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Nancy und der Zauber der (Vor)Weihnachtszeit

[Pressereise] Nancy lässt Erwachsene in der Vorweihnachtszeit wieder zu staunenden und weihnachtsbezauberten Kindern werden, denen durchaus auch mal Spuren von Tränchen aus den Augenwinkeln treten können. Denn was die lothringische Stadt an Vorweihnachtsprogramm anbietet, hat glücklicherweise nichts mit Plastic-fantastic-Kommerzweihnachtsmärkten zu tun – vielmehr wird hier die Fantasie auf vielfältige Art und Weise angeregt. Das liegt zum einen sicherlich am Mut der Stadtverwaltung, zum anderen aber auch an der Fantasie der Künstler, der Genussfreude der Budenbesitzer und insbesondere auch an der Begeisterungsfähigkeit des Publikums für das gewisse andere Etwas. Fürs Liebevolle, Selbstgemachte, Humorvolle, Augenzwinkernde, ja auch mal fürs Unperfekte – vor allem auch fürs Miteinander: Jung oder Alt, Einwohner, regionale Nachbarn oder Touristen aus aller Welt (noch sind sie sehr diskret und treten nicht in Horden auf).
Held der Saison ist Saint Nicolas, also der Hl. Nikolaus. Er ist der Schutzpatron Lothringens und so feiert ihre Hauptstadt Nancy seinen Geburtstag (der eigentlich sein Todestag ist, aber das muss man ja nicht zu laut verkünden) jeweils an dem Wochenende, das dem 6. Dezember am nächsten liegt, auf ihren Straßen und Plätzen (die Sicherheitskontrollen sind streng, alle Taschen und Rucksäcke werden kritisch beäugt). Am Samstag Abend stellen die Kinder dem vielreisenden Saint Nicolas ein Getränk und seinem Esel Karotten/Möhren/Gelbe Rüben sowie ein paar Zuckerstücke zur Stärkung bereit, bevor sie ihre Stiefel für die erhoffte Füllung vor die Tür positionieren (und wunderbarerweise sind am Sonntag Morgen die Gaben an beide Reisende entschwunden und dafür die Stiefelchen mit Obst, Süßigkeiten und kleinen Geschenken bestückt!). Anschließend laufen die Familien los in Richtung der prächtigen Place Stanislas oder positionieren sich gleich entlang der Strecke an den Straßen und Plätzen, um den Nikolaus-Umzug zu bewundern. 

Warten auf den Umzug von Saint Nicolas, hier bei St. Epvre. (© casowi)

Mindestens eine Stunde vor Beginn sollte man seinen Standort bezogen haben, um reelle Chancen auf gute Sicht und reiche Süßigkeitenausbeute zu haben. Denn was dem Kölner Karnevalisten seine „Kamelle“ sind, sind dem Nikolaus-Fan in Nancy seine „Bonbons“. In allen Stimmlagen und Lautstärken erschallt der Ruf den ganzen Abend, mal fast verschämt vorgetragen und dann wieder selbstbewusst einfordernd und vor allem immer mit dieser ganz gewissen französischen Charmenote versehen, an der man sich nicht satthaben kann. Die dicht gedrängten Erstreihen reichen allerdings nach der Erstsättigung ihres Zuckerbedarfs die Objekte der Begierde auch mal an die weiter hinten Stehenden weiter, die sich mit dem Fang der per Wurf verteilten Süßigkeiten nicht immer leicht tun. Und das Sammeln lohnt sich: Neben hochwertigen Karamelbonbons gibt’s auch immer wieder mal die Spezialität Nancys, die Bergamotes (viereckige gelbe Flachbonbons, die diskret mit Bergamotte-Öl gewürzt sind).
Aber natürlich geht’s hier nicht nur um Süßigkeiten, sondern auch um die (Wagen-)Parade. Und die hat viel zu bieten: Den Kleinen Prinzen, immer wieder fauchende Drachen, an denen Artisten in Plexikugeln baumelnd waghalsige Übungen zeigen, feuerspeiende Vulkankegel, einen grimmig die Straße herunter stapfenden King Kong, ein überdimensionales Rentier-Ballett, wunderbar bunt wabernde Quallen, den gar nicht mehr so kleinen Fisch Nemo, ein weihnachtliches Schaukelpferd mit Bonbon-verteilender Reiterin und natürlich ein echtes Einhorn! Dazwischen mischen sich auch immer wieder Stelzenkünstler, Musikkorps und Tanzgruppen.

Jedes Jahr sind auch Gruppen aus einem Partnerland dabei, diesmal sind es Künstler aus Japan. 

Zum krönenden Abschluss der Parade ziehen die Hauptprotoganisten der Vorweihnachtszeit in Nancy ein: Gemäß der regionalen Nikolauslegende verloren einst drei Kinder auf dem Rückweg vom Feld, auf dem sie Mais ernteten, die Orientierung. Sie kamen an ein hellerleuchtetes Haus – das Haus des Metzgers. Der freundliche Mann bot ihnen etwas zu Essen sowie die Übernachtung bei sich an, was die drei freudestrahlend annahmen. Sobald sie jedoch eingeschlafen waren, tötete er die Kinder mit einem gezielten Kehlenschnitt, zerteilte sie feinsäuberlich und legte diese in seine Kühltruhe. Einige Jahre später erfuhr der Hl. Nikolaus von ihrem Schicksal, reiste zum Metzger und erbat unschuldig eine Übernachtung in dessen Haus. Dieser fühlte sich geehrt über so hohen Besuch und begrüßte ihn überschwänglich. Kaum hatte Saint Nicolas Platz genommen, bat er um eine deftige Mahlzei. Der Metzger wurde blass. Nicolas ging daraufhin in den Keller, öffnete die Kühltruhe und befreite die drei Kinder, die zu neuem Leben erwacht waren. 
Kein Wunder also, dass die Bonbon-Rufe sich unmittelbar beim Erscheinen des Metzgers mit der gespaltenen Zunge in lautstarke „Uuuuuuuuh“-Rufe (das französische „Buh“) wandeln. Zu guter Letzt ziehen Saint Nicolas und sein Esel durch Nancys Straßen auf die Place Stanislas, auf der die Parade endet.

Früher erhielten die Kinder ihre Weihnachtsgeschenke bereits zum Fest des Saint Nicolas, heute dient es noch immer als Auftakt der 40 Tage andauernden Weihnachtsfeierlichkeiten. Und so finden an vielen Orten in der Stadt zahlreiche Spektakel und Konzerte sowie fröhlicher Budenzauber statt: Unmittelbar vor dem Bahnhof gibt es eine Eislaufbahn, vor der Markthalle einen Weihnachtsmarkt mit kulinarischen Köstlichkeiten. Vin chaud, also Glühwein, ist ebenso beliebt wie Schmalzgebackenes und Guglhupf, Schokolade- und Nougat-Kreationen, für die Fans von Salzigem gibt es Würste, Käse, Raclette oder auch Austern.  

Schon vor dem abendlichen Umzug ist auf der Place Stanislas und der Place jede Menge Entertainment geboten: Mal kann man Japaner bei traditioneller Artistik namens Kagatobi bestaunen, dann radelt das Seifenblasenmobil vorbei und verwandelt den Platz in ein Seifenblasenmeer, auf dem Weg zur Place de la Carrière zum Riesenrad begegnet man Männern, deren Kopf in einer Goldfisch-Bowl steckt (mit echten Goldfischen darin) und zieht vorbei an einer Kinderschar, die auf eine Theatervorführung wartet oder begegnet Tänzern und Sängern. Genial ist der Ausblick über die Stadt bei einer Fahrt mit dem Riesenrad, anschließend kann man den lang gestreckten Platz entlang von Bücherständen, liebevoll gestalteten Kinderfahrgeschäften und kulinarischen Angeboten bis zum Regierungspalast schlendern.

Auch das Regierungsgebäude ist in ein Kinderparadies verwandelt: Computergames in der Eingangshalle, Ballett und Gesang zum Mitmachen und vieles mehr in den Räumlichkeiten, im Garten hinter dem Palast sind faszinierende Mobile-Konstruktionen aus Fahrradteilen, Badewannen und Musikinstrumenten aufgebaut. Auf dem Weg zur Place Stanislas tanzt die Rentier-Gruppe in den Abend und begegnet dem Hl. Nikolaus.

Allabendlich von Ende November bis zum 6. Januar findet auf der Place Stanislas, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, drei Mal Rendezvous de Saint Nicolas statt. Anders als im Sommer ist es auf die Rathausfassade beschränkt, was der Begeisterung der Kinder allerdings keinen Abbruch leistet. Acht Minuten tauchen Lichtprojektionen das Gebäude in immer neue Traumwelten und ja: man kann auch einen Blick auf den Nikolaus erhaschen.

Fassadenzauber am Rathaus (© casowi)
Bunter und lebkuchiger geht’s auch (© casowi)
Immer bunter wird’s (© casowi)

Und irgendwann nach dem Abendessen (Tipps dazu folgen in einem separaten Blogpost – einige gibt es auch schon hier vom Sommerbesuch) muss man einfach noch mal zurück zur Place Stanislas. Dann hat sie sich geleert und lässt einen in all ihrer Pracht noch einmal zum staunenden Kind werden. Und anschließend geht man ein kleines Stück beseelter zu Bett …

Vorfreude kurz vor dem Betreten des Platzes (© casowi)
Blick aufs Museum der Schönen Künste (© casowi)
Kirschblüte meets Weihnachtsbaum (© casowi)

Blick aufs Rathaus von Nancy (© casowi)
Blick vom Rathausbalkon (© casowi)

________________________________________________________________________________ Ich bedanke mich bei Nancy Tourisme sehr herzlich für die Einladung zur individuellen Pressereise. #topfrenchcities

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fasziniert von Menschen und deren Geschichten, Reisen, Wein, Food, Musik, Sprachen und einigem mehr. Beruflich Business Coach, Konfliktmoderatorin und PR-Dozentin.

1 Kommentar

  1. Helga Wilhelm sagt

    Ein wundervoller Artikel über die Vorweihnachtszeit in der schönen Stadt Nancy ! Er erzählt uns von traditionellen Umzügen und der Freude der Einwohner Gechichte und Geschichten darzustellen und uns Weihnachten ohne Commerz erleben zu lassen. Eine herrliche Stadt- da muss man doch einmal hinfahren!

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