Autor: casowi

Leidenschaftlich, genussvoll und lebensfroh: Die Pfalz

[Werbung | Kooperation] Es gab vor ein paar Jahrzehnten mal einen Bundeskanzler, der seinen Gästen und Gastgebern aus und in aller Welt stets Pfälzer Saumagen dedizierte. Als gäbe es keine andere deutsche Spezialität, dachte ich mir damals, und: „Wer will denn schon den Magen einer Sau essen?“ Heute weiß ich: Man nimmt die befremdlich anmutende Innerei gar nicht zu sich – der Magen dient allein dazu, die Zutaten des Gerichts (Schweinefleisch, Brät, Kartoffeln und Gewürze) beim Garvorgang in seinem Inneren zu formen und fixieren. Anschließend wird die Masse in Scheiben geschnitten, meist leicht angebraten und schließlich mit Sauerkraut und Brot serviert. Nachdem ich diese Spezialität mittlerweile einige Mal genossen habe – an unterschiedlichen Orten und in verschiedener Zubereitungsart (im Original ebenso wie als Carpaccio) – kann ich meine kulinarischen Vorurteile von damals revidieren. Und sage (nicht nur deshalb) überzeugt: Warum entdecke ich die Pfalz denn eigentlich erst jetzt? So vieles, was man der Region nachsagt, ist wunderbar richtig: Die Landschaft erinnert an die Toskana, das Klima lässt wunderbare Weine gedeihen, ja sogar Feigenbäume tragen Früchte. …

Nancy: Charmant, elegant, wehrhaft und erfindungsreich

[Unbezahlte Werbung / Pressereise] Um es gleich vorweg zu nehmen: Nancy verfügt über einen unglaublichen Charme. Die Stadt ist liebenswürdig und zugleich respektvoll, wirkt trotz aller architektonischen Pracht auch immer wieder bodenständig, ihre Einwohner sind hilfsbereit und wirken sehr entspannt und unprätentiös. Und sie verstehen es, das Leben und ihre Stadt zu feiern. Die Stadt wurde im 11. Jahrhundert gegründet und zählt heute etwas mehr als 105.000 Einwohner. Mit dem Zug dauert die Fahrt von Strasbourg anderthalb Stunden – Zeit, um die vorbeiziehende hübsche Landschaft sowie kleine Dörfer genießen zu können und sogar Störche auf den Feldern zu erblicken. Nancy war sieben Jahrhunderte Hauptstadt des unabhängigen Herzogtums Lothringen, das es ja so nicht mehr gibt – nicht nur, weil Lothringen ja seit geraumer Zeit zu Frankreich gehört, sondern auch, weil 2016 die Regionen Lothringen, Elsass und Champagne-Ardenne zu Le Grand Est verschmolzen wurden. Im 9. Jahrhundert gehörte Nancy zum Reich Karl des Großen, seine Erben erhielten je einen Teil davon zugesprochen: Karl der Kahle erhielt das Gebiet des heutigen Frankreichs, Ludwig der Deutsche Österreich und …

Oberammergauer Vielfalt: Vom Schnürlkasperl zum Passionsspiel

Das Messer ist sein wichtigstes Werkzeug, sagt Markus Wagner, der letzte Oberammergauer Schnürlkasperl-Schnitzer. Früher sei es das Werkzeug der armen Leute gewesen, ergänzt er: „Das geschmiedete Schnitzeisen habe ich kaum noch in der Hand. Ich arbeite ja auch nahezu eindimensional bei meinen Kasperln.“ Sein Handwerk hat er in der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer in Oberammergau erlernt, die Ausbildung dauert auch heute noch drei Jahre. Pro Jahrgang sind es heute jedoch nur mehr etwa 15 Schüler. Die Schnitzerei ist leider zunehmend müßig: Gab es in Wagners Jugend etwa 200 Schnitzer im Ort, so sind es heute nur mehr 30, darunter kaum noch klassische Herrgottsschnitzer, „da sich kaum mehr jemand eine Jesusfigur ins Haus holt“. Da war es vorausschauend, dass Markus Wagner sich früh auf die Schnürlkasperl (auch Fadengaukler oder Hampelmänner genannt) spezialisierte. Die Freude an der Holzbildhauerei war ihm in die Wiege gelegt worden: Wagners Vater war Krippenschnitzer. Er musste sich zunächst jedoch im Winter auch als Skilehrer und im Sommer als Bademeister verdingen, um seine Kinder ernähren zu können. Eine verhältnismäßig goldene Zeit erlebte die …