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Also sprach Zarathustra. Und casowi weinte.

Es war einer dieser Konzertabende, die die Seele ganz tief berühren.
Das erste Abo-Konzert der Saison 2012/13 bei den Münchner Philharmonikern. Meine vierzigste Abo-Saison bei diesem Orchester, by the way. Und sie hätte nicht schöner eröffnet werden können.

Lorin Maazel ist nun also Chefdirigent der Philharmoniker.
Nach Thielemann – dessen fatzkehafte Eitelkeit ich nicht mochte.
Nach Levine – der mich enttäuschte, weil er signalisierte, just another orchestra-job zu machen.
Nach Celibidache – den ich verehrte, weil ich von ihm so unendlich viel über Musik lernte.
Nach Kempe – dessen an Gerard Hoffnung erinnernde Faschingskonzerte mir damaligen Teenie am besten in Erinnerung blieben.

Nun also Lorin Maazel. Der schon das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks geleitet und vor 10 Jahren verlassen hatte. Er war schon öfter als Gast am Pult der Philis gestanden. Und ich erinnere mich an wunderbare Proben mit reinem Tschaikowski-Programm im Steinernen Saal des Schlosses Nymphenburg. Romeo und Julia. Und die Pathetique. Vielleicht noch die 1812er-Overtüre? Könnte sein. Die Proben zu den beiden anderen Stücken dauerten zwei volle Tage – und füllten meine musikhungrige Seele mit viel Glück und Wissen. Und das Abi hab ich ja dann trotz der Schulschwänzerei geschafft.

Heute also unser erstes Abo-Konzert mit GMD Maazel. Die Vorfreude war groß. Die Skepsis ebenfalls vorhanden. Immerhin ist der Maestro nun auch schon 82 Jahre alt. Also vielleicht doch eine „die nehm ich auch noch mit“-Entscheidung?

Nein, welch irrige Annahme! Auf der Bühne stand ein Mann, der seit seinem fünften Lebensjahr Musik macht. Dessen Leben die Musik ist. Fast ausschließlich – ich glaube, er versteht auch zu leben und zu genießen. Maazel dirigierte nach dem 5. Brandenburgischen Konzert (mit wunderbaren Solisten – congrats insbesondere an den Cembalisten) die 4. Sinfonie von Schubert. Und nach der Pause Richard Strauss sinfonische Dichtung „Also sprach Zarathustra“. Beide auswendig. AUSWENDIG! Wie sicher auch einige der anderen Werke (Wagner, Puccini, Mahler, Strawinski, Faure, Ravel und Bruckner), die im Programm der 14  Konzerte stehen, die er mit den Münchner Philharmoniker allein im September gibt.

Auf der philharmonischen Website findet sich folgender Hinweis: „Für seine erste Spielzeit hat sich Lorin Maazel Werke ausgesucht, die einen Aufbruch markieren – Kompositionen, die gegen die Konvention gerichtet waren und gedanklich neue Horizonte eröffneten.“
Ja. Genau das passierte heute. Alte, scheinbar traditionelle Werke, die heute die Seele immer noch (oder wieder?) berühren können. In ihren liebeshungrigen, ängstlichen, verzweifelten, melancholischen, aufrührenden, verstörenden, fragilen und derben Momenten und Aussagen. Musik, die mich berührt hat. Immer wieder Tränen aus meinem Innersten. Tränen unterschiedlichster Qualität. Die mir sagten, wie aufrichtig Maestro Maazel und die Münchner Philharmoniker heute musizierten. Und ganz nebenbei: Musik, die die aktuelle Zeit dringend benötigt. Weil sie das Zeitgeschehen verdeutlicht. Hinweise gibt. Leise. Und laut.

Endlich kann dieses Orchester wieder zeigen, was wirklich in ihm steckt.
Endlich schwingt dieser Klangkörper wieder. Und strahlt Überzeugung aus.
Endlich steht am Pult wieder ein wahrhafter Mensch, der sein Leben und Wirken der Musik gewidmet hat. Der sie versteht und der ihre Botschaften transportieren will. Und es auch vermag.

Ein Dirigent, der wirklich Passion ausstrahlt.
Und sie auf sein Orchester überträgt. Das es dann ebenfalls vermitteln kann.

Danke also an Maestro Maazel und an „seine“ Philharmoniker.
Danke an wen-auch-immer, der die geniale Idee durchsetzte, Lorin Maazel wieder nach München zu holen.
Danke an meinen Vater, der mich vor 40 Jahren zu diesem Orchester und damit zur klassischen Musik brachte. Er selbst stand übrigens bis zu seinem 85. Geburtstag auch noch ab und an am Pult und dirgierte. Ich weiß also, dass diese Abende für den Capo eine große Freude, aber wahrlich nicht nur ein Spaziergang sind.

Und danke vor allem an die Herren Bach, Schubert und Strauss für Musik wie diese.
Die Welt wäre um einiges ärmer ohne sie.
Auch an Tränen.

2 Kommentare

  1. Gottfried Fischer sagt

    40 jahre musikerfahrung haben offenbar auch poetische spuren hinterlassen.
    sehr private, sehr feine konzertbesprechung.

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