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Die kleine Wohltat zwischendurch.

Der bayerische 2014er August war ein gefühlter Apriloktober. Eine meiner Lieblings-Sommerbeschäftigungen, das „Barfuß-auf-einer-Wiese-den-dort-heimischen-Insekten-ausweichen“ war nur an wenigen Tagen machbar. Umso mehr giert meine Seele nach jedem Sonnenstrahl. Ich plädiere für einen sofortigen und bis Mitte November anhaltenden Traum-Altweibersommer! Nur: Er hat davon offensichtlich noch keine Kenntnis genommen. Also trüben wir uns weiter durch die Freuden der kleinen Zweisteller auf dem Außenthermometer. Heute mal am Starnberger See. Der in einem fröhlichem Nirwanagrau endete und nicht wie sonst um diese Jahreszeit mit einem Prachtsblick auf die Alpenkette, der den Betrachter umgehend wissen lässt, warum der liebe Gott einst das Jodeln und den Juchzer erfinden ließ. Und doch ist es grün. Und doch bringt die äußere auch die innere Ruhe. Und doch entfaltet sich nach prallgefüllten Arbeitswochen dieses kleine Urlaubsgefühl in mir. Das Trübe schaffte neue Klarheit und polierte nach und nach seine Farben zu frischem Glanz auf. Wie wohltuend ein einzelner Nachmittag doch sein kann.  

Die Lagune. Einfach mal ausatmen.

Früher fiel es mir nicht so auf. Vielleicht war das Bild einer Lagune, insbesondere derer rund um Venedig, einfach zu geläufig für mich. Nichts besonderes. Ja, wirklich nichts besonderes − langweilig, eintönig sogar. Diesmal war es anders. Stille. Schönheit. Geborgenheit. Ruhe. Dankbarkeit. Und sogar Demut spüre ich. Unser Tourguide von Atlantide ist Biologe und führt uns durch die Pialassa Baiona, eine gut 11 ha große Brackwasserlagune nahe des oberitalienischen Städtchens Ravenna. Brackwasser − das klingt immer so nach schmutzig, dreckig, irgendwie bäh. Falsch: Brackwasser nennt man schlicht und ergreifend die Zonen, in denen Salz- und Süßwasser sich vermengen. Für viele Fische und Vogelarten ein Paradies, für manche Pflanzen ein harter Kampf ums Überleben, da die Salzkonzentration sich gemäß der Gezeiten entsprechend verschiebt. Unser Boot gleitet zunächst an kleinen Fischhütten vorbei, die meist auf Stelzen gebaut sind. Vor ihnen werden große, quadratische Fangnetze ins Wasser gelassen, in deren Mitte ein Loch ist, durch das der Fang in einen Behälter aufgenommen werden kann. Die Lizenzen für die Hütten und Netze sind teuer, daher teilen sich meist mehrere Familien deren Benutzung an den unterschiedlichen Wochentagen. …

Mein Park – mein Castle. Eine Liebeserklärung.

Ich empfinde es immer wieder so: Der Park von Schloss Nymphenburg ist ein großes kleines Stück Heimat für mich. Egal zu welcher Jahreszeit: Hier lustwandelt es sich immer vortrefflich. Wasser, Wiesen, Wunderbauten − Weite, Wonnen, Wohlgefühl. Da wird’s fast zur Versuchung, mich einmal durchs Alphabet zu alliterieren. Gestern also entlang friedlich grasender oder schwimmender Schwäne und Gänsen nebst ihrer Bruterfolge, die – noch niedlich befellt hinter den Ohren – brav ihre Eltern kopieren und sich in ersten Grundelversuchen üben. Die Algen von der Kaskadenkante sind letztlich dann doch leichter zu erreichen und abzugrasen, aber immerhin: ein bissl Köpfchen-unters-Wasser-Schwänzchen-in-die-Höh geht allerweil. Kennt man ja aus München schon… Meine Lieblingsroute durch den Park startet am Schloss Nymphenburg, dessen Vorläuferchen dereinst Kurfürstin Henriette Adelaide als Sommerresidenz auf dem Grundstückerl erbauen ließ. Ihr Gatte Kurfürst Ferdinand Maria hatte es ihr die gut 200 Hektar Land anlässlich der Geburt des Thronfolgers Max Emanuel dediziert. Heute dürfte eine „Geburtsprämie“ dieser Größenordnung wohl nur mehr in Oligarchen-Kreisen üblich sein. Das Schloss selbst beherbergt die Sammlung der wunderbaren „Schönen Münchnerinnen“ von Ludwig I. und war Geburtsort des Inbegriffs bayerischen Monarchiewahns, …