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Weltreise. Zeitreise.

Strahlehimmel! Dafür darf’s dann auch gerne eiswindig sein. Also Mütze tief in die Stirn und über die Ohren und auf der Fifth Avenue gen Manhattan-Spitze. Am Zaun einer Kirche hängen Bänder. Viele Bänder. Mit den Namen  und dem Alter der im Irak gefallenen Soldaten. Fast alle sind Anfang 20. Ein großes Thema hier. Zunehmend an Bedeutung. Vorbei am Empire State Building, nicht ohne mich immer wieder zu ihm umzudrehen. Auf dem Union Square ist Markttag. Recht beschaulich und alles in Bio. Ein bisschen jutiger noch als ein Bauernmarkt bei uns. Frühstücksglück mit einem Bio-Muffin in der nachzuahmenden Geschmacksrichtung Kürbis-Cranberry. Eine meiner ganz großen Lieben in dieser Stadt: The Flatiron Building. Dessen Architekten kann man nur vergöttern. Das kulinarische Paradies entdecke ich dann bei Dean & Deluca auf dem Broadway: Käse, die nicht aus Plastikabfällen stammen, ungeschminkte Frischschinken, Echtgemüse und Knackigobst, Aufstriche, Pasten, Sushivariationen, allerlei Kleingebäck – nur leider gerade so gar kein Hunger.    Das nächste kulinarische Highlight liegt dann zwischen Little Italy und Chinatown und nennt sich Eileen’s Special Cheese Cake http://www.eileenscheesecake.com (das darf man sich auch nicht …

Schreckliches. Schönes. Und noch mehr.

Man muss die Tage feiern, an denen kein Schnee fällt. Raus also auf die 5th Avenue und erstmal hinauf zur 75th Ecke Madison zum Whitney Museum http://www.whitney.org/ . Dort biennalisiert man gerade. Leider manchmal auch sehr banal. Und manchmal schockierend offen –  gerade für das politisch doch so korrekte Amerika recht ungewöhnlich. An zwei Sälen also werden die Kinder von ihren Eltern vorbeigezerrt:  einmal sind es die ehrlichen Fotos vom Leben des im Irakkrieg bis zur Unendlichkeit entstellten Tyler kurz vor seiner Hochzeit, die schockieren. Und die aus der Zeit nach seiner Scheidung. Wenn man die Hochzeitsfotos sieht, diesen ängstlichen, ja leeren Blick seiner Braut, dann verwundert es nicht, dass die Ehe nur drei Monate hielt. Dann die schonungslosen Bilder junger afghanischer Frauen, ebenfalls entstellt durch schwerste Verbrennungen, die sie sich selbst beigebracht haben. Aus Verzweifelung, aus Angst. Bilder, die schmerzen. Die Fragen aufwerfen und zugleich beantworten. Kunst? Kann diese Dokumentation Kunst sein? Ich hab mir die Frage noch nicht beantworten können. Wichtig sind sie – keine Frage. Aber Kunst? Dann: Eine Klanginstallation, die die Museumwächter an die Grenzen …

Erst beleidigt. Dann begeistert.

Wäre es nicht vor ein paar Monaten in Boston genau so gewesen, dann wäre ich ernsthaft besorgt gewesen. So war das Wissen da, dass der Start dort auch erstmal misslang und das Wohlgefühl wohl etwas unter Jetlag leidet. Warum auch nicht? Immerhin – da ist man endlich da und dann ist auch alles mit inkludiert, was man eigentlich nicht wollte:  Schnee, Eiswind, Thunderstorms. Und die freundlich-sensationsgierenden Weatherchannel-Moderatoren berichten von einer upcoming Wetterkatastrophe nach der anderen. 50 cm Neuschnee im Central Park. Okay, dann schalte ich eben um. Von Frühlingsgefühl auf  Vorweihnachtserlebnis. Mit dem Wahnsinnsbonus, keinerlei Verpflichtung verspüren zu müssen, dass man sich nun langsam mal um die Weihnachtsgeschenke kümmern sollte. Und irgendwie hat es was:  dieses Schneegefühl mit kleinen und großen Schneemännern, mit Schneeballschlachten, die Kutschen mit den ewig zu ihren Gästen verdrehten Kutschern oben auf (die Orthopäden dürften gut an den Folgen dieses Gewerbes verdienen). „Central Park is owned by the City of New York“ – diesen Satz hören ich eben so oft wie das Hufgetrappel. Ein Saxophonspieler jazzt sich die Lunge aus dem …