(un)sinniges, genuss, Innenreise
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Und dann bist Du plötzlich erwachsen.

Gerade eben erst kam doch der Anruf.
Endlich da. Gesund. Ein Mädchen. Und wie ich denn „Clara“ finden würde?
Hinreißend, natürlich. Der Name stand doch auch auf meiner Namenswunschliste für all die Kinder, die ich nie bekommen habe.

Dann – wenig später  – ein erneuter Anruf: nach wie vor gesund, auch immer noch weiblichen Genoms. Allerdings: der Name. Den gäbe es ja im Münchner Telefonbuch ganze neun Mal – das wäre doch nix. Meinte la Nonna. Und was ich denn von „Chiara“ halten würde? Schon schlug der gefühlten Halbitalienerin in mir das Herz noch ein bissl höher. Chiaro – Chiara!

Dann unsere ersten gemeinsamen Stunden auf dem Balkon: Dein Köpfchen an meiner Brust, Dein leise schnurpselnder Atem an mir, Dein Minikörper in meinen Händen und Armen. Pure Seligkeit.

Und dann folgen viele Erinnerungen: die Taufe mit einer Rede voller Eiweiß und Eiklar im unfarbigen Adler. Dein Jahrhunderte überstrahlendes morgendliches „DaDa!“ aus dem Reisebett in der Duna. Die ersten Schritte dort. Die Frage bei der Ankündigung, ich müsse noch in die Bank, ob ich dort Geld kaufen würde? Deine erste Übernachtung bei mir – ich war sicherlich die Nervösere von uns beiden.

Urlaubstage in Verona und am Lago di Garda. Der Tag der Mückenstichologie – vulgo auch „die erste Hochzeit meines Bruders“ genannt. Die Verwunderung als Krabbelkind, als überraschenderweise die Rothaarmähne einer Kurzhaarfrisur gewichen war. Klaviervorspiele, Ballettgehopse, Theateraufführungen. Geburtstage. Vorweihnachtsabende mit ungeheuren Ablenkungsmanövern. Eine mit Kartoffelherzchen bedruckte erste Einkaufstasche, später dann eine eigenbedruckte Küchenschürze. Eure und Deine Adventskränze, Nikolausstiefel. Il ritorno nella Villa Giulia con la Mamma. Das chice Innentäschchen der Sommertasche zum Rundeckiggeburtstag. Noch mehr Adventsgaben wie die Selbstbeklebtkerze, die mich nach Hamburg begleitete und doch erst gute 8 Jahre später ihrer Bestimmung zugeführt wurde. Die wechselseitigen Krankenhausbesuche – nie vergesse ich die Rührung der Gallen-Ente. Der Geburtstagsunglaublichkuchen mit der Fondant-Schleife, die heute noch meinen Kühlschrank bewohnt.

So gesehen warst Du eigentlich immer die bessere Patentante.

Leider nicht Deine Konfi, dafür die Deiner Geschwister. Eure Patenessen – völlig  overwhelming. English lessons. Mit Spaß und dennoch mit Effekt.

Und dann sicher eines unserer beeindruckendsten gemeinsamen Erlebnisse: Unsere Wochen in Milwaukee und wir beide als Volunteers in „The Obama Campaign for Change“. Mit Grillenmegagezirpe, mit Ankunftsaufregungen, mit Blutergüssen im Innenohr, mit Listengetippe, Anrufüberwindungen, Überzeugungsarbeit an der Haustür, mit Klimaanlagenkämpfen, Bio-Food und Womens Lib, mit nem iPod und unendlich viel Peace. Mit einem Ewigerinnerungslangwochenende in Chicago. Mit Teenietalk und Outletgeshoppe. Und vor allem: mit Dir und mit mir.

Und nun sind also wirklich 18 Jahre ins Land gezogen.

Du hast seit einem Jahr den Führerschein, ich hol Dich nach Geschäftsschluss in Deinem Erst-Nebenjob ab (in meinem habe ich vor 32 Jahren Deine Mutter kennengelernt – und das ist auch erst ein paar Monate her!) und wir reden beim Essen über unsere Leben, unsere Lieben, die Welt und mögliche Berufspläne. Und über vieles vieles andere.

Dass Du weder des Bairischen noch des Schwäbischen mächtig bist – nun ja, da sieht die Welt sicher drüber weg. Eines jedoch fehlt noch in meiner Patenbegleitung. Und das sollte in unserer Geschichte aber irgendwie nicht der blinde Fleck sein.

Und deshalb: … aber das ist dann eine Geschichte für später.
Und für unter uns.

Carissima Chiara – allesallesalles Gute!
Und ein riesig großes Dankeschön an Deine Eltern, die mir damals die Patenschaft zugetraut und Dich mir anvertraut haben!

2 Kommentare

  1. Ein herzerwärmender Artikel – merci! (Auch weil ich eine ähnliche „Beziehung“ habe, es aber nie so wunderbar ausdrücken könnte.)

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