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Elf Florenz-Tipps für angenehmes Stadterleben

Blick auf Florenz vom Rosengarten aus 
(© casowi)

Ich bin kein Fan dieser ubiquitären 10 Punkte-Listen, die einem vorschreiben wollen, wie man sich als Bewerber, Social Media-Verantwortlicher, Reisender oder Abnehmwilliger zu verhalten habe, um möglichst toll, perfekt und richtig wichtig zu sein. Und doch erscheint es mir für all diejenigen, die in den anstehenden Pfingstferien einige Tage in Florenz verbringen wollen, ganz hilfreich, ihnen ein paar Tipps an die Hand zu geben, die dienlich sein könnten.

Florenz ist umwerfend und einzigartig (ebenso wie Rom oder Venedig und viele weitere Städte in Italien oder dem Rest der Welt) – die Stadt ist aber ebenso überfüllt von Touristen. Ich werde in den kommenden Tagen (oder arbeitsvolumenbedingt vielleicht auch Wochen) noch meine neu oder wieder entdeckten Lieblingsorte und auch empfehlenswerte Restaurants  vorstellen und möchte hier nur erste kurze Ratschläge geben, um den Aufenthalt angenehm zu gestalten.

1. Attenzione al traffico!
Florenz Straßen sind im Centro meist Gassen und somit sind eng, die Bürgersteige zum Teil kaum vorhanden. Die Motorini (Roller), Fahrradfahrer und zahlreiche Elektro-Taxis brettern aber dennoch mit hoher Geschwindigkeit und erhabener Rücksichtslosigkeit um die Ecken und durch die Gassen. Es könnte sich lohnen, das im Hinterkopf zu behalten, um den Hinterkopf zu behalten.

Das "Bici" ist neben dem Roller das beliebteste Verkehrsmittel im Centro von Florenz (© casowi)

Das „Bici“ ist neben dem Roller das beliebteste Verkehrsmittel im Centro von Florenz (© casowi)

2. Holterdipolter!
Die Straßen, Gassen und Plätze sind alt. Und somit gepflastert und nicht geteert. Die Pflastersteine sind groß, sehr unterschiedlich in Design und Größe, zum Teil ausgewaschen und auch sehr unterschiedlich in ihrer Bodenhaftung. Das bedeutet: viele sind locker oder doch zumindest beträchtlich in den Höhenverschiebungen. Mit Flip-Flops oder anderem leichten Schuhwerk (oder High-Heels) erhöht man die Chance, als Pflaster- oder Verbandszeugsträger nach Hause zurück zu kehren, beträchtlich. Sneakers oder Chucks machen also wirklich Sinn.

Faszinierend schön, aber auch stolpergefährlich: Das Pflaster in Florenz (© casowi)

3. Florenz ist voller Schlangen!
Die Gemäldegalerien der Uffizien sind ebenso beliebt wie schön. Und sie sind wirklich sehr sehr schön! Deshalb bilden sich an den Eingängen und der Kasse lange Warteschlangen mit Wartenden aus allen Nationen. Das Gedrängel und Geschubse könnt Ihr eindämmen, indem Ihr Eure Tickets vor der Anreise (in den Sommermonaten einige Wochen vor der Anreise) online reserviert. Ihr erhaltet dann Eure Buchungsnummer und das Zeitfenster für die Abholung per Mail. Diese ausgedruckt mitzunehmen empfiehlt sich, da mehr oder minder hilfsbereite Museumsangestellte die Schlange abwandern und sich einen  schnellen Überblick verschaffen wollen, ob sie Euch weiter nach vorne bitten. Trotz der Reservierung könnt Ihr euch dennoch im Schlangestehen üben: insofern lohnt es sich, etwa 20 Minuten vor dem eigentlichen Abhol- (nicht Einlass-)Termin da zu sein!

Uffizien Sala Michelangelo (© casowi)

Uffizien Sala Michelangelo (© casowi)

4. David ist nicht gleich David
Die Welt liebt ihn und er dürfte zu den bekanntesten Statuen der Welt gehören: Michelangelos David. Vor dem Palazzo Vecchio steht  jedoch seit 1873 nur eine Kopie – das Original befindet sich in der Galleria dell’Academia und lohnt dort wirklich viel Zeit und jeden Cent Eintritt.
Auch hier gilt: Das Eintrittsticket könnt und solltet Ihr online (mit einer Reservierungsgebühr von 4 EUR pro Person) vorbestellen. Ihr könnt es auch gleich bei der Abholung Eures Uffizien-Tickets mitnehmen.

David: Michelangelos Orginal steht in der Accademia (© casowi)

David: Michelangelos Orginal steht in der Accademia (© casowi)

David: Die Kopie am Palazzo Vecchio (© casowi)

David: Die Kopie am Palazzo Vecchio (© casowi)

5. Beware of Selfie-Sticks!
Gerade an den Tourismusmagneten Dom, Piazza della Signoria oder auch in den Uffizien läuft man Gefahr, im Gedränge einfach mal einen ausfahrenden Selfie-Stick in die Seite oder schlimmstenfalls in die Brille oder sogar ins Auge gerammt zu bekommen. Besonders beliebt sind die Dinger bei Gruppenreisenden, was zur Folge hat: Fährt einer den Stick aus, folgen in Windeseile alle anderen und bestängeln die Welt. Solltet Ihr spontan begeistert sein, so könnt Ihr vor Ort natürlich jede Menge Varianten dieser neuen Smartphonefotofreudenhilfen erstehen. Neonfarben sind aktuell überaus im Trend …

6. Kuppler müssen früh aufstehen 
Der Dom ist ohnehin ein Magnet der Stadt und trotz der 463 offensichtlich recht engen Stufen zieht es unzählig viele Menschen auch hinauf in und auf Brunelleschis einzigartige Kuppel. Der Eintritt ist im Kombiticket für 15 EUR für Dom, Baptisterium, Campanile (Glockenturm) und Dommuseum (sehr lohnenswert, da sich u.a. die original Türen des Baptisteriums sich darin befinden) bereits enthalten (das Ticket gilt 48 Stunden lang nach der ersten Teilnutzung). Tagsüber bilden sich jedoch stundenlange Warteschlangen vor dem Eingang, der um 8:30 Uhr die ersten Besucher einlässt. Am besten ist’s, Ihr seid schon um 8 Uhr da, dann könnt Ihr recht ungehindert nach einer minimalen Wartezeit und einer fitnessabhängigen Aufstiegszeit den Blick in die Fresken und auf die Stadt werfen. Für Höhenängstliche wie mich ist das jedoch nicht die beste Besichtigungsidee.

Die Dom-Kuppel von Brunelleschi lässt sich für tolle Innen- und Ausblicke erklimmen. (© casowi)

Die Dom-Kuppel von Brunelleschi lässt sich für tolle Innen- und Ausblicke erklimmen. (© casowi)

7.  Rosige Aussichten!
Auch für die Höhenängstlichen und somit Kuppelverweigerer lässt sich ein schöner Ausblick über bella Firenze erhaschen. Dazu müsst Ihr erst auf die andere Seite des Flusses Arno und dann zur Piazzale Michelangelo sowie zur Kirche San Mininato al Monte spazieren. Über Treppen geht’s hinauf und nicht nur den Untrainierteren unter Euch sei eine kleine Pause am Giardino delle Rose sehr ans Herz gelegt. Er wurde bereits 1865 angelegt und seit 2011 gibt’s dort auch ein paar Skulpturen von Jean-Michel Folon – am bekanntesten sicherlich der Koffer.

Der Koffer von Jean-Marie Folon im Giardino delle Rose (© casowi)

Der Koffer von Jean-Marie Folon im Giardino delle Rose (© casowi)

8. Die Briefmarke von heute hat einen QR-Code
Irgendwie ist’s doch trotz (oder gerade wegen) aller Social Media-Kanalnutzung sehr persönlich und schön, eine Postkarte von einem Urlaubsort zu erhalten. Und so schrieben auch wir unseren Lieben. Und waren erstaunt, als wir die Briefmarken kauften. Manchmal wurde uns als Porto nach Germania 1 EUR genannt, andere verlangten 1,30 EUR. Ganz schön teuer. Dafür kann man dann via QR-Code den Lauf der Postkarte verfolgen. Angeblich. Ich konnte es bislang nicht, denn ich bekomme zu jeder Marke die hübsche kleine Fehlermeldung „Sendung unbekannt“. Nun gut: es war schon immer eine interessante Frage, ob und wann Kartengrüße aus Italien daheim eintreffen würden. Auf alle Fälle handelt es sich bei den QR-Code-Anbietern um ein privates Unternehmen und deshalb muss man die so frankierte Post auch bei entsprechenden Händlern abgeben, die sie wiederum in kleine Metallboxen … ach vergesst es. Kauft klassische Briefmarken (für 1 EUR) und ab damit in die roten Postboxen. Und da ins rechte Einwurffach für „Estero“ (Ausland). Und dann einfach abwarten, ob sich jemals jemand dafür bedankt … wie früher eben.

9. Würdigt die Straßenschilder! 
Als Fußgänger üblicherweise kein Must – in Florenz aber durchaus immer wieder lohnenswert ist der Blick auf Straßenschilder. Der Grund: Seit einigen Jahren widmet sich der französische Künstler Clet Abraham den Schildern und verhilft ihnen zu neuer Bedeutung. Einfach hinreißend! Er hat auch einen kleinen Laden in Oltrarno auf dem Weg zu San Mininato al Monte, in dem er Aufkleber, Shirts, Magnete und Originale verkauft.

Der Franzose Clet Abraham verschönt Straßenschilder (© casowi)

Wenn Engel sich um Einbahnstraßen kümmern, steckt Clet Abraham dahinter (© casowi)

10. Wo Florenz noch (ansatzweise) den Florentinern gehört
Oltrarno heißt das dem Zentrum gegenüberliegende Stadtviertel, das ein bisschen mehr Ruhe verspricht als das Centro es je halten könnte. Hier gibt’s auch jede Menge wunderbare Kunst (allen voran die Brancacci-Kappelle in der Kirche Santa Maria del Carmine – dazu bald noch mehr), dazu aber auch Geschäfte, die sich vom üblichen Touristen-Markengefummel abheben, und vor allem Lokale, die auch Einheimische sich noch leisten können und wollen. Besonders hübsch fanden wir die Piazza Santo Spirito, an der wir einmal abends in der gleichnamigen Osteria aßen und einmal mittags im benachbarten Snackcafé Pitta M’Ingolli herrliche Sandwiches genossen. Mit Blick auf das Treiben der Piazza, auf wunderschöne und unterschiedlichste Bäume, auf doofe und nette musikalische Beschaller, mit Cappuccino, Vino und Sprizz und dem Ohr an den Nachbartischen und all ihren Geschichten, Sprachen und Dialekten … Kurzum: Seelenbalsam.

Häuser an der Piazza Santo Spirito (© casowi)

Häuser an der Piazza Santo Spirito (© casowi)

Blick auf Santo Spirito (© casowi)

Blick auf Santo Spirito (© casowi)

11. Empfehlenswerte Städteguides
Es gibt einige Apps und natürlich jede Menge papierene Cityguides. Wir haben im Vorfeld viele durchgeblättert und (an)gelesen: vom klassichen Dumont-Kunstführer über den englischen Lonely Planet bis hin zum frisch erschienenen MarcoPolo-Reiseführer. Vor Ort waren immer zwei dabei, die gutes Wissen vermittelt haben und sich auch prima ergänzt haben: der Baedecker und (zu meiner größten Verwunderung) der ADAC-Plus-Guide, der auf Kunstdenkmäler sehr gut und genau eingeht und dabei doch handlich und in punkto Gewicht vertretbar ist. Außerdem enthält er ein paar wirklich gute und auch von Einheimischen empfohlene Restaurant-Tipps. Lohnt sich also. Ein bisschen schade ist’s, dass erst im kommenden Monat der Florenz-Band aus dem Michael-Müller-Verlag erscheinen wird, denn ich mag diese Reihe recht gerne und wäre gespannt gewesen auf deren Tipps und Infos.
Was sich auch immer wieder lohnt: der Blick in die Osterie d’Italia, erschienen bei Hallwag. Ich habe Anfang der 2000er Jahre für den Verlag gearbeitet und nutze den Guide auch zehn Jahre danach noch voller Begeisterung und Überzeugung. Zu meinen persönlichen Restaurant-Tipps für Florenz gibt’s hier bald mehr!

7 Comments

  1. Lilo Vollert says

    Liebe Casowie! Du schreibst so anschaulich und humorvoll, es ist wahrer Balsam für die Seele….. Bei Deiner Warnung vor Selfie-sticks habe ich Tränen gelacht!!!
    Danke für Deine Florenz-Tips!!!
    Herzlichen Gruss,
    Lilo Vollert

    • Liebe Lilo,
      vielen Dank für Dein tolles Kompliment!
      Ich finde einfach, dass es sich mit einem Lächeln auf die Dinge leichter lebt – Dir scheint es ja genauso zu gehen 😉 Wie schön!
      Lieben Gruß, Catharina

  2. Dankeschön! Da schwelg ich sofort wieder in Erinnerungen 🙂 Bei der Zepter-Passage dachte ich schon, da erfolge im Gedränge der muntere Smartphone Tausch. Schon hier erlebt wie’s Handy raus rutscht und uns auf den Kopf fällt… Liebe Grüße!

    • Oja – ein Smartphonetausch im freien Flug hat offensichtlich auch was. Wird das die neue „Beulenpest“?
      Ich fand’s schon lustig genug, wenn die Dinger wie U-Boot-Teleskope plötzlich in Deinem Fotoversuch auftauchen 😉
      Liebe Grüße ins schöne Santanyí!

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