(un)sinniges, Innenreise
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Sommer – komm oder spür meinen Fäustling!

Im Büro von annodazumal, mitten zwischen den Dönerbuden, Elektroläden und Billigetablissements der Münchner Hauptbahnhof-Area, amongst Italian Birriristi während der Wiesnzeit, da hatten wir eine. Eine Klimaanlage.
Was – nun ja – so amerikanisch war wie die Inhaber der intanäschnell PiArr-Äidschensie, in der wir arbeiteten.
Der Vorteil war zugleich Nachteil: man brauchte nur eine Ganzjahreskollektion – immer die gleichen Klamotten. Kein Sommer, kein Winter  – nur Klimaanlage.
Das ist 15 Jahre her. Und nun denke ich wieder an das lausige Ding.

Nicht etwa, weil ich wieder in einem Büro arbeiten würde, das ebenfalls airconditioned wäre – nein! Weit gefehlt: es handelt sich eher um Grillparzellen, in denen unsere Ausdünstungen sich atomisieren dürften. Konjunktiv zweiten Futurs, bitte!
Denn was soll schon verdampfen – so nahe dem Gefrierpunkt.

Call it Schafskälte, call it Kennenwadochvonfrüha – es ist nicht meins!

Frostbeulus estivus – nicht mein Ding.
Schlimm genug, dass man sich Ende Juni vermummen muss.
Befäustlingt am Notebook sitzen ist aber definitiv tres tres tres unchic.

Ich will mich über viel zu viel nacktes Fleisch aufregen!
Über Presswurstshirts.
Dem Schlurfschlappklapp der Flip-Flops lauschen.
Mich über den Schweißgeruch meiner Umgebung mokieren können.
Mich über Grausandalenträger in Arztsocken aufregen dürfen.
Nackte Männersixtypacks unter Feinripphemden erekeln.
Mich aalen in der Abscheu vor ungepflegten Zehennägeln und hornhautverkrusteten Fersenrissformationen.
Ich will Blumenoberteile und Karoshorts innerlich ausgiebig belästern.
Jedes Speckröllchen meiner Mitmenschen goutieren.
Vor Neid über den Bräunungsgrad meiner Schwägerin erblassen.
Zu knapp bemessene Bademode vor den Weltsicherheitsrat zerren.
Luftduftverschmutzungsverstoßregelungen aufstellen und Höchststrafen erlassen.
Ich möchte an den Kalorienmengen meiner Eiskugeln ersticken.
Spontanmeuchelpläne für Cabriofahrer an der Ampel neben mir entwickeln:
Meinem Deoroller ewigwährende Treue schwören.
Den nachbarschaftlichen Koitus in seiner steten Wiederholbarkeit verdammen.
Des Chefs Hitzefrei-Attitüde bevoodoon.
Mich schlaflos durch das glühende Laken wälzen.

Und ja: ich würde so gerne die alte Klimaanlage wieder ersehnen dürfen.
Nur einmal in diesem Sommer.
Der mehr an einen Lau-Winter erinnert.

Bitte!
Erbarmen.
Ich stöhne dann auch erst zwei Minuten später als sonst.
Über die Hitze.
Diese miese fiese Sommerhitze in der Stadt.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: (un)sinniges, Innenreise
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fasziniert von Menschen und deren Geschichten, Reisen, Wein, Food, Musik, Sprachen und einigem mehr.

3 Kommentare

  1. Margit sagt

    Es hat geholfen. Du hast es wirklich erreicht.
    Er ist da, der Sommer. Jedenfalls nach Wien ist er gekommen. Und im Moment ist er auch schön und tut gut. Endlich. Aber sogleich gibts wieder
    Bedauerliches: schon werden die Tage wieder kürzer! Also das momentane Angebot ausnützen!
    Frage: Tust Du´s????

    M.

    • … und wie!!!
      Hab heut ganztägig dem Brathendl-Effekt im Garten geübt und muss sagen: es wird!
      Brutzelig liebe Grüße ins zauberschöne Wien!

      • Margit sagt

        Vorsicht Vorsicht, liebe sommerungeübte Dame! Stürz Dich nicht in Brandblasen, die Dir die Sonnenfreud verderben könnten.

        Großmutter-Ratschlag: Talkumpuder.
        Auch statt Deoroller besser, wenn ganz arg heiß.

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