsouvenirkäufer und Basilikaschlangensteher fühle ich mich jedoch in den Nebengassen und entlang der kleineren Kanäle. Hier kaufen Einheimische vormittags Fisch, Gemüse und Obst, eilen Schüler und Studenten in ihre Unterrichtsstunden, telefoninonieren sich Geschäftsleute durch ihre Aufträge.

Nebenkanal

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Es ist selten geworden (und bei der nach wie vor hohen Taubendichte habe ich vollstes Verständnis dafür!), aber noch flattert ab und an Wäsche zum Trocknen hoch in den engen Gassen.

VenedigWäsche

Ebenso selten: eine parkende Gondel.

VenGonGraf

Und nach langen Jahren erblicke ich an der Werft für Gondeln im Stadtteil San Trovaso mehr als einen Arbeiter! Das Handwerk hat anscheinend doch wieder Gegenwart, obwohl bereits in den 1970-er Jahren gemunkelt wurde, es gäbe vermutlich keinen Nachfolger mehr für den vermeintlich letzten Gondelbauer Venedigs. Gut, dass es anders kam.

VenGonWerf

Ich hatte die Diskussion um die Kreuzfahrtschiffe, die in Venedig einlaufen und deren Decks die Häuser weit überragen, schon geraume Zeit verfolgt.  Der Live-Eindruck, den ich mir verschaffen musste, übertraf jedoch meine schlimmsten Vorahnungen. Da schiebt sich ein dampfender Stahlkoloss mit mitten durch die filigranen Altbauten − mit einer Geschwindigkeit, die erahnen lässt, dass das Monstrum im Falle einer Kursabweichung mehrere der Häuser zerstören dürfte. Es ist ein grauenhafter Anblick, der sich tief in die Seele einbrennt. 2018 erst soll dieser Mist aufhören, bis dahin kann längst ein Unglück geschehen sein. Der Wasserdruck auf die Pfahlbauten dürfte auch nicht unerheblich sein − dafür ist die Stadt doch nicht ausgelegt!

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Zum Glück gibt es noch die ruhigen, beschaulichen Orte Venedigs. Oft auch nahe dem Getümmel. Mit gutem Essen − nicht der grauenhaften Massenabfertigungsfastfoodware der Touri-Gassen. Nahe der Rialtobrücke gibt es in der Calle della Regina, 2262, herrliche Fischgerichte beim Vecio Fritolin. Besonders empfohlen sei das „Cartoccio di Pesce Fritto“ − frittierter Fisch und Meeresfrüchte in einer Papiertüte. Ein anderes Lieblingslokal von mir ist die Osteria Da Rioba, nahe dem Ghetto Nuovo an der Fondamenta della Misericordia 2553 gelegen. Hier wird Slow Food gelebt, alles wird frisch aus bester Rohware zubereitet. Und dafür dauert es eben ein bisschen länger, was jedoch kein Problem ist, wenn man so wie wir gemütlich am Kanal sitzt.

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DaRioba

RiobaPane

RiobaAntipasti

RiobaThun

Alternativ könnte man auch mal mit gutem Wein, Schinken und Käse diese sicherlich sehr stimmungsvolle Picknick-Variante erproben oder in einem Privatboot auf eines der umliegenden Inselchen schippern…

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VenCanBoote

Ich werde mich jedoch stets bemühen, nie den Eindruck dieser Touristin zu vermitteln, den diese/r unbekannte Graffititista hier so treffend festhielt…

VenTurVenezia, Du bist und bleibst aufregend, morbide und elegant, abstossend und anziehend, anstrengend und gefällig, gebrechlich und doch jung, kämpferisch und liebevoll. Ti amo. Auf bald!

VenGraf

 

 

3 Kommentare

  1. Danke sehr!
    Ich habe gerade die s/w-Fotos von Venedig auf Deinem Blog gesehen – sie unterstreichen die Morbidität der Stadt sehr sehr gut. Chapeau!

  2. Margit Tepliczky, Wien sagt

    So schöne Fotos! So ein guter, persönlicher Bericht! Jetzt habe ich ihn zum 2. Mal studiert – und bei dem tristen Herbstwetter besonders genossen.
    Danke herzlichst. Das hat gut getan.
    Liebe Grüße
    Margit

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