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Wenn es knirscht.

Nun ist’s also endlich Winter. So, wie ich ihn mir vorstelle und wie ich ihn mag: Wenn das Nasentröpferl gefrierfließt und die Fingerspitzen adhoc erröten, sobald man sie der Geborgenheit des Handschuhs entreißt. Wenn das Grau und der Passantenspritzmatsch einem satten Azzurro und dem Unterschuhgeknirsche weichen. Wenn Schnee weiß bleibt und unter den Schuhen knirscht. Und wenn die Zentimeterologen dem rutschwilligen Volke Freibrief für den Gang auf’s Eis erteilen. Denn Eisstockschießen und Eislauf in historischer Kulisse sind so herrlich altmodisch und heutzeitig zugleich.   Ich liebe Schloss Nymphenburg – im Sommer lässt es sich prächtig besonnt und auch ausreichend beschattet durch den Schlossgarten zu Amalienburg, Badenburg und weiteren Schönheiten lustwandeln. Und im Winter bringt die Weißheit und Klarheit der Natur die Schönheit der Anlagen noch deutlicher zur Geltung. Schloss Nymphenburg ist ein großes kleines Stück Heimat für mich. Denn es bringt jede Menge Weite in die Enge dieser Stadt.

Staade Zeit. Plötzlich da.

Ein Rutsch, ein Sturz, anhaltender Schmerz, ein Arztbesuch und eine Diagnose. Bänderriss. Ob nun einfach oder zweifach spielt letztlich auch keine Rolle mehr. Denn nun ist sie plötzlich zwangsweise da: die immer so genannte und bisher nie so erfahrene staade Zeit. Sofort fallen mir 1000 Gründe ein, warum sie überflüssig ist. Richtig überflüssig! Noch nicht ein Geschenk ist verpackt, nicht eine Karte geschrieben, alle Utensilien sind wunderbar über zwei Wohnsitze verteilt, im Job passt Krankheit ohnehin nie wirklich ins Konzept, die Tollwood- und Christkindlmarktbesuche wollten diese Woche endlich zelebriert werden, Freunde wollte ich besuchen und bescheren, der most herzenswärmende Vorweihnachtsbesuch aller Vorweihnachtsbesuche erhöhte meine Vorfreude auf innere Wärme und Wohlgefühl par excellance, der heimische Kühlschrank ist leer, da wurden noch drei Päckchen für die Heimadresse angekündigt, die feiertäglich nun das Postamt belagern werden,  ich wollte doch noch, ich sollte doch noch, ich muss doch noch… Ich kann aber nicht. Weil ich nicht darf. Und nicht kann. Haxen in die Höhe, Schiene tags wie nachts tragen, nur die wichtigsten Schritte laufen, nicht autofahren, nicht arbeiten. Ruhe …

Erst beleidigt. Dann begeistert.

Wäre es nicht vor ein paar Monaten in Boston genau so gewesen, dann wäre ich ernsthaft besorgt gewesen. So war das Wissen da, dass der Start dort auch erstmal misslang und das Wohlgefühl wohl etwas unter Jetlag leidet. Warum auch nicht? Immerhin – da ist man endlich da und dann ist auch alles mit inkludiert, was man eigentlich nicht wollte:  Schnee, Eiswind, Thunderstorms. Und die freundlich-sensationsgierenden Weatherchannel-Moderatoren berichten von einer upcoming Wetterkatastrophe nach der anderen. 50 cm Neuschnee im Central Park. Okay, dann schalte ich eben um. Von Frühlingsgefühl auf  Vorweihnachtserlebnis. Mit dem Wahnsinnsbonus, keinerlei Verpflichtung verspüren zu müssen, dass man sich nun langsam mal um die Weihnachtsgeschenke kümmern sollte. Und irgendwie hat es was:  dieses Schneegefühl mit kleinen und großen Schneemännern, mit Schneeballschlachten, die Kutschen mit den ewig zu ihren Gästen verdrehten Kutschern oben auf (die Orthopäden dürften gut an den Folgen dieses Gewerbes verdienen). „Central Park is owned by the City of New York“ – diesen Satz hören ich eben so oft wie das Hufgetrappel. Ein Saxophonspieler jazzt sich die Lunge aus dem …