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Einmal richtig hoch hinaus: My first Zugspitze

Ist das nicht eigentlich unglaublich albern? Da bereisen wir die halbe Welt und kennen uns in manchen Regionen so wunderbar aus, dass wir uns fast heimisch fühlen und vor Tipps überquellen, wenn uns Dritte darum bitten. Und dann ist da dieses berühmte Gute, das ja oft so nahe liegen soll – und das wir von einem aufs andere Mal verschieben. Und so ziehen die Jahre und Jahrzehnte ins Land (bzw. in die Länder) und irgendwann merken wir, dass die nahe Umgebung diverse Kenntnislöcher enthält.
So ist’s auch mir jüngst ergangen: Obwohl ich nur gute 90 km entfernt wohne, war ich noch nie auf der Zugspitze. Ein bissl verschämt rotbäckig wurde ich also schon, als Petra Vogt, die Kurdirektorin der Gemeinde Grainau, die sich stolz „Das Zugspitzdorf“ nennt, erwähnte, dass nach dem Mauerfall der Besuch der Zugspitze für viele Ostdeutsche ganz oben auf der Sehnsuchtsliste stand. Und so wenig Budget sie auch hatten: sie setzten ihren Wunsch, auf Deutschlands höchstem Berg stehen zu können, schwuppdiwupp in die Realität um. Tja: Tatendrang führt Wünsche schon immer besser um statt Bequemlichkeit.
Wie oft hab ich die charakteristisch schroff abfallende Silhouette dieses Bergs schon bei Föhn betrachtet oder sie Freunden oder geschäftlichen Besuchern gezeigt. Nur an seinen Fuß bzw. auf seinen Gipfel hatte ich es bislang noch nicht geschafft. Aber nun führte mich eine Einladung der Zugspitz Region anlässlich der Eröffnung der Landesausstellung „Mythos Bayern“ endlich hinauf! Mehr zu „Mythos Bayern“ gibt’s übrigens später mal an dieser Stelle.

Seit Dezember 2017 in Betrieb: Die neue Zugspitz Seilbahn (© casowi)

Seit 1963 kann man den 2.962 m hohen Berg anders als die Trailrunner beim „Zugspitz Ultratrail“ mit einer Seilbahn weitgehend schweißlos bezwingen – seit Dezember 2017 wurde das alte System durch ein zeitgemäßes ersetzt. Waren es früher 270 Fahrgäste pro Stunde, so können die beiden bis zum Boden verglasten Kabinen der neuen Zugspitz Seilbahn nun stündlich bis zu 580 Gäste „auffi auf den Berg“ befördern. Wir durften im Maschinenraum die beiden Antriebsmotoren bestaunen – sie sind gigantisch. In den ersten 100 Betriebstagen befriedigten 100.000 Fahrgäste ihre Neuseilbahn-Neugier – ein voller Erfolg also.

Das Nirwana beginnt an der Stütze

Nur eine Stahlbaustütze gibt es auf den gut 4,5 km Strecke und mit 127 m ist sie tatsächlich die höchste der Welt. Ein wenig gespenstisch war es schon, als wir uns ihr näherten, denn unmittelbar nach ihr fielen wir ins gefühlte Nirwana dichten Nebels. Die hohe Kunst der Inszenierung beherrscht dieser Berg!

Zerschmettert und gekrümmt: Die gefallene alte Stütze (© casowi)

Kurz vor dem Erreichen der Stütze erkennt man am Boden ihre Vorgängerin, die ihren Sturz noch immer in gekrümmt und verbeult liegenden Elementen zu beklagen scheint. Die Neue wiegt satte 420 Tonnen und besteht aus 1.100 Einzelteilen, die von 9.500 Schrauben fixiert sind. Ein Video belegt, dass den Monteuren Unglaubliches abverlangt wurde. Was für ein Job, was für ein Arbeitsplatz! Ebenso waghalsig muten die Arbeiten an der Bergstation an: Sie musste erweitert werden und so wurden auch Felsteile gezielt gesprengt. Besonders faszinierend (neben der Tatsache, dass sowohl die veranschlagte Bauzeit von drei Jahren sowie die Kosten in Höhe von 50 Mio Euro eingehalten wurden – hallo BER, ElPhi und Stuttgart 21!) finde ich, dass all das bei laufendem Betrieb des bestehenden Seilbahnsystems geschehen konnte.
Warum aber nun der ganze Aufwand? Ganz einfach: Die Wartezeiten für die Passagiere waren in den vergangenen Jahren aufgrund des neuen Reiseverhaltens vieler Touristen aus dem In- und Ausland stark angestiegen und so hielten die Kapazitäten dem Ansturm nicht mehr Stand. Nun ist alles auf neuestem Stand – von der Talstation über die Seilbahn bis hin zur Bergstation (an der im Restaurantbereich bis Juni noch etwas gewerkelt wird, aber Deutschlands höchster Kran ist wohl auch bald Geschichte).

Noch ist das Deutschlands höchste Baustelle – im Sommer 2018 sollte sie Vergangenheit sein. (© casowi)

Einmal spürbar über den Dingen stehen

Aber zurück zur Nebelsuppe. Ein bisschen frustrierend war das schon: Da hatten wir einen Bilderbuch-April hinter uns, mit Rekordtemperaturen in den hohen Zwanzigern und klarster Luft. Und dann reisen wir an und was passiert: Einstellige Temperaturen, Regen, Nebel. Bähwetter. Gediegene Hoffnungslosigkeit zu Beginn des Wonnemonats. Die Aussicht auf einen 360°-Blick auf Nebel bei Temperaturen um die Null Grad war nicht wirklich verheißungsvoll.
Und dann geschah das Wunder doch: Kurz vor der Bergstation riss der Nebel etwas auf. Felskanten, Schneemassen. Ein Grat. Nicht einladend, aber unendlich faszinierend. Auf der Dachterrasse dann Sonnenschein und nahezu wolkenloser Himmel! Und der Blick auf’s Gipfelkreuz, zu dem man noch einen engen Grat hinaufsteigen müsste (bei Schnee nicht so wirklich gemütlich)!

Kurz vor der Bergstation reißt der Nebel auf … (© casowi)

… und lässt die Felsformationen erkennen. (© casowi)

Um auch mal ein Klischee zu bedienen: Dort oben fühlte ich mich dem Himmel nah. Was auch am Nirwana gelegen haben dürfte, denn natürlich waberte die behäbige Weißgrauschicht nun unter uns über die umliegenden Gipfel. Dabei könnte man den Blick über gut 400 Gipfel schweifen lassen – und bis zur Dunstglocke über München. Wie dringend gegen diese und viele andere Umweltsünden vorzugehen wäre, wird hier auch klar: Die viel zu schnell schmelzende Zunge des Zugspitzgletschers wird künstlich mit Schneemassen gekühlt. Und an einer Schneewand in der Ferne sieht man deutlich die Ablagerungen des Saharasands, der kurz vor unserem Besuch auch München tagelang in ein diesiges Licht getaucht hatte – diese nun regelmäßig wiederkehrenden Sandstürme kenne ich aus meiner Kindheit und Jugend nicht.

Die Klimaforschungsstation auf der Zugspitze. (© casowi)

Ein Drama: Schneeraupen bringen Schnee an die Gletscherzunge – zur Kühlung. (© casowi)

Ich hätte an dieser Stelle wütend werden können auf die Industrie, auf die Politik und alle weiteren Ignoranten und Verweigerer. Aber nein: Hier ist nicht der Ort für Wut – hier oben ist ein Ort des Staunens. Der Weite. Ein Ort der Dankbarkeit und Demut. Wir sind so klein, ein Pups in der Weltgeschichte. Und nehmen so viel Nichtiges viel zu wichtig. Hier oben gibt’s Gelegenheit, der äußeren wie inneren Stille zu lauschen (gut, aufgrund der Wetterbedingungen und des Wochentags waren nicht allzu viele Co-Gäste unterwegs). Hier oben gibt es Raum, die Faszination der Weite zu begreifen und zu genießen. Denn tatsächlich tauchten mehr und mehr Gipfel auf. Anfangs blickte ich noch auf die Schautafeln, um ihre Namen zu erfahren (ich finde es überaus beeindruckend, wenn Menschen ganze Bergketten namentlich benennen können). Doch schnell war es mir egal, wen ich sah. Was ich sah, war viel wichtiger: Die Schönheit der Natur in wechselnden Facetten. Unfassbar berührend.

Erst taucht nur ein kleines Gipfelino auf … (© casowi)

… und auch mal ein verschämter Felsgrat, … (© casowi)

… doch langsam zeigte sich immer mehr von der Pracht des Gebirgsmassivs. (© casowi)

Zunehmend wird es klarer … (© casowi)

Mehr Idyll geht doch kaum (© casowi)

Mehr Tradition geht wohl auch nicht: Der Maibaum auf der Zugspitze. (© casowi)

Zurück nahmen wir die gute alte (1930 eröffnete) Zugspitz-Zahnradbahn. Deren Waggons sind modern und mit Screens ausgestattet, auf denen man während der ersten Teilstrecke im Tunnel (immerhin 4,5 km lang) mehrsprachige Infos erhält. Auf der Fahrt vom Nahezu-Gipfel nach Garmisch gibt es mehrere Halts, so natürlich auch an der Talstation der neuen Zugspitz-Seilbahn in Grainau.

Eine bewährte Alternative zur Seilbahn: Die Zugspitz Zahnradbahn. (© casowi)

Beschaulich und zugleich modern

Grainau selbst hat pro Jahr etwa 640.000 Übernachtungen (und damit etwa halb so viele wie das benachbarte Garmisch-Partenkirchen, das allerdings etwa neun Mal größer ist als das etwa 3. 500 Einwohner umfassende Grainau). Viele Gäste genießen von Dezember bis März die Wintersportmöglichkeiten der Region, aber auch die Sommerfrischler kommen voll auf ihre Kosten – sei es in der nur im Sommer geöffneten Höllentalklamm, am Eibsee (am Fuße der Zugspitze) sowie auf unzähligen Wanderwegen. Eine besondere Zierde ist der Blick auf Kirche die Grainau und sicherlich einen der idyllischsten Friedhöfe Bayerns.

Bayerische Friedhofsidylle am Fuße der Zugspitze. In Grainau. (© casowi)

Und wen es nach der Rückkehr von der Zugspitze immer noch (oder erst recht) hungern sollte, der kann z.B. beim Schmölzer Wirt einkehren. Mein Kriterium für die Güte eines bayerischen Gasthauses ist ja immer die Qualität des Schweinsbratens (außerhalb Bayerns auch „Schweinebraten“ genannt) oder des Tellerfleischs. Gut war’s. Die Portion war mir fast ein bissl zu groß – man darf also ruhig kräftigen Hunger mitbringen.
Oder anschließend ein paar Zugspitzhöhenmeter zu Fuß erklimmen …


Ich bedanke mich bei der Zugspitz Region herzlich für die Einladung zu dieser Pressereise.

Zeit ist bunt. Oder: Das Hippiegefühl am Handgelenk.

Sie sahen völlig überraschend aus, fühlten sich ganz anders an und zogen in wilden Farbmixturen und wagemutigen Designs jede Menge Aufmerkamkeit auf sich: Als 1983 die ersten Uhren von Swatch auf den Markt kamen, war ich sofort begeistert. Denn bislang dominierten – zumindest gefühlt – die männlichkeitsmetalltriefenden Digitaluhren von Seiko oder Gediegenes aus Großmutters Zeiten in Schwarz-Weiß-Grau-Gold-Tönen den Uhrenmarkt. Solide Zeitmesser, ja – aber fernab jeglichen Hippiegefühls am Handgelenk. Gut, man kann natürlich darüber diskutieren, ob ein Hippie überhaupt jemals eine Uhr getragen hat oder hätte. Aber es fühlte sich irgendwie herrlich revolutionär und hippieesk an, als Medizinstudentin, die ja doch viel Zeit im weißen Kittel mit weißen Birkenstocks (damals definitiv das uncoolste Schuhwerk aller Zeiten, aber ein Must im Klinikalltag) auf Krankenhausstationen verbrachte, mit einer bunten Uhr etwas Lebensfreude ins Hospitalweiß zu bringen. Und als Studentin konnte ich mir 65 DM für eine dieser Quartzuhren in manchmal sogar transparenten Plastikgehäusen in ungewöhnlichen Designs und Farben auch gerade noch so über Monate hinweg vom kargen Budget abknapsen oder das Modell der Begierde als Geburtstagswunsch äußern. Und so trug ich bald voller Stolz meine durch und durch durchsichtige Jelly Fish.

Zwei meiner ersten Swatch-Modelle: Die transparente Jelly Fish und das grünblaue Piloten-Modell, das es sogar als Wanduhr gab. (© casowi)

Mit der Zeit erlangten die halbjährlich erscheinenden Modelle zunehmenden Kult-Status und bis heute sind sie in meiner Erinnerung Swatch-Uhren das allererste Must-Have mit übergroßem Begehrlichkeitsstatus. Richtig heiß umkämpft waren dann spätestens Anfang der 1990-er Jahre die ersten Chrono- und Scuba-Modelle – ich gebe offen zu, Freunde oder Kollegen mit Superkontakten zum Swatch-Händler ihres Vertrauens sehr beneidet zu haben.

Die Scubas: Bunt, heißgeliebt und unbetaucht. (© casowi)

Swatch Chronographen – gerne auch knallbunt. (© casowi)

Etwas albern, aus heutiger Sicht. Aber seinerzeit™, in den 1980-er und 1990-er Jahren, war das eben so. Und ja: Ich fühlte mich als echte Style-Queen, als besagtes Jelly Fish-Modell mein Handgelenk zierte, so durchsichtig wie eine Qualle eben. Mittlerweile hat sich das Material gelblich verfärbt (liegt nicht an meinen Sommersprossen, denn die sind noch wie damals) und trotzdem habe ich sie jetzt in liebevoller Erinnerung an ihre volle Transparenz angeblickt, als ich meine gar nicht so kleine Swatch-Sammlung aus den Schubladen zog. Der Anlass? Nein, es war nicht Marie Kondos Ausmistbibel, die mich dazu inspirierte, die alten Schätzchen auf ihre heutige Gültigkeit und Daseinsberechtigung zu prüfen. Es war vielmehr die Einladung einer lieben Freundin zur Präsentation eines neuen Swatch-Modells: der Skin Irony. Keine Frage: Da musste ich dabei sein.

Immer wieder ein wunderbarer Veranstaltungsort: Die Praterinsel in München. (© casowi)

Skindoree und Skinalliage – ein Pärchen der Skin Irony Kollektion. (© casowi)

Auf der Münchner Praterinsel wurden sie unter dem Motto #futureclassic vorgestellt, die neuen großen Kleinen. Flach sind sie, mit gerade mal 5,8 mm. Und leicht. Skinny eben. Was mich als Herrenarmbanduhrträgerin auf Anhieb begeistert hat: Alle acht Modelle der ersten Saison haben eine angenehme Größe – je zwei bilden ein Themen-Paar. Die Armbänder gibt es in Metallausführung, aus Leder oder Silikon. Die Designs sind nicht mehr so funky wie früher, dafür sind sie angenehm reduziert, damit recht zeitlos und zeigen sich vom maritimen Streifenlook über reduzierte Klassik oder mit diskreten Bling-Bling-Kristallen.

Die marinige Skinspring von Swatch. (© casowi)

Ich liebe ja den sommerlichen Matrosenlook und entschied mich daher für das ein wenig zungenbrecherisch aussprechbare Modell Skinspring. Gut: das Meer hat meine Skin Irony bislang leider noch nicht gesehen. Dafür umso mehr bayerischen Frühling in unterschiedlichen Facetten. Sie war schon auf der Zugspitze, bei der geliebten Runde am Weiher, hat im Garten die Beete und Terracottatöpfe neu bepflanzt, eine Wildkräuterführung im Wald brennesselfrei überstanden und beim Hochdruckreinigen der Terrasse sowie beim Besuch bei einer Geigenbaumeisterin jede Menge „good vibrations„ mitbekommen. Und weil sie nicht mehr so laut tickt wie ihre Vorgänger, ist sie auch tauglich für meine Coaching-Sitzungen. Denn dort sind ja die schweigsamen Momente meist die besonders wertvollen, da meine Klienten dann in neue Sphären ihres Denkens und Fühlens eintauchen. Wäre also schlimm, wenn diese Momente durch lautes Ticken unter Druck setzen anstatt den Gedanken ungestörten Lauf zu lassen.
Das Silikonarmband war zu Beginn etwas ungewohnt auf der Haut – ich hatte tatsächlich in den ersten Tagen ein paar Mal das Gefühl, der Verschluss habe sich geöffnet und die Uhr sei heruntergefallen. So angenehm leicht ist sie.

Schweizer Knallbuntitäten der Vergangenheit. (© casowi)

Wir wurden nie wirklich gute Freunde: Die Pop Swatches. (© casowi)

Die Zeiten der Knallbuntität mag vielleicht ein wenig zurückhaltender sein bei Swatch als früher – mir gefällt aber auch das neue Understatement. Passt gut, finde ich – wir sind ohnehin meist reizüberladen. Beim Durchsehen meiner Sammlung hatte ich übrigens zunächst vorübergehend ein wenig Schamesröte im Gesicht (aufgrund der gefühlten eigenen Maßlosigkeit) und dann freudig rote Bäckchen bei all den Erinnerungen, die mir sofort an einzelne Modelle einfielen: Die güldene Musicall, die ich in Kolumbien in einem wirklich versteckten Mini-Laden entdeckte, das Ravenna-Mosaike zitierende Modell, das meine Mutter für mich im Italienurlaub ergatterte, die grüne Earth-Hour-Automatic, die mich durch das medizinische Staatsexamen begleitete (und nicht nur einmal), die Scuba mit dem orangefarbenen Armband, die mir mein Chef im ersten Agenturjob schenkte … ich werde wohl demnächst zwei bis drei neue Batterien anschaffen und sie Ührchen-wechsel-Dich spielen lassen, denn die Lust an den alten Modellen kehrt wieder. Schließlich verspüre ich dieses Hippiegefühlsbedürfnis auch heute noch von Zeit zu Zeit.

… auch mal mit Metallarmband (das so herrlich ziepen konnte). (© casowi)

Batteriefrei: Die Automatics. (© casowi)

Die 10 Mark-Uhr! Die könnte ich doch eigentlich mal wieder … (© casowi)

Und dann gibt’s ja auch noch ein paar gänzlich ungetragene Exemplare. Was mir durchaus Disziplin abverlangte, denn als stolze Besitzerin wollte ich die noch ausgefalleneren Editionen der Collectors Club-Mitglieder (ich war unter den ersten 1.000 Mitgliedern namentlich erwähnt in der Club-Zeitschrift – Swatch verstand schließlich schon immer was von Marketing) ja eigentlich tragen. Was wiederum den Wert der Rarität deutlich geschmälert hätte. Also sah ich davon ab und die limitierten Schrillmodelle schlummern bist heute in ihrer zuweilen ebenfalls sehr farbenfrohen Hülle. Und harren ihrer Wiederentdeckung.

1990 gab’s die 1. Sonderedition ausschließlich für Mitglieder des Swatch Collectors Clubs. (© casowi)

… und im Jahr drauf wurde es bunt as bunt can. (© casowi)

Zeit bleibt bunt.
Wie Menschen.
Und Erinnerungen.
Ich mag das.


PRODUKTTEST: Ich bedanke mich bei Swatch für die Einladung zur Präsentation der neuen Skin Irony sowie das hier abgebildete und beschriebene Testexemplar. Die Kollektion wird ab der zweiten Maihälfte online sowie im Handel erhältlich sein.

Und sie bloggen doch: Ü50-Bloggertreffen in München

Vor zwei Jahren bin ich mit meinen Blogs bei Blogs 50Plus sozusagen eingezogen und ein bisschen daheim. Die Plattform wurde von Uschi Ronnenberg und Maria Al-Mana gegründet und aktuell haben sich dort 275 Blogger eingefunden. Einen Teil der Blogs und der Menschen dahinter kenne ich bereits, das Gros dieser Bloggereusen und Bloggeretti war mir aber bis dato persönlich unbekannt. Als Beatrix Andree im vergangenen Herbst vorschlug, die südliche Fraktion könne sich doch nach dem Vorbild der beiden Treffen in Köln und Berlin nun auch mal in München zusammentun und Co-Organisatoren suchte, meldete ich mich, um sie zu unterstützen.
Wir steckten also unsere Köpfe zusammen und überlegten, wann wir wen wie womit und worüber informieren sollten und was wir wann wie organisieren müssten und ein paar Mails später ging ein Doodle durch die Runde. Und zack – kaum ein halbes Jahr später kamen nun also 17 Blogger_innen aus Deutschland und Österreich zusammen. Nach kurzem Veganer-Check verabredeten wir uns im Bratwurstglöckl am Dom – es liegt zentral, die Qualität der Speisen ist seit meiner Kindheit auf verlässlich hohen Niveau, die Vorgespräche verliefen sehr angenehm, das Bier schmeckt ohnehin (weil Augustiner ausgeschenkt wird) und die Bratwürstl sind halt einfach himmlisch (nicht nur, weil sie auf ehrlich angebeulten Zinntellern serviert werden – wahlweise mit Kraut oder frischem Kren, aber auch).

Bratwurstglöckl

Fürs erste Kennenlernen schien uns eine bewährte Traditionswirtschaft schlichtweg passender als ein Genusstempel der Loriotschen Art mit einer „Queue d’Ecrievissage en Sauce Poupoule Courousse“.

Ein bissl mulmig war mir dann allerdings schon, als ich den berühmten Seiteneingang in der Thiereckstraße betrat, an dem immer ein paar Biertrinker „to stand“ zu finden sind – denn ausgerechnet an diesem Tag hatten 60er-Fans nach langer Zeit mal wieder einen Grund zu feiern. Und das taten sie. Zuhauf. In Stadionlautstärke. Es sei an dieser Stelle jedoch verraten, dass wir gute 30 Minuten später sicherlich gut mithalten konnten, wenn auch nur in Sachen Dezibel und nicht in Sachen Fußball. Umsonst gesorgt um viele „wie bitte?“s und „was hast Du gesagt?“s. Unsere ersten Gäste sprachen österreichisch. Was für ein Einsatz von Ingrid, Gabi und Elena, für einen gemeinsamen Abend vom Attersee und aus Salzburg anzureisen – chapeau! Und einige andere wie Blogs 50plus-Mitgründerin Maria nahmen sogar noch längere Wege auf sich, um mit dabei zu sein.
Um die gängigen drei Hashtags bei der Vorstellungsrunde mal zu durchbrechen, hatten Beatrix und ich kleine Fragezettel zum Ziehen aus einem Bierseidel vorbereitet. Und so erfuhren wir mal durchaus berührende und manchmal ganz pragmatische Beweggründe fürs Bloggen und dann wieder, welche Inspirationsmomente jemand hat und nutzt oder was der schrecklichste oder erheiterndste Moment bislang war, welche Pläne es gibt und was man beim nächsten Mal vielleicht anders machen würde (wenig, übrigens).
Beatrix hatte eine Liste mit Echt- sowie Blognamen und Foto erstellt, die wir austeilten – angenehm für kleine persönliche Notizen.Worüber bloggen 50Plusser denn nun eigentlich – und bloggen sie anders? Entspannter durchaus, so waren wir uns einig. Denn trotz aller Leidenschaft für die eigenen Themen sowie Begeisterung zum Feedback der Leser_innen – von wichtigtuerischer Hyperventilation war nichts zu spüren. Inhaltlich reichen die Themen von den Klassikern Mode, Lifestyle, Reisen, Genuss und (Sprach)Kultur bis hin zu Businessthemen mit Knowhow-Vermittlung zu Online-Kursen oder eBook-Publishing, zum Texten, zu Coaching oder allem, was mit dem (Un)Ruhestand zu tun hat. Dabei gibt’s erfreulich wenige 10-Punkte-Listen, die ewig zarte Haut, perfekte Jobs oder wahlweise Partner_innen versprechen oder 3-Tage–5-Kilo-Diäten sowie irre süße Lippenstifte mit Kussechtgarantie anbieten. Es scheint mir auch, als gäbe es mehr Mut zur eigenen Duftmarke, inhaltlich wie sprachlich. Ja, es waren Menschen da – und keine Perfomance-Maschinen. Menschen in der zweiten Lebenshälfte mit dem Wunsch, sich in der zweiten Jahreshälfte wieder zu sehen.Und so werden Beatrix und ich wohl denmnächst erneut die Köpfe zusammenstecken und überlegen, wann wir wen wie womit und worüber informieren sollten und was wir wann wie organisieren müssen. Und ein paar Mails später gibt’s dann vermutlich wieder ein Doodle zur Terminfindung.

Vielleicht möchten ja noch ein paar weitere 50Plus-Blogger_innen mit dabei sein und sich so entspannt und doch inspirierend austauschen, wie alle hier genannten es genossen haben:
Nessa Altura: nessaaltura.de/
Helmut Achatz: vorunruhestand.de
Birgit Faschinger: draufgaengerin.de
Beate Ruf: renatesblogweb.wordpress.com
Ingrid Staufer: begeistern.net
Gabi Wenger: lovemylife.at
Ulrike Bergmann: die-mutmacherin.de
Michaela Amann: wiggerlsworld.wordpress.com
Elvira Löber: septemberfrau.de
Thomas Otterpohl: reisen2go.com
Elena Proksch: verliebt-in-italien.at/
Sabine Fuchs und Uli Heppel: fuckthefalten.de
Maria Al-Mana: unruhewerk.de
sowie wir beide:
Beatrix Andree: beatrix-andree.de
Catharina Wilhelm: catharina wilhelm coaching