(un)sinniges, Kommunikation
Hinterlasse einen Kommentar

Das Arm-Gefühl.

Wir kennen uns nicht lange, wir sehen uns kaum.
Und doch ist dieser Freund eben das, was ich einen Freund nenne.
Einen guten Freund, einen wahren Freund.

Letzte Woche, als ich den vorfreudig geplanten Ratschabend aufgrund des überaus unerquicklichen Norovirusbefalls per Mail absagte, rief er sofort an: „Mensch Mädel – meld dir doch, wenn so wat is! Und wenn’s nachts um halb drei is und ick dir nur die Haare beim Kotzen aus’m Jesicht halten kann.“

Ich würd’s wohl nie tun.
Weil: gschbiebn ist doch schneller als hergefahren von jwd.
Außerdem ist’s ja doch eher etwas… na ja, macht man eh ungern, dieses Mageninhalts-Upside-Down-Spiel.
Und wenn schon ungern, dann eben auch besser allein.
Auch wenn in so ner Nacht aus allein plötzlich so richtig allein wird.

Was sich aber tief in die geschwächte Seele einbrannte – so tief wie die Farbpigmente der Tattoos in seiner Haut – war seine Abschlussfrage: „Willste uffn Arm?“
Klar – das ist gerade ein wenig en vogue, das sagen zurzeit viele.
Gerne auch mal auf 140 Zeichen gedehnt.

Ich weiß aber: er meint das so.
Und traf dabei mitten in mein Grundbedürfnis.
Ja, wollte ich!
Will man einfach ab und an.
Weil es dann auch einfach richtig gut tut.

Und dann war da plötzlich ganz viel Arm-Gefühl in dieser kleinen Woche:
Sein Anruf, natürlich.
Eine echte Hühnersuppe mit Ingwer (antidingsisch wirkend) – zubereitet und geliefert von der Echt-Arm-Frau: meiner Mutter.
Und der ihr mutternaturgegebene Zweit-Arm: Die pürierte Gemüsesuppe für den nächsten Tag.
Die Geschichte, die mein Vater mir vorlas – über Wien. Am Telefon.
Ein zarter Neu-Arm: Die nach den ersten Tagen so abrupt auf der Flur verlassene Neu-Volontärin mailte, ob sie mir was aus der Apotheke bringen könne. Hinreißend, nicht wahr?
Der Blick auf den roten, einäugigen Lackhasen, der mich seit meinem ersten Tag kennt.
Und das erstaunlichste Arm-Gefühl dann plötzlich mitten in absolute Ratlosigkeit hinein platzend: beim Anblick einer Gelbwurst in der Theke meines Bio-Marktes! Dieses Wissen, dass die Sensorik einer Scheibe Gelbwurst schieres kindliches Geborgenheitsgefühl vermittelt.

Es sind eben diese ganz kleinen Gesten, Dinge und Momente, die einen unvermutet zart einhüllen.

Danke, dass Du mich an das Arm-Gefühl erinnert hast, Bunt-Arm!

 

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: (un)sinniges, Kommunikation
Getaggt mit:

von

fasziniert von Menschen und deren Geschichten, Reisen, Wein, Food, Musik, Sprachen und einigem mehr.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s