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Trier: Laserkunst auf Römerbauten

[Werbung | Kooperation] Trier ist eine faszinierende Stadt – angeblich die älteste Deutschlands und heute überaus beliebt bei etwa 20.000 Studenten. Den Anfang machten die Römer: Sie kamen, blieben und prägen bis heute große Teile des Stadtbilds und der Identität Trier. 50 v. Chr. marschierten sie durch das Mosel-Tal zwischen Hunsrück und Eifel, entdeckten, dass sie den Fluss an einer natürlichen Furt zu Fuß überqueren konnten und siedelten umgehend an diesem zukünftigen Knotenpunkt der Handelswege und Pilgerströme. 17 v. Chr. gründete Kaiser Augustus während eines Besuchs die Stadt Augusta Treverorum und initiierte zugleich den Weinbau, weil ihm das Klima gut geeignet erschien. Ein wahrlich cleverer Schachzug, denn noch heute sind Moselweine weltweit hoch geschätzt. Das römische Stadtbild wurde von Straßenzügen geprägt, die so akkurat liefen wie man es heute aus mancher amerikanischen Großstadt kennt. Innerhalb von 150 Jahren entstand eine der bedeutendsten Städte der damaligen Zeit, mit gut 40.000 Einwohnern. Die vorher schon ansässigen Treverer, nordgallische Kelten, hatten die Vorzüge (florierende Geschäfte durch zunehmend rege Handels- und Pilgerströme, Fußbodenheizungen, kostenlose Thermenbesuche etc.) römischen Lebenstils erkannt, passten sich den Stadtgründern an und vermählten ihre keltischen Götter ganz pragmatisch mit denen der Römer.

Wie das damals aber eben leider so war – irgendwann kam immer jemand vorbei, der das friedliche Zusammenleben abrupt unterbrach: 275 n. Chr. überfielen rechtsrheinische Germanen die Stadt und verwüsteten sie. In der Folge wurde unter Kaiser Konstantin eine fast sieben Kilometer lange Stadtmauer mit fünf Toren erbaut – acht Meter hoch und bis zu sieben Meter tief. Davon ist heute einzig die Porta Nigra erhalten, die in den folgenden Jahrhunderten noch einiges durchmachen musste. Ursprünglich war das „schwarze Tor“ schneeweiß: Seine bis zu sechs Tonnen schweren Quader sind aus Kalksandstein, der sechs Kilometer flussabwärts geschlagen wurde. Die Säulen wurden direkt aus dem Stein heraus gearbeitet, sind also nicht freistehend, sondern mit dem Stein verbunden. Die einzelnen Quader wurden mit Eisenstangen und flüssigen Bleieingüssen verbunden. Im 12. und 13. Jahrhundert wurden allerdings manche Eisenklammern ganz pragmatisch wieder entfernt und als Werkstoff für Werkzeug oder Waffen verwendet – und trotzdem blieb das Tor stehen!

So klein der Mensch, so groß das Tor. (© casowi)

Links sieht man noch die Apsis der Stiftskirche, in die die Porta Nigra von Poppo von Babenberg umgebaut wurde. (© casowi)

Nach dem Ende des römischen Imperiums marschierten Ende des 5. Jahrhunderts die Franken ein und es heißt, dass Trier für dreihundert Jahre in eine Art Dornröschenschlaf fiel und nicht weiter wuchs. Am Gründonnerstag 882 überfielen Normannen die Stadt und zerstörten sie komplett, bis sie am Ostermontag wieder weiterzogen. Erst hundert Jahre später hatte Trier sich davon erholt, stieg über die Trümmer des ehemaligen Doms und bildete aus anfänglichen Trampelpfaden neue Straßen heraus, entlang derer neue Häuser am heutigen Hauptmarkt errichtet wurden. Notgedrungen war das klare Straßenmuster der Römer damit überkommen ­– gebaut wurde, wo eben Platz war. In den Jahren 900 und 1.000 entwickelte sich das mitbestimmende Bürgertum die Zünfte, die sich in entsprechenden Straßen wie der Fleischstraße, Brotstraße oder Fischmarkt ansiedelten und 1433 formierte sich die Bürgerschaft, die dem Kurfürstlichen Erzbischof trotzend die Steipe als ihr Fest- und Empfangsgebäude errichtete. Die beiden am Haus angebrachten Ritter sprechen Bände: Der linke, dem Volk zugewandte blickt freundlich übers Volk, der rechte hingegen, in dessen Blickrichtung der Dom liegt, hat Haupt und Helm gesenkt und verweigert somit der Kirche und Regierung den Blick. Darunter die vier gotischen Stadtpatrone: Jakobus (der Patron der Pilger und Wanderer), die Hl. Helena, Petrus und Paulus.

… das Markttreiben macht rundum Lust auf Genuss! (© casowi)

Schließlich entstand das Kurfürstentum Treveris und die Kirche übernahm mehr und mehr Macht, denn die Kurfürsten waren für nahezu 100 Jahre zugleich auch Bischöfe von Trier! Die Kirche wurde somit zum zentralen Dreh- und Angelpunkt (Trier ist die älteste Bischofsstadt Deutschlands: seit dem 3. Jahrhundert gibt es das Bistum, seit dem 6. Jahrhundert das Erzbistum) und tausende Pilger strömten in die Stadt. So auch ein gewisser Simeon, der als charismatisch und weltgewandt beschrieben wird. Er freundete sich mit Kurfürst und Erzbischof Poppo von Babenberg an, der unzählige christliche Reliquien im In- und Ausland sammelte, um zum bedeutendsten Herrscher der Zeit zu avancieren. Simeon wurde nach einer gemeinsamen vierjährigen Pilgerfahrt des Reisens überdrüssig und zog sich zurück. Poppo von Babenberg bot ihm eine Kammer in der Porta Nigra an, die auf Simeons eigenen Wunsch sogar zugemauert wurde. In ihr verbrachte Simeon freiwillig die letzten fünf Jahre seines Lebens. Er wurde von den Pilgern schon zu Lebzeiten verehrt, büßte er doch offensichtlich für ihre Sünden (so meinten sie). Der überaus geschäftstüchtige Poppo von Babenberg bat den Papst um Heiligsprechung Simeons und so hatte Trier einen der ersten Heiligen Deutschlands. Poppo von Babenberg baute schließlich die Porta Nigra zu einer Stiftskirche um: Das Erdgeschoss wurde aufgeschüttet und war von außen somit nicht mehr sichtbar, das Volk betrat seine Kirche in der 1. Etage, der Adel und die Gutbetuchten wiederum hatten ihren eigenen Kirchenraum in der 2. Etage, oben drauf wurde flugs noch ein Glockenturm errichtet und seitlich am Tor eine Apsis angebaut – schon war die Kirche fertig.

Links oben der aufgesetzte Glockenturm, an der rechten Flanke die Apsis. Beides ließ Poppo von Babenberg dem römischen Tor aufsetzen, als er die Simeon-Stiftskirche bauen ließ. (© casowi)

Ab 1794 gehörte Trier dann zu Frankreich, Napoleon schaffte Erzbischof wie Kurfürsten ab und die Trierer genossen ihre neue Freiheit unter dem nun gültigen Code civil, der die Prinzipien der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) aufgriff. Und im Zuge der Säkularisation wurde 1804 auch die Stiftskirche wieder zurückgebaut in das römische Tor. Allerdings marschierten kurz vor Fertigstellung der Baumaßnahmen die Preußen in Trier ein und so blieb die Apsis der alten Kirche stehen und das Tor wurde als Zollturm genutzt. Schräg gegenüber wohnte damals übrigens der junge Karl Marx (geb. 1818), der wohl berühmteste gebürtige Trierer.
Architektonisch haben jedoch nicht nur die Römer Imposantes hinterlassen (auch wenn all ihre Bauten in Trier seit 1986 zum UNESCO Weltkulturerbe gehören): Im 13. Jahrhundert gab es etwa zehn Wohntürme, heute sind noch drei davon erhalten, am bekanntesten ist das Dreikönigenhaus aus dem Jahr 1230 in der Simeonstraße. Der Wohnturm sicherte seine Bewohner bestens vor Überfällen, denn im Erdgeschoss gab es nur einige schmale Scharten, die Eingangstür lag im ersten Stock und war nur über eine Zugleiter erreichbar, die abends hochgezogen wurde. Der erste Stock der Dreikönigenhauses ist im romanischen Stil gehalten, der zweite hingegen gotisch, die Malerei ist orientalisch inspiriert. Oben in der Mitte der Fassade befindet sich eine schwarze Säule, die auch ursprünglich namensgebend war: Bevor Napeolon alle Häuser mit Nummern versehen ließ, trugen diese ein Symbol, das namensgebend war – wie „Haus zur Säule“ oder „Haus mit dem goldenen Stern“ (am Hauptmarkt).

Ein ehemaliger Wohnturm: Das Dreikönigenhaus. (© casowi)

Der Petrusbrunnen auf dem Hauptmarkt von 1645 wurde vom kurfürstlichen Erzbischof als Mahnmal wider dem Sittenverfall gestiftet und zeigt die vier Kardinalstugenden Weisheit, Mäßigung, Gerechtigkeit und Stärke, die von einer Petrusfigur gekrönt werden. Der Steinmetz nutzte seine künstlerische Freiheit und versteckte in den Ornamenten kleine Schweinereien, die die Tugenden da Absurdum führen. Seine Petrusfigur dreht dem Dom den Rücken zu, außerdem hat er am Gürtel einen zweiten Schlüssel neben dem zum Himmelsreich, der zu den bischöflichen Weinkellern unterhalb des Hauptmarkts führen soll.

Der Petrusbrunnen auf dem Hauptmarkt. (© casowi)

Konstantin der Große, einer der berühmtesten römischen Kaiser, schenkte der Stadt Bauten wie z.B. die Kaiserthermen, ein ausgeklügeltes System von Sportplatz, Umkleiden, Latrinen, kalten und warmen Becken. Sich selbst ließ er 305 zu Repäsentationszwecken eine Empfangsaula erbauen: 69m in der Länge, 30m in der Höhe und 30m in der Tiefe – der größte Einraumbau der römischen Antike weltweit (die Porta Nigra würde zwei Mal darin Platz finden). In der ehemals goldenen Apsis thronte er in wohlig warmer Umgebung dank der römischen Erfindung eines ausgeklügelten Fußboden- und Wandbeheizungsystems. Der Boden war aus schwarz-weißem Marmor, die Wände ziehrten riesige Mosaiken – ein Prachtsbau für Repräsentationszwecke.

Ein gigantischer Raum mit ausgeklügeltem Heizsystem: Die Konstantinbasilka (© casowi)

Als das römische Reich zerbrach, bediente sich neben den Kurfürsten auch Kaiser Karl V. der Habseligkeiten aus Konstantins Prachtsbau und ließ sie in Aachen in die Kaiserpfalz einbauen. Den Kurfürsten wiederum war das Gebäude zu groß und seine Beheizung zu mühselig – sie bauten zunächst aus der halbrunden Apsis einen Wohnturm und nutzten den Rest der Halle als Pferdestall und Lager. Unmittelbar daneben errichteten sie sich mit der Zeit einen Renaissance-Palast. Später nutzte auch Napoleon Konstantins Hallenreste als Pferdestall, bevor sie weitere 20 Jahre später von den Preußen zum Lazarett umfunktioniert wurden. Schließlich führte Friedrich Wilhelm IV. von Preußen Konstantins Halle seiner heutigen Bestimmung als evangelischer Basilika zu.
Der angrenzende Südflügel des Renaissance-Palasts wurde 200 Jahre später komplett abgerissen und im Barock- bzw. teilweise Rokokostil neu erbaut – bis zum kompletten Bankrott des Kurfürstentums. Noch heute ist hier der Regierungssitz des Bezirks Trier und somit wird dieser Gebäudekomplex seit 1.700 Jahren als Regierungsgebäude genutzt.

Nahezu nahtlos im Übergang: Die Konstantinbasilika und der kurfürstliche Palast. (© casowi)

Der zunächst im Renaissancestil erbaute Palast wurde später wieder abgerissen, um ihn der Mode nach neu im Stile des Barock und Rokoko wieder aufzubauen. (© casowi)

Klein, aber fein: Im Garten des Palasts geht’s idyllisch zu. (© casowi)

Noch mal kurz zurück zu Konstantin, dem Großen: Er beschloss 312 n. Chr. im Mailänder Dekret, Glaubensfreiheit gelten zu lassen. Daraufhin entwickelte sich das Christentum zu voller Blüte, in Trier entstand die größte Kirchenanlage Europas. 882 jedoch fielen die Normannen ein und zerstörten alles innerhalb von vier Tagen. Erst 1035 lässt Poppo von Babenberg alle Trümmersteine einsammeln und den westlichen Teil des Doms damit errichten.
Um die Gangolfskirche am Hauptmarkt in der Höhe ihres Turms zu übertreffen, ließ Kurfürst und Erzbischof Greifenklau später zudem einen gotischen Turm aufsetzen. Auch in der Renaissance und im Barock wurden weitere Kapellen angebaut – so sind in der Peterskirche alle Baustile der vergangenen zwei Jahrtausende vereint.

Innen wie außen ein bunter Stilmix durch mehrere Jahrhunderte: Der Dom St. Peter. (© casowi)

1230 wurde unmittelbar neben dem Dom die erste gotische Kirche Deutschlands, die Liebfrauenkirche erbaut (um auch die weiblichen Christen sozusagen mit zu bedienen) – allerdings von den Gotikspezialisten Frankreichs. Eine Besonderheit: Stellt man sich auf den bronzenen Stern nahe dem Eingang, so kann man alle Apostel auf den zwölf Säulen der Kirche sehen.

Unmittelbar neben St. Peter gelegen: Die gotische Liebfrauenkirche. (© casowi)

Viele der bedeutenden Bauwerke Triers werden während der Illuminale, einem zweitägigen Lichtkunstfestival, das jährlich zum Sommerende stattfindet, von Künstlern neu beleuchtet.
Mal sind es Laser, die die Kaisertherme dramatisch und futuristisch verändern, dann wieder bunte Lichtinstallationen auf dem Südflügel des Palasts oder ein Brunnen, der zur Projektionsfläche eines riesigen Feuers wird. Eindrucksvoll und abwechslungsreich ist’s auf alle Fälle und so ist es kein Wunder, dass Jung und Alt an diesem Wochenende bis spät in die Nacht Triers nächtliche Atmosphäre genießen.

Weinfreunde sollten Kaiser Augustus‘ weiser Entscheidung, den Weinbau an der Mosel zu initiieren, huldigen. Und das funktioniert prima bei einer Weinprobe, wie das Oechsle Wein- und Fischhaus sie täglich anbietet. Mehr als 120 Weine von Mosel, Saar und Ruwer umfasst das Sortiment des Hauses und Einzelpersonen können ebenso wie Gruppen aus verschiedenen Verkostungsangeboten wählen. Charmant werden die einzelnen Winzer und ihre Produkte auch auf Schautafeln im Verkostungsraum vorgestellt und wer sich spontan in den ein oder anderen Tropfen verliebt, kann gleich ein paar Flaschen für zuhause kaufen.

Die Mosel und ihre Weißweine – da ist Genuss garantiert. (© casowi)

Kurzporträts der Winzer und ihrer Weine – eine gute Idee für den Verkostungsraum von Oechsle. (© casowi)

Auch sonst gibt es einiges, was des Genießers Herz erfreut: Neben der Porta Nigra gibt es einen Unverpackt-Laden für alle, die dem Verpackungswahnsinn trotzen wollen, ein Bio-Paradies auf großer Fläche findet sich in der Palaststraße. Köstliche Kuchen und Kleingebäck gibt es im hinreißend traditionellen Café Mohr auf der Fleischstraße, ein großes Burger-Sortiment beim BurgerAMT in der Nagelstraße.
Und dann ist ja da auch noch die Mosel, deren Ufer schnell von der Altstadt aus erreicht sind.

Entlang hübscher Häuser spaziert man auf einem Parkstreifen an die Mosel. (© casowi)

Gemütlich ist wohl das richtige Wort, um eine Bootsfahrt auf der Mosel zu beschreiben: Der Gast sitzt an mehr oder minder langen Tischen (es gibt Komplettsorglospakete für Gruppen), genießt das kulinarische Angebot des Betreibers und erhält ab und an via Lautsprecher einen Informationshappen zu einer vorbeiziehenden Sehenswürdigkeit wie der Mariensäule oder der Römerbrücke. Ein kleines bisschen wähnt man sich wieder in den 1980ern und irgendwie ist das doch auch mal ganz entspannend. Der Blick entlang des Flussverlaufs lässt einen auf dem Sonnendeck sitzend sowieso zur Ruhe kommen, ein paar Schwanenfamilien lassen sich gnädig beobachten, ab und an gackern Gänse im Flug vorbei, irgendwo sitzt immer mal ein Angler, Büsche und Bäume befrieden das Ufer, als gäbe es uns Menschen nicht – mit der Zeit kommt die Seele zur Ruh. Alternativ genießt man unter Deck Käsekuchen, Wiener Würstchen oder auch ein Schöppchen Wein in Gesellschaft der mehr oder minder umfangreichen Familie und hat irgendwie immer ein wenig das Gefühl, sich auf der Geburtstagsfeier einer Tante Ottilie zu befinden. An schönen Tagen lässt sich das Gefühl an Land sicherlich noch in den Uferrestaurants verlängern.

… und schweifen immer weiter und weiter – in aller Seelenruhe. (© casowi)


Ich bedanke mich bei der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH herzlich für die Kooperation. Auf den Inhalt des Artikels wurde kein Einfluss genommen. #RLPerleben #GenussDuell

Genießen wie Gott in Nancy

[Pressereise] Ein Lob auf die Franzosen und ihre Küchenkünste – sie beherrschen das Handwerk liebevoller und respektvoller Zubereitung von Lebensmitteln einfach aus dem Effeff!
So auch das Restaurant Les Frères Marchand in der Grande Rue – unmittelbar gegenüber des Palasts der Herzöge von Lothringen gelegen – ist aufgrund langjähriger und zahlreicher Auszeichnungen für seine fantastische Fromagerie weit über die Stadtgrenzen Nancys hinaus berühmt. Je nach Jahreszeit, persönlicher Vorliebe und Reservierungslage kann man im Gastgarten unmittelbar an der Grande Rue oder in einem der Räume im Inneren sitzen, die mal als Bibliothek, dann wieder im Bistro-Stil eingerichtet sind. Immer wieder mit dabei sind Schwarzweiß-Fotos der Mitarbeiter_innen – ein überaus charmanter Zug der drei Besitzerbrüder, die ihre Leidenschaft für formidables Essen vom Vater geerbt haben.

Herrlich in den warmen Monaten: Der Außenbereich des Restaurants Les Frères Marchand (© casowi)

Die Genuss-Bibliothek der Les Frères Marchand. (© casowi)

In jedem Raum hängen s/w-Porträts des Marchand-Teams. (© casowi)

Auf einer Schieferplatte werden lokale Käse, Schinken und Würste serviert, dazu empfehlen sich lokale Weine wie Gewürztraminer oder Riesling. Für Dessertliebhaber, die gleich mehrere Speisen verkosten wollen, bieten Les Frères Marchand einen Spezialitätenteller mit einem kleinen Baba au Rhum, einer Mini-Crème Brûlée à la Bergamotte (überaus beliebt in Nancy!) und Profiteroles mit Mirabelleneis an, dazu gibt es wahlweise Tee oder einen Espresso.

Die Platten mit regionalen Spezialitäten aus der Region gibt es in unterschiedlichen Größen. (© casowi)

Genuss pur: Der Dessert-Teller des Les Frères Marchand. (© casowi)

Wahrlich historische lothringische Küche lernt man in einem Restaurant in der rue Gustave Simon nahe der Place Stanislas kennen. Schon den Namen kann man sich auf der Zunge zergehen lassen: À la table du bon roi Stanilas – am Tisch des guten Königs Stanislas. Da schreitet man doch gefühlt gleich zu Tisch anstatt einfach hinzugehen.

Der Innenraum des „A la table du bon roi Stanislas“. (© casowi)

Barockes Essen genießen und dabei das Leben der Heute und Jetzt erleben – das gelingt auf der Terrasse des „guten Königs“ wunderbar. (© casowi)

Und so liest sich auch die Speisekarte: Gerichte aus einer anderen Zeit, konkret aus dem Barock. Wie das Kaninchen an Aprikosenvariationen oder auch das Dessert von der Artischoke mit Pistazien und Orangen-Confit. Das mag erst mal verstörend klingen, Zunge und Gaumen lassen sich aber im Löffelumdrehen von dieser außergewöhnlichen Kombination überzeugen. Einfach himmlisch! Vom „guten König“ aus sind es übrigens nur ein ein paar Schritte zum abendlichen Beleuchtungsspektakel auf der Place Stanislas, das man man sich als zweites und diesmal hüftgoldfreies Dessert nicht entgehen lassen sollte.

Die Speisekarte des À la table du bon roi Stanilas entführt den Gast in die Zeit des Barock. (© casowi)

Kaninchen an Aprikosenvariationen – einfach sensationell gut kombiniert. (© casowi)

Gegrilltes Lamm. (© casowi)

Ein Dessert mit Artischocken-Creme? Schwer vorstellbar, aber es mundet gar vorzüglich! (© casowi)

Aprikosenliebe am Blanc Manger. (© casowi)

Nie entgehen lassen sollte man sich die Markthalle einer französischen Stadt! Und so ist es auch in Nancy ein wahres Fest für die Augen, durch die Halle zu schlendern und frische Fische, Gemüse und Obst der Saison zu betrachten. Vor Ort gibt es auch kleine Restaurants, die zur Mittagszeit bestens besucht sind.

Artischockenparadies. (© casowi)

Lilafarbene Bohnen, leider nicht verkostet. (© casowi)

Mirabellenparadies (© casowi)

Aprikosenglück (© casowi)

Im Restaurant Les Pissenlits in der rue des Ponts genießt es sich in purem Art Nouveau-Ambiente: Jugendstil-Möbel, eine Art Deco-Glasdecke und zahlreiche namensgebende Löwenzahn-Blüten an den Wandkacheln. Auch hier kann man ganz nach Gusto aus verschiedenen Menüs wählen oder auch à la Carte genießen. Der frühere Sternekoch, Fischspezialist und Besitzer Jean-Luc Mengin kombiniert Traditionelles mit neuen Kreationen und legt dabei stets großen Wert auf regionale Zutaten der Saison. Seine Frau Danièle ist eine hochdekorierte Sommeliere und empfiehlt neben den großen Weinen Frankreichs vor allem auch die Erzeugnisse kleiner lokaler Winzer. Die überaus freundliche Familie betreibt neben dem Les Pissenlits auch eine Weinbar sowie zwei kleine Cottage-Hotels.

Auch im Les Pissenlits kann man draußen sitzen und genießen. (© casowi)

Jugendstil mit etwas Art Déco findet man im Gastraum des Les Pissenlits. (© casowi)

Löwenzahnblüten an den Wänden des Les Pissenlits. (© casowi)

Die Decke des Les Pissenlits. (© casowi)

Die Fischterrine des Les Pissenlits. (© casowi)

Foie Gras im Les Pissenlits. (© casowi)

Délicieux: Haubensuppe und Filetstreifen im Les Pissenlits. (© casowi)

… ein kleines bisschen Ziegenkäse als Zwischengang. (© casowi)

Dessertglück zum Abschluss im Les Pissenlits. (© casowi)

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Besuch in der Brasserie L’Excelsior in der rue Henri Poncaré? Für Zugreisende entweder zur Ankunft oder als abrundendes Genusserlebnis vor der Abfahrt, denn das wunderbare Jugendstil-Restaurant aus dem Jahre 1911 liegt nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt. Ein echtes Meisterstück der École de Nancy: Hohe Räume, großzügiges Ambiente, perfekt geschultes Servicepersonal – da verwundert es nicht weiter, dass mittags zahlreiche Geschäftsleute oder auch ältere Paare sich in aller Ruhe eindrucksvolle Meeresfrüchte-Kombinationen einverleiben. Die Auster gehört hier so selbstverständlich dazu wie der genüsslich schweifende Blick über das Interieur der Herrn Majorelle, Daum und Prouvé.

Hohe Decken im Art Nouveau-Dekor der Brasserie L’Excelsior. (© casowi)

Lachs mit Pommes Macaire im Mittagsmenü der Brasserie L’Excelsior. (© casowi)

In Nancy geht ein kleines Dessert immer: Hier ein Schokoladentörtchen mit flüssigem Kern und Himbeereis. (© casowi)

Nach so formidablem Essensgenuss ruht es sich trotz der zentralen Lage überaus ruhig und angenehm im Hotel de Guise in der rue de Guise. Als Gast fühlt man sich liebevoll umsorgt – vom vielseitigen Frühstück hin bis zur gekühlten Flasche Wasser bei der Rückkehr an heißen Sommerabenden.

Das Treppenhaus der Hotel de Guise. (© casowi)

Der Innenhof des Hotel de Guise, in dem man auch frühstücken kann. (© casowi)

Angenehm und groß: Doppelzimmer im Hotel de Guise. (© casowi)

Frühstück am Kamin im Hotel de Guise. (© casowi)



Ich bedanke mich bei Nancy Tourisme sehr herzlich für die Einladung zur individuellen Pressereise und bei Atout France für die Koordination. #topfrenchcities

 

 

 

Die schönen und die neuen Künste von Nancy

[Unbezahlte Werbung ⎥ Pressereise] Nancy verfügt über viele Museen, einige davon wie die Villa des Möbeldesigners Louis Majorelle oder das Musée Lorrain d’Art et d’Histoire im Herzogpalast werden zurzeit aufwändig renoviert. Umso schöner, dass auch die geöffneten ihren Besuchern viel zu bieten haben.

Das 1793 gegründete Musée des Beaux-Arts Nancy (MBAN) zählt zu den ältesten Museen Frankreichs. Man betritt es über die Place Stanislas, es umfasst jedoch drei Gebäude aus unterschiedlichen Epochen, allen voran den Pavillon unmittelbar an der Place Stanislas, der somit Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Place Stanislas ist. 1936 wurde der Art déco- Flügel angebaut und 1999 zeitgenössisch von Laurent Beaudouin erweitert. Die Grundmauern des Musée des Beaux-Arts stehen auf den Befestigungen der Stadt (15. bis 17. Jahrhundert) – in den Räumlichkeiten des Untergeschosses sieht man Reste der Stadtmauern, wenn man die mehrere hundert Exponate umfassende Collection Daum mit Werken der bedeutendsten Glaskünstler des Art Nouveau besichtigt. Leider waren diese Räumlichkeiten allerdings im Sommer 2018 aufgrund eines Wasserschadens noch geschlossen – heftige Regenfälle hatten Überschwemmungen der tiefliegenden Gebäudeteile zur Folge. Alle Objekte konnten zum Glück gerettet werden, nun benötigt man ein wenig Zeit und Geduld für die Trocknungsarbeiten – die Wiedereröffnung ist für diesen Herbst geplant.
Das Museum beherbergt Kunstwerke aus nahezu ganz Europa des 15. bis 21. Jahrhunderts, darunter von international geschätzten Künstlern wie Perugino, Tintoretto, Jan Breughel d.J., Caravaggio, Rubens, Delacroix, Monet, Manet, Modigliani, Gris, Dufy und Picasso. Daneben gibt es eine umfangreiche Sammlung regionaler und französischer Künstler, die kleinfeine Japanalia-Sammlung von Charles Cartier-Bresson (1853 – 1921) sowie Werke des Designers und Konstrukteurs Jean Prouvé (1901–1984), der Architekten wie Norman Foster, Renzo Piano oder Jean Nouvel maßgeblich beeinflusste. Mehr als ausreichend Exponate also, um einige Stunden durch die Jahrhunderte und ihre gestalterischen Sujets zu schlendern und zu genießen. Will man chronologisch vorgehen und sich vom Mittelalter bis in die zeitgenössische Kunst inspirieren, begeistern, verwirren und geleiten lassen, so startet man im 2. Stock bei den Italienern und Niederländern. Im ersten Stock wird es dann französisch, mal lieblich wie bei Boucher oder landschaftsfreudig bei Lorrain, im Erdgeschoss sind neben Monet, Manet und Picasso vor allem auch lothringische Künstler wie Émile Friant oder Victor Prouvé, der Mitbegründer der Schule von Nancy war, ausgestellt sowie Künstler des 20. Jahrhunderts wie Pierre Bonnard, Modigliani und Matisse, Raoul Dufy, Juan Gris und Suzanne Valodon. Das MBAN besitzt auch eine bemerkenswerte Graphik-Abteilung, 2011 konnte zudem ein neuer Museumsparcours mit einem Raum für Möbel und Objekte des aus Nancy stammenden Designers Jean Prouvé eingerichtet werden. Beeindruckend ist auch die Stil-Vielfalt seiner Treppenhäuser.

Das klassische Treppenhaus des Musée des Beaux-Arts Nancy (MBAN) im Gebäudeteil an der Place Stanislas. (© casowi)

Im Stil des Art Deco zeigt sich ein weiteres Treppenhaus im Musée des Beaux-Arts Nancy (MBAN). (© casowi)

… und modern geht’s auch. (© casowi)

Die „Jungfrau mit Kind“ von Perugino wird an einem Holzpanel präsentiert. (© casowi)

Gewaltig in der Dimension: „Verklärung Christi“ von Peter Paul Rubens. (© casowi)

Führungen für junge Besucher_innen sind geruhsam – die Kinder wirken überaus interessiert und zugleich entspannt. (© casowi)

Ausschnitt aus „Aurore et Céphale“ von François Boucher. (© casowi)

„Der Herbst“ von Eduard Manet. (© casowi)

Punktgenau gearbeitet: Die „Jeune femme assise“ des Impressionisten Hippolyte Petitjean. (© casowi)

Der Lothringer Émile Friant beschrieb in seinen Bildern gerne Alltagsszenen wie diesen Friedhofsgang. (© casowi)

„Die Liebenden“ von Émile Friant (© casowi)

Wirkt fast wie ein Foto: „Jeune nancéienne dans un Paysage de Neige“ aus dem Jahr 1887 von Émile Friant (1863-1932). (© casowi)

Jacques Majorelle, der Sohn des Möbeldesigners Louis Majorelle, lebte eine Weile in Marrakech und ließ sich dort inspirieren. (© casowi)

Suzanne Valadon arbeitete zunächst als Modell für Renoir und Toulouse-Lautrec (mit dem sie auch liiert war), bevor sie autodidaktisch selbst zu malen begann. Hier das großformatige „Le Lancement du filet“ (© casowi)

Picasso, Homme et femme, 1971. (© casowi)

Beeindruckende Glaskunst von Émile Gallé, die zu einer Sonderausstellung vom Museum der École de Nancy ans MBAN ausgeliehen wurde. (© casowi)

Die Libelle ist eines der Lieblingsmotive des Art Nouveau von Nancy. (© casowi)

Eine Lampe von Louis Majorelle, die in einer Sonderausstellung im MBAN zu sehen war. Ihr Zwilling steht im Museum der École de Nancy. (© casowi)

Edel bestickt: Ein Jugendstil-Kleid. (© casowi)

Nach der Teilung Lothringens infolge des Deutsch-Französischen Kriegs im Jahr 1871 zogen nahezu alle Künstler und Kunsthandwerker der Region nach Nancy und auch vermögende Industrielle aus dem Elsass flohen in die Stadt. Mitte der 1890er Jahre knüpften erstere immer synergetischere Bande und traten bei Ausstellungen gemeinsam auf. Mit der Zeit entwickelte sich die Stadt so zu einem der führenden Zentren Europas für Art Nouveau. 1901 schließlich gründeten Emile Gallé, Louis Majorelle und Antonin Daum offiziell die École de Nancy (Schule von Nancy), die bis zum Beginn des 1. Weltkriegs weltweit hohes Ansehen genoss.
Die Industriellen wiederum erkannten aus ihrer persönlichen Leidenschaft für die neue, viele Lebensbereiche umfassende Stilrichtung heraus rasch die Chancen der Zeit und stellten einige hundert Arbeiter an, die für sie in der Fertigung von Möbeln und weiteren Einrichtungsgegenständen tätig wurden. Kunst sollte nun erstmals einem breiteren Publikum zugänglich werden – und so musste sie industrialisiert werden. Viele der Künstler spezialisierten sich, wie Louis Majorelle auf die Fertigung von Möbeln oder Émile Gallé auf die Glaskunst, die er wagemutig und kreativ zu neuen Höhen führte, indem er z.B. Gedichte in Vasen abbildete oder neue Einschlusseffekte erzielte.
Der Warenhauseigentümer Eugène Corbin (1867–1952) vermachte mehr als 700 Stücke seiner Sammlung der Stadt Nancy als Schenkung und verkaufte in den 1950er Jahren zudem seine Villa an die Stadt, aus der sukzessive das heutige Museum der École de Nancy entstand. Es beherbergt einen immensen Art Nouveau-Schatz mit Mobiliar, Bildern, Stoffen, Glaskunst sowie Keramiken.

Schränke dienten im Art Nouveau nicht nur der Aufbewahrung, sondern erhielten Sonderraum für Nippes, der in dieser Zeit aufkam und heiß begehrt war. (© casowi)

Ein Wohnraum im Museum der École de Nancy mit einem Flügel von Louis Majorelle. Er fertigte ihn ein Jahr nach Émile Gallés Tod in dessen Angedenken und nannte ihn „Der Tod des Schwans“. Dahinter das Porträt von Eugène Corbin und seiner Frau. (© casowi)

Die Weizenernte als Detail auf einer Anrichte. So wurde der Bogen vom Anbau bis zur Zubereitung der Lebensmittel gespannt. (© casowi)

Doldenblüten faszinierten die Jugendstil-Künstler, hier der Bärenklau auf einem Vorhang. (© casowi)

Ein komplettes Esszimmer, entworfen von Eugéne Vallin und umgesetzt in Zusammenarbeit mit Victor Prouvé, wurde in das Museum der École de Nancy transferiert. (© casowi)

Am diesem Bucheinband arbeiteten drei Künstler zusammen: Victor Prouvé machte den Grundentwurf, Camille Martin die Ecken aus Emaille und René Wiener verantwortete als Buchbinder den Lederteil. (© casowi)

Das Schlafzimmer von Louis Majorelle. (© casowi)

Emile Gallé entwarf dieses Bett namens „Morgen- und Abenddämmerung, das mit Schmetterlingen, Totenkopffalter und Eintagsfliegen den Lebenszyklus versinnbildlicht. (© casowi)

… und immer wieder die Libelle. (© casowi)

Émile Gallé entwickelte auch eine Technik, mit der er Gedichte in Glasvasen integrieren konnte. (© casowi)

Mondscheinglas, eine Entwicklung von Émile Gallé. (© casowi)

Buntglasfenster aus einem Privathaus, von Jaques Gruber. (© casowi)

Tipp: Wer Nancy und/oder seine Museen gerne in einer charmanten, deutschsprachigen Führung mit lebendigem Hintergrundwissen erleben will, dem sei Christine Wetz (christinewetz@orange.fr) empfohlen.


Ich bedanke mich bei Nancy Tourisme sehr herzlich für die Einladung zur individuellen Pressereise und bei Atout France für die Koordination. #topfrenchcities